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Rätselhaftes Bewusstsein : Wie kommt der Geist in die Natur?

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Denken ist schon eine ziemlich fortgeschrittene Form von Bewusstsein. Tiere und Kleinkinder sind sich so manchem auch so bewusst. Warum also erst sie? Bild: F.A.S.

Die Frage, wie ein materielles Gehirn sich der Welt bewusst sein kann, ist eine harte Nuss. Und die Antwort vielleicht überraschend einfach.

          Bewusstsein ist ein einzigartiges wissenschaftliches Rätsel. Nicht nur Neurowissenschaftler haben keine grundlegende Erklärung, wie es aus physikalischen Hirnzuständen entsteht. Sondern es ist prinzipiell fraglich, ob wir je eine Lösung dafür haben werden. Astronomen wundern sich über dunkle Materie, Geologen suchen nach den Ursprüngen des Lebens, Biomediziner versuchen, den Krebs zu verstehen: Das sind alles schwierige Probleme, doch wir haben zumindest eine Idee, wie wir sie angehen, und grobe Vorstellungen, wie ihre Lösungen aussehen könnten. Unsere Erfahrung in der ersten Person hingegen liegt jenseits traditioneller naturwissenschaftlicher Methoden. Der australische Philosoph David Chalmers spricht vom harten Problem des Bewusstseins.

          Doch vielleicht ist Bewusstsein nicht das einzige Thema, das solche Probleme bereitet. Die alten Naturphilosophen Gottfried Leibniz und Immanuel Kant rangen mit einem weniger bekannten, aber gleichermaßen harten Problem der Materie. Was ist physikalische Materie in und aus sich selbst, hinter der mathematischen Struktur, wie sie die Physik beschreibt? Auch dieses Problem scheint jenseits der traditionellen Methoden der Wissenschaft zu liegen. Denn alles, was wir beobachten können, ist, was Materie tut, nicht, was sie in sich ist. Wir kennen die „Software“ des Universums, aber nicht seine letzte „Hardware“.

          Oberflächlich betrachtet, scheinen die beiden Probleme vollständig getrennt. Aber bei näherer Betrachtung zeigt sich, dass sie sehr tief verbunden sein könnten.

          Bewusstsein ist ein vielschichtiges Phänomen, subjektive Erfahrung ist sein rätselhaftester Aspekt. Es ist nicht nur so, dass unsere Gehirne Information sammeln und verarbeiten. Sie unterliegen nicht nur biochemischen Prozessen. Sie erzeugen darüber hinaus einen lebendigen Reigen von Gefühlen und Erfahrungen wie rotsehen, sich hungrig fühlen oder verblüfftsein über philosophische Fragen. Es fühlt sich irgendwie an, man selber zu sein; und niemand anders wird das je so direkt wissen wie man selber.

          Unser eigenes Bewusstsein umfasst ein vielfältiges Feld von Sinneswahrnehmungen, Emotionen, Wünschen und Gedanken. Aber prinzipiell können bewusste Erfahrungen sehr einfach sein. Ein Tier, das einen unmittelbaren Schmerz oder ein dringendes Bedürfnis spürt, ist sich dessen bewusst, auch wenn es nicht darauf reflektiert. Unser eigenes Bewusstsein ist für gewöhnlich Bewusstsein von etwas, etwa Gewahrsein oder Betrachtung von Dingen in der Welt, von abstrakten Ideen oder dem Selbst. Wer aber einen inkohärenten Traum hat oder wild halluziniert, ist immer noch bewusst, insofern er subjektive Erfahrung hat, auch wenn sie nicht Erfahrung von etwas Speziellem ist.

          Warum das Problem hart ist

          Woher kommt Bewusstsein in diesem allgemeinen Sinn? Die zeitgenössische Naturwissenschaft gibt uns gute Gründe zu glauben, dass Bewusstsein in der Physik und Chemie unseres Gehirns gründet, statt in etwas Immateriellem oder Transzendentem. Um ein bewusstes System zu schaffen, brauchen wir, so gesehen, nur physische Materie. Man setze sie auf die rechte Weise zusammen, wie das im Gehirn geschieht, und Bewusstsein wird erscheinen. Aber wie und warum kann Bewusstsein herauskommen, wenn man doch nur nicht-bewusste Materie auf eine bestimmte komplexe Weise zusammensetzt?

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