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Ferne Weihnachtsgrüße (6) : Bescherung in der Schwerelosigkeit

Weihnachten im All 2015: Blick von der Raumstation aus auf die Erde Bild: Tim Peake, Esa

Weihnachten in der Erdumlaufbahn, wie ist das? Wir haben mit dem britischen Astronauten Tim Peake gesprochen. Er hat vor zwei Jahren die Festtage auf der Internationalen Raumstation verbracht.

          An einem abgelegeneren Ort kann man Weihnachten nun wirklich nicht feiern als auf der Internationalen Raumstation ISS, die in 400 Kilometern Höhe alle 92 Minuten einmal um die Erde kreist. Wahrscheinlich aber auch an keinem schöneren. Denn der Blick auf den blauen Planeten, der sich von dort oben bietet, muss wirklich atemberaubend sein. Das bestätigen alle 230 Astronauten, die bisher an Bord des Weltraumlaboratoriums waren. Von dort oben würde erst klar, wie wunderschön, aber auch wie verletzlich die Erde letztlich sei. Gut ein Drittel der Astronauten konnte schon einmal Heilig Abend und Weihnachten auf der ISS feiern.

          Die Weihnachts-Grundausstattung von Tim Peake.
          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          So auch Tim Peake, von der europäischen Raumfahrtagentur Esa, der vom 15. Dezember 2015 bis zum 18. Juni 2016 insgesamt 186 Tage im All verbrachte. Doch richtige Weihnachtsstimmung will bei den Astronauten auf der Raumstation nicht aufkommen. „Man ist dort oben eigentlich immer im Dienst“, sagt Peake. Rund dreihundert Experimente hatte der gebürtige Brite und ehemalige Testpilot während seines sechsmonatigen Aufenthalts zu absolvieren – von Versuchen zur Materialforschung über biologische und medizinische Untersuchungen bis zu zahlreichen Selbstversuchen. Das Programm verlangt einen straffen Zeitplan.

          Tim Peake gewinnt den London Marathon 2016 im All.

          Peake absolvierte Mitte Januar 2016 als erster Brite auch einen Außenbordeinsatz und steuerte vom Weltraum aus ein Roboterfahrzeug zwei Stunden lang durch eine künstlich errichtete Mars-Landschaft in der Nähe von London. Im April lief er sogar den London-Marathon parallel auf der Raumstation mit, in Schwerelosigkeit und mit dreieinhalb Stunden in persönlicher Bestzeit. Peake sicherte sich damit einen Eintrag ins Guinnessbuch.

          Am ersten Weihnachtstag habe die Crew traditionell einen ganzen Tag freigehabt, erzählt Peake. Und den verbrachte er gemeinsam mit seinen fünf Kollegen – Scott Kelly und Tim Kopra von der Nasa sowie den russischen Kosmonauten Yuri Malenchenko, Sergey Volkov und Mikhail Kornienko – rund um einen kleinen Tannenbaum, der zum Inventar der ISS gehört. Jeder von uns trug eine Nikolausmütze und sprach mit seiner Familie und Freunden auf der Erde. Da kam doch schließlich das Weihnachtsfeeling auf. Als Weihnachtsmenü wurde Weltraumkost nach Wahl serviert. Die persönlichen Wunschgerichte waren zuvor von einem Weltraumfrachter eingeflogen worden.

          Für Peake gab es als Nachtisch natürlich britischen Pudding. Den genoss er bei seiner Lieblingsbeschäftigung in seiner spärlichen freien Zeit: die Erde vom ISS-Ausguck aus zu betrachten und dabei Fotos zu schießen. Wer an Heilig Abend 2015 in Deutschland in den Nachthimmel blickte, konnte einen hellen Lichtpunkt vorüberziehen sehen. Manches Kind wird den Weihnachtsmann auf seinem Schlitten vermutet haben, wie er gerade seine Geschenke verteilte.

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