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Wissenschaftskommunikation : Besser unattraktiv

Sheldon Cooper macht es richtig: Wer als Wissenschaftler kompetent wirken will, sollte nicht zu großen Wert auf die eigene Attraktivität legen. Bild: obs

Die Oberflächlichkeit der Öffentlichkeit macht nicht einmal vor Wissenschaftlern Halt. Psychologen haben diesbezüglich ein paar erschütternde Neuigkeiten geliefert. Eine Glosse.

          Was waren das noch für paradiesische Zeiten, als es allein das Denken war, das für die Wissenschaftler im Vordergrund stand. Intelligentes Kombinieren und das Finden kreativer Lösungswege als Hauptqualifikationen eines erfolgreichen Wissenschaftlers, ganz unabhängig davon, wie der Forscher sich selbst optisch präsentierte. Wer Nerd ist, hat meist viel zu grübeln. Doch von einer Sorge blieb er bisher immerhin verschont, und das war das eigene äußere Erscheinungsbild.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Dass diese sorgenfreie Haltung wohl schon heute als Relikt vergangener Zeiten anzusehen ist, haben nun Psychologen der Universitäten Essex und Princeton herausgefunden. Ausgehend von der immer größer werdenden Notwendigkeit, als Wissenschaftler die eigenen Ergebnisse auch nach außen zu kommunizieren, studierten sie die Frage, wie das Aussehen von Wissenschaftlern deren Wahrnehmung in der Öffentlichkeit beeinflusst. Dafür ließen sie Testpersonen die zufällig ausgewählten Gesichter von Physikern, Genforschern und Biologen im Hinblick auf Intelligenz, Attraktivität und Alter beurteilen. In einem weiteren Durchgang sollte eingeschätzt werden, wie gerne die Testpersonen mehr über die Forschung des jeweiligen Wissenschaftlers erfahren würden und wie sehr der jeweilige Wissenschaftler den Eindruck wichtiger und akkurater Forschung vermittelte.

          Dabei ergab sich, dass insbesondere die als attraktiv eingeschätzten Wissenschaftler Interesse zu wecken vermochten. Etwas mehr Neugier erweckten außerdem die älteren Forscher im Vergleich zu ihren jüngeren Kollegen. Anders gestaltete sich das Ergebnis allerdings, wenn es darum ging, die Qualität der Forschung auf der Grundlage des Forschergesichts zu erahnen. Hier wurde den attraktiven und umgänglich wirkenden Wissenschaftsvertretern deutlich weniger zugetraut. Wenn schließlich populärwissenschaftliche Artikel mit Fotos von Wissenschaftlern kombiniert wurden, übertrug sich die vorher gefundene Einschätzung des Wissenschaftlers auch auf die Bewertung des Artikels.

          Kommunizierende Wissenschaftler müssten sich demnach entscheiden: Wollen sie – gutaussehend – viele Menschen erreichen, dabei aber weniger kompetent wirken, oder wollen sie unattraktiv als vermeintliches Genie missachtet werden? Ignorieren sollten die Forscher ihr Äußeres zumindest keinesfalls, da sind sich die Psychologen sicher. Wir können also gespannt sein, ob in den wissenschaftlichen Instituten neben Präsentations- und Rhetorikkursen bald auch modische und kosmetische Typberatung zum Zuge kommt.

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