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Risiko Genmais? Den Doppelbeleg, bitte! Windelweiches Wissen

Katerstimmung in der Forschung: Immer öfter sorgen spektakuläre Einzelergebnisse für Aufruhr, bevor sie reproduziert sind. Dagegen muss man was tun. Ein Vorschlag.

© ZB Vergrößern Gentechnisch veränderter Mais darf in Deutschland nicht angebaut werden

Die Symptome sind klar und die Prognose schlecht: Die harten Wissenschaften - „hard sciences“ -, wie man im Musterland der Naturwissenschaften sagt, sind schwer angegriffen. Erhöhte Temperatur. In der „New York Times“, diagnostizierte Andrew Revkin: „Single-Study Syndrome“. In dem von ihm behandelten Fall handelte es sich sogar um eine besonders perfide Form von „Einzelstudiensydrom“. Ein französischer Forscher, der seit sieben Jahren zu beweisen versucht, dass gentechnisch veränderte Nahrungs- und Futtermittel schwer krank machen, hat mit einem Aufsatz in der Fachzeitschrift „Food and Chemical Toxicology“ die Welt in Aufruhr versetzt: Transgener Mais, so Gilles-Eric Seralini, sollen in zweijährigen kontrollierten Fütterungsversuchen vermehrt Krebs bei Ratten erzeugt haben. Drei französische Minister und ein Großteil der Medien reagierten hysterisch, zehn Jahre Forschung, inklusive Zulassungsverfahren, wurden mit einem einzigen Aufsatz infrage gestellt. Auf der anderen Seite wütete die Fachwelt: „Beliebig“, „betrügerisch“, „bestellt“, „unsauber“, „verfälscht“ - kein abschätziger Kommentar fehlt bisher, und am Ende wurde die halbseidene Arbeit auch noch als „Unstatistik des Monats“ der Lächerlichkeit preisgegeben. Das Gutachtersystem hatte versagt, offenkundig. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat das der Agentur AFP gegenüber jetzt bestätigt: Die Schlußfolgerung sei nicht ausreichend belegt,  die verwendeten Tiere ungeeignet und in der Menge zu klein für die Fragestellung, die statistische Auswertung mangelhaft 

Und trotzdem gilt: Seralinis Arbeit wird die Behörden, auch die für die Zulassung verantwortliche Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), noch länger beschäftigen. Wie lange sie als Hauptbelastungsmaterial gegen die grüne Gentechnik verwendet wird, ist unabsehbar.

Arsenbakterien: Natur und Wissenschaft, Gloss © Science, AAAS Vergrößern Foto der Zeitschrift „Science“ vom 02.12.2010: Die vermeintlichen Arsen-Bakterien unter dem Elektronenmikroskop.

Damit wird auch einer der größten Schwachpunkte der Studie zum wichtigsten Faktor ihrer Virulenz: Sie steht wissenschaftlich da wie ein einsamer Monolith. Es ist die einzige Langzeitstudie mit den Fremdgenen, die in der Round-up-toleranten Maissorte NK603 verwendet werden. Weder hat jemand die Experimente reproduziert, noch mit dem gleichen oder mit einem statistisch geeigneteren Verfahren ausgewertet.

Ähnliches ist von einer Studie zu sagen, die jetzt in der Zeitschrift „Science“ (Bd. 337, S. 1453) von Forschern der University of Exeter angeprangert wird. Bei der kritisierten Untersuchung geht es um die Wirkung von „Neonicotioid“-Pestizide auf Honigbienen. Französische Forscher des Agrarforschungsinstituts INRA hatten nach der Modellierung der Pestizidwirkung auf Bienenvölker in „Science“ (Bd. 336, S. 348) berichtet, dass die verwendeten Nicotinoide imstande seien, ganze Bienenvölker auszulöschen. Die britischen Kollegen kontern, nachdem sie das Modell überprüft haben: Unmöglich. Kein experimenteller Beleg und keine Beobachtung lege den radikalen Schluss nahe, vielmehr sei man in dem Computermodell von völlig unrealistischen Fortpflanzungsraten der Bienen ausgegangen, und die Pestizid-Aufnahme der Bienen sei überzogen dargestellt. Die „Korrektur“ hat nicht verhindert, dass die französische Arbeit für Verunsicherung gesorgt hat und die Zulassung eines Nicotinoid-Saatgutbeizmittels im eigenen Land vorläufig ausgesetzt wurde.

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