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Außerirdische : Könnten wir sie überhaupt verstehen?

Einige Forscher denken aber bereits über die rein naturwissenschaftliche Seite der Alien-Frage hinaus und überlegen – wie die in „Arrival“ von Amy Adams gespielte Linguistin –, ob und wie man sich im Kontaktfall verständigen könnte.

Unheimliche Begegnung der nullten Art

„Ich bin neidisch auf Amy Adams’ Figur“, gesteht der Psychologe Douglas Vakoch. „Sie hat Kontakt von Angesicht zu Angesicht mit den Aliens.“ Vakoch war lange einer der wenigen Sozialwissenschaftler am SETI-Institut im kalifornischen Mountain View und ist heute Präsident von METI International, einer gemeinnützigen Organisation mit Sitz in San Francisco, die sich dem „Messaging“ verschrieben hat, also dem Formulieren und Versenden von Botschaften an potentielle Brüder im All. An die Möglichkeit, dass doch einmal eine fliegende Untertasse vor dem Weißen Haus landet, ist dabei jedoch nicht gedacht. „Mir ist keine ernsthafte Forschung bekannt, die sich mit einem direkten Kontakt beschäftigt“, sagt Vakoch. „Und kein SETI-Wissenschaftler verwendet den Ausdruck ,Begegnung der dritten Art‘. Tatsächlich könnte man SETI und METI als Suche nach einer Begegnung der nullten Art auffassen: einem Informationsaustausch über interstellare Distanzen mittels Radiosignalen oder Laserpulsen.“

Auch dabei ist es gar nicht so einfach, sich jemandem verständlich zu machen, von dessen Welt und Natur man zunächst keinerlei Kenntnisse hat. Das zeigt zum Beispiel die sogenannte „Arecibo-Botschaft“, die SETI-Gründer Frank Drake von der Cornell University 1974 mit der damals weltgrößten Radioantenne verschickte, dem Arecibo-Teleskop auf Puerto Rico. Die interstellare Flaschenpost bestand aus einer Folge von 1679 Bits, die sich zu einem Bild aus 23 mal 73 Pixeln auslegen lassen. Darauf sind dann unter anderem die stilisierte Gestalt eines Menschen und Details über unser Sonnensystem zu sehen. Das war damals eher ein PR-Gag zur Feier eines Teleskop-Upgrades, denn aus technischen Gründen zielte die Radioantenne nicht auf einen nahen Stern, sondern auf den Kugelsternhaufen M13 im Sternbild Herkules. Etwaige bewohnte Planeten darin sind um die 25000 Lichtjahre von uns entfernt, so dass mit einer Antwort frühestens in 50000 Jahren zu rechnen wäre.

Hoffnung auf neues Denken

Davon einmal abgesehen, setzte Frank Drake genau wie der Colonel zu Beginn von „Arrival“ eine unserer Fähigkeiten voraus, indem er davon ausging, dass etwaige Bewohner von M13 sehen können. Diese Annahme aber, bemerkte die blinde Linguistin Sheri Wells-Jensen von der Bowling Green State University in Ohio im Mai dieses Jahres auf einer Tagung, sei ausgerechnet im Fall des häufigsten Typs möglicherweise lebensfreundlicher Planeten zweifelhaft. Denn diese umkreisen rote Zwergsterne und sind ihren winzigen Sonnen so nahe, dass sie von Gezeitenkräften gezwungen werden, ihnen stets dieselbe Seite zuwenden. Bewohnbar wären dort wohl nur die kreisförmigen Zonen zwischen den Hemisphären ewiger Hitze und ewigen Eises, wo es das ständige Dämmerlicht eher unwahrscheinlich mache, dass Lebewesen einen ausgeprägten Gesichtssinn entwickelten.

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