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Schülerforscher im Trend Die Jugend darf ran

Veritable Forschertalente können schon in der Oberstufe sichtbar werden. Der Wettbewerb „Schule trifft Wissenschaft“ forciert das Verschmelzen der Welten.

© Charlotte Wagner Vergrößern Erst einseifen, dann anwärmen - und schon gibt´s Seifenblasen

Der Trend geht zum Schülerforscher, wahlweise ausgestattet mit Spezial- oder Multitalenten, auf jeden Fall verbrieft und verifiziert schon zu Schulzeiten. Seitdem die Universitäten in der Auswahl ihres Nachwuchses auch eigene Kriterien anlegen können und deshalb auch häufig nach anderen als den üblichen Notennachweisen fragen, gewinnt eine Bewegung an Bedeutung, die weit über das pädagogische Anliegen hinaus zum großen Renner werden könnte: Das Wissenschaftscasting in der Schule.

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Die Stiftung „Jugend forscht“ meldet einen Anmeldrekord für 2013. In achtundvierzig Jahren gab es nie so viele Bewerber bundesweit: 11 411 Jungforscherinnen und Jungforscher. In neun Bundesländern ist das Interesse gestiegen, in Baden-Württemberg und Schleswig-Holstein um 16 Prozent gegenüber dem Vorjahr, in Hessen sogar um 24 Prozent. Doch die von den Schulen oft sehr unterschiedlich geförderten Initiativen insbesondere in den „MINT“-Fächern - Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik -, zu denen auch fächerspezifische Bildungsolympiaden zählen, sind längst nicht mehr die einzigen Schülertalentschmieden. Es gibt noch viel systematischere Ansätze in und an den Schulen. Das entscheidende Stichwort lautet: Vernetzung mit der Forschung.

“Natworking“ ist inzwischen eines der erfolgreichsten Konzepte, die versteckten Begabungen durch konsequentes Forschungs- und Didaktiktraining von Schülern, Lehrern und Wissenschaftlern zu mobilisieren. Die Robert-Bosch-Stiftung hat so in zwölf Jahren siebzig Universitäten, Max-Planck-Institute, Museen und andere Forschungsstätten mit mehr als dreihundert Schulen und zweitausend Lehrern zusammen gebracht. Mehr als 50 000 Schüler wurden bundesweit schon erreicht.

Jugend forscht © Günther / F.A.Z. Vergrößern Jugend forscht.

Wie das in den Projekten praktisch geschieht und zu was es sich entwickeln kann, zeigt besonders anschaulich der Wettbewerb „Schule trifft Wissenschaft“, der vor ein paar Tagen am Berliner Sitz der Bosch-Stiftung die diesjährigen Gewinner auszeichnete. Ganz vorne unter den neun Nominierten waren drei Projekte, die schon reichlich Erfahrung mit Schulforschungsnetzwerken gesammelt haben: Im zweitplatzierten, mit 20 000 Euro ausgezeichneten Bionik-Projekt „Spinnenseide in der Medizin“ etwa arbeiten Schüler und Lehrer der Integrierten Gesamtschule Peine mit der Medizinischen Hochschule Hannover zusammen. im ebenfalls zweitplatzierten „TUM-Kolleg“ sind neben der Technischen Universität München die Oberstufenschüler des Otto von Taube Gymnasiums Gauting an konkreten Forschungsprojekten beteiligt.

Am deutlichsten allerdings, weil besonders systematisch vorgehend, zeigen sich die Erfolge der Netzwerkbildung in dem mit dem Hauptpreis von 50 000 Euro belohnten Projekt „Forschungs-Bildungs-Kooperation Cottbus“. Vor neun Jahren, erzählt Reinhard Hüttl, Präsident der Deutschen Akademie für Technikwissenschaften und Wissenschaftlicher Leiter an der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus, „kam eine Biologielehrerin an seinen Lehrstuhl, um ein Mikroskopie-Praktikum zu absolvieren. „Die Lehrerin der Sekundarstufe II, Frau Liebig, war derart begeistert von den Möglichkeiten, dass sie diese Erfahrungen nicht nur für sich nutzen und behalten, sondern auch Anderen zugänglich machen wollte.“ Das war der Start für die Vernetzungsinitiative.

Partner der BTU sind heute drei norddeutsche Gymnasien - das Cottbuser Max-Steenbeck-Gymnasium, das Frankfurter Carl-Friedrich-Gauß-Gymnasium, das Paul-Gerhardt-Gymnasium in Lübben - sowie, quasi als Auslandsgast, das Schweizer Gymnasium Kirschgarten in Basel. Mehr als 800 Schüler und 67 Lehrer sind inzwischen für das dreigeteilte Projekt rekrutiert worden. Gemeinsam mit Lehrern und Wissenschaftlern werden in der zehnten und elften Klasse zwei Jahre Projektarbeit geplant. Zum Pensum gehören ein zweiwöchiges Universitätspraktikum, regelmäßige monatliche „Universitätstage“ im Stundenplan und am Ende ein Teilprojekt in den Materialwissenschaften. Praktisch alle naturwissenschaftlich relevanten Fächer sind beteiligt - Mathematik, Physik, Biologie, Chemie, Technik und Informatik. Der Erfolg: die zunehmende Bereitschaft vor allem auf Seiten der Forschung, den Nachwuchs konsequent zu schulen. 46 Lehrstühle der Technischen Universität haben sich mittlerweile beteiligt. Und auf Seiten des Nachwuchses hat man Lorbeeren geerntet, die später für die Bewerbungen an den Hochschulen mitunter Gold wert sein können.

So haben es 28 Schüler der „Forschungs-Bildungs-Kooperation“ bis zum Bundeswettbewerb „Jugend forscht“ gebracht, und das Schülerprojekt „Lausitzer Komposit-Kunststoff-Keramik-Komposite aus einheimischen Rohstoffen der Lausitz“ ist Grundlage geworden für ein Promotionsthema in der Organischen Chemie. Von einem Doktoranden wird inzwischen das von den Schülern erdachte Thema weiter beforscht.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 11.12.2012, 16:50 Uhr