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Papsttum : Der seltsamste Job

So viel Spaß macht das Papstsein nicht immer. Heute musste Franziskus den amerikanischen Präsidenten Donald Trump empfangen. Bild: Getty

Das Papsttum überspannt alle Epochen von der Antike bis zur Gegenwart. Noch der Nüchternste gerät darüber ins Staunen. Auch für Historiker ist der Heilige Stuhl nicht irgendeine Institution.

          Ich hoffe, die elende katholische Kirche wird verschwinden.“ So äußerte sich der britische Fantasy-Autor und glühende Atheist Philip Pullman gegenüber dem Guardian im April 2010. Das war auf dem Höhepunkt der Berichterstattung über zahlreiche Fälle von Kindesmissbrauch durch Geistliche und den Umgang der Kirche damit. Anstatt die Strafverfolgungsbehörden einzuschalten, hatten Vorgesetzte der Beschuldigten sie oft nur versetzt. Der Skandal war für die Kirche die schwerste Belastung der Nachkriegszeit. Ihren Gegnern lieferte er die schärfste Munition. Nicht nur solchen, die wie Pullman das Christentum als solches bekämpfen, sondern auch Menschen, die den Glauben in die Gegenwart eingehegt und die kirchliche Lehre an gesellschaftliche Veränderungen angepasst sehen möchten. Ihnen ist daher vor allem eines ein Dorn im Auge: das Papsttum selbst.

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der Wunsch, es möge untergehen, es möge keine übernationale Instanz mit apostolischer Autorität und letztem Wort in theologischen Meinungsverschiedenheiten mehr geben, keinen Primat mit Anspruch auf irgendeine fundamentale Geltung in einer sich doch wandelnden Welt – dieser Wunsch wäre in den vergangenen zwei Jahrtausenden schon mehrfach fast in Erfüllung gegangen. Auch ohne ein Übermaß an kontrafaktischer „Was wäre gewesen, wenn“-Historie lassen sich mindesten vier Epochen ausmachen, die einen im Nachhinein verblüffen, dass das Papsttum sie überlebt hat.

          Pornokratie, Schisma, Reformation

          Da wären etwa das zehnte und beginnende elfte Jahrhundert, dessen Päpste bis auf wenige Ausnahmen für die spätere Kirche eine „Peinlichkeit ersten Ranges“ darstellen, wie der in Fribourg lehrende Historiker Volker Reinhardt in seiner kürzlich erschienenen monumentalen Papstgeschichte feststellt. Unter der Fuchtel römischer Adelsclans kamen damals die nichtswürdigsten Gestalten auf den Stuhl Petri: Mörder und Hurenböcke ohne theologische Bildung, deren Kanzleien keinen korrekten lateinischen Satz mehr zustande brachten.

          Das nächste Aus drohte im Großen Abendländischen Schisma zwischen 1378 und 1417, als zwei, zeitweise drei Kardinäle den Anspruch auf den Stuhl des Apostels Petrus erhoben. Die Spaltung hätte sich leicht verfestigen oder dazu führen können, dass die Kirche unter die Oberhoheit eines institutionalisierten Konzils gekommen wäre, bei dem für den römischen Bischof allenfalls ein Ehrenvorsitz übriggeblieben wäre. Es gehört nicht viel Phantasie dazu, sich vorzustellen, wie die späteren Nationalstaaten daraufhin alle ihre eigenen Staatskirchen gegründet hätten. Genau das geschah dann ja auch vielerorts hundert Jahre nach Beendigung des Schismas, als die nächste Katastrophe über den Stuhl Petri hereinbrach, ausgelöst durch Reformatoren wie Martin Luther und Johannes Calvin. Und schließlich war es alles andere als selbstverständlich, dass das Papsttum die Napoleonischen Kriege überleben würde.

          Neues Buch, große Ausstellung

          Doch zunächst sind es nicht diese Umbrüche, welche die Papstgeschichte zu einem ganz besonderen historiographischen Thema machen. Das sind vielmehr die enormen Zeiträume von der Antike bis in die Gegenwart, die das Phänomen überspannt. Für die Geschichtsschreibung ist das zum einen deswegen problematisch, weil auch breit aufgestellte Historiker ihren Schwerpunkt in irgendeiner Epoche haben. Volker Reinhardt etwa ist Spezialist für die Renaissance, weswegen man ihm nachsehen kann, dass sein Abriss über die Päpste des 19. bis 21. Jahrhunderts recht holzschnitthaft ausfällt. Die von heute an in den Mannheimer Reiss-Engelhorn-Museen zu sehende Päpste-Ausstellung beschränkt sich denn auch auf die Zeit bis zur Reformation und hat dafür eine erstaunliche Menge erstklassiger Objekte organisiert. Deutlich mehr als zwei Stunden Zeit, Freude an kostbaren Handschriften und vielleicht einen Klappsitz sollte man dafür mitbringen.

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