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Das Geheimnis der Genies : Einsteins pädagogische Formel

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Was war das Geheimnis seines Erfolgs? Bild: picture-alliance / dpa/dpaweb

Der berühmte Physiker hat Maßstäbe für die Nachwuchsförderung gesetzt, ohne es zu ahnen. Die Nase als Sinnbild für wissenschaftliche Kreativität, die Stirn als Symbol für außergewöhnliches Beharrungsvermögen - genial!

          Albert Einstein ist eine intellektuelle Ikone. Wer sich auf seinen Intellekt etwas einbildet, trägt sein Konterfei auf dem T-Shirt oder kultiviert eine ähnliche Frisur. Zu allem Überfluss schwebt das Konterfei des berühmten Physikers wie ein kosmischer Sehnsuchtspunkt über den Köpfen der Bildungstheoretiker, die sich bemühen; wissenschaftliche Exzellenz am Schreibtisch zu planen. Aus einem solchen Holz müssten unsere künftigen Geistesheroen geschnitzt sein! Albert Einstein hätte sicher gelacht. Im Unterschied zu den Menschen, die ihn bewundern, bildete sich der Physiker auf seine analytische Intelligenz, die wir heute wie ein goldenes Kalb umtanzen, wenig ein. Auch gängigen Exzelleninitiativen und Hochbegabtenprogrammen wäre er mit Skepsis begegnet.

          „Nur meine Stirn und meine Nase“ entgegnete er einem erstaunten Journalisten, der wissen wollte, was das Geheimnis seines Erfolgs sei. Der verunsicherte Fragesteller bohrte nach, hatte er doch erwartet, dass Einstein Intelligenz und Begabung in den Mittelpunkt rücken würde. Aber Einstein, der sich selbst nicht für einen sonderlich begabten Mathematiker hielt, führte aus, was er meinte: Seine große Nase bräuchte er, um die richtigen Fragen zu erschnüffeln und die harte Stirn sei Ausdruck seiner maultierhaften Starrnäckigkeit.

          Ohne Fleiß kein Erfolg

          Die Nase als Sinnbild für Kreativität und wissenschaftliche Intuition, die Stirn als Symbol für außergewöhnliches Beharrungsvermögen, aber auch für den Mut entschlossen die eigene Meinung zu vertreten. Stirn und Nase, das könnte man deshalb als Einsteins pädagogische Formel bezeichnen. Bemerkenswerter Weise steht diese Formel in einem eklatanten Widerspruch zu den Charaktereigenschaften, die uns heute bei begabten Schülern und Studenten förderungswürdig erscheinen. Von einem hohen IQ und einem Studium in Rekordzeit sprach Einstein nicht!

          Irrte er also oder klingt in seinen Worten eine Wahrheit an, die irgendwie auf der Strecke verloren gegangen ist? Tatsächlich wird auch heute noch gerne die Legende vom Musenkuss kultiviert. Ein über die Maßen begabter Mensch durchzuckt plötzlich das Licht der Erkenntnis: Dem sinnierenden Newton fiel erst der Apfel auf den Kopf, dann fiel es ihm wie Schuppen vor den Augen. In einem einzigen Moment offenbarten sich ihm die ewigen Gesetze des Universums. Wunsch oder Wirklichkeit? Verschwiegen wird gerne, dass Isaac Newton ein „Arbeitstier“ war. Ging er in den Keller, um Wein für die Gäste zu holen, konnte es passieren, dass er diese völlig vergaß. Von den Suchenden wurde Newton im Keller entdeckt, während er über einer Rechnung brütete. Auch ist bezeugt, dass er sich wochenlang mit einer einzigen Seite aus den mathematischen Schriften von Descartes beschäftigte, wenn er diese nicht verstand.

          Genies sprechen selten über ihr Talent

          Je länger man sich mit den Biographien erfolgreicher Menschen auseinandersetzt, desto einsichtiger wird die Gültigkeit Einsteins persönlicher Einschätzung. Viele Genies verorten ihre Begabungen an ganz anderen Stellen, als die von ihrem Glanz geblendete Außenstehende. Michal Jordan, der beste Basketballspieler aller Zeiten, nannte als Grund seines Erfolgs, nicht sein Talent. Er könne nur mehr Schmerzen aushalten als andere, beschied er seinem Interviewpartner. Ein spät berufener Maler wie van Gogh, Stil bildend für eine ganze Epoche, war sich seiner beschränkten zeichnerischen Fertigkeiten bewusst. Doch er hatte die Stirn, sich nicht beirren zu lassen und war felsenfest überzeugt, dass es ihm mit harter Arbeit gelingen würde, in seinem Werk tiefer liegende Wahrheiten freizulegen, als die handwerklich versierteren Kollegen.

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