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Obamas Alpha-Forscher „Der Klimawandel hätte nie politisiert werden dürfen“

Was bringt die neue amerikanische Klimapolitik? Auf dem Nobelpreisträgertreffen in Lindau haben wir mit Physik-Nobelpreisträger Steven Chu gesprochen, der bis April Obamas Energieminister war.

© AP Vergrößern Steven Chu und Barack Obama

Mit dem Physik-Nobelpreisträger von 1997, Steven Chu, war Präsident Obama im Jahr 2008 angetreten, eine fortschrittliche bis vorbildliche Klimapolitik ins Werk zu setzen. Mit einer 35-Milliarden-Dollar-Spritze, die größte Investition der Vereinigten Staaten  in regenerative Energieprojekte, sollte die Energiewirtschaft auf den klimaschonenden Pfad gebracht werden. Die heimischen Ölkonzerne haben das erfolgreich verhindert. 2010 wurde das Energiegesetz im Kongress eingestampft. Obamas „Alpha-Wissenschaftler“, wie Chu von Journalisten in Washington genannt wurde, musste sich gedulden. Obamas Klimapolitik kam zum Stillstand. Chus Scharfsinn und klare wissenschaftsorientierte Linie wurde trotzdem von allen Seiten gelobt. Kein amerikanischer Energieminister vor ihm hat länger amtiert. Im Februar diesen Jahres kündigte Chu dennoch an, in der zweiten Amtszeit Obamas nicht mehr zur Verfügung zu stehen und sich aus der Politik zurück zu ziehen. Seither forscht er wieder an der Westküste, in Stanford. Wir haben Steven Chu in Lindau am Bodensee getroffen, wo in dieser Woche das 63. Nobelpreisträgertreffen mit 34 Laureaten und mehr als 600 Nachwuchswissenschaftlern aus 80 Ländern stattfindet.

Joachim  Müller-Jung Folgen:    

Am 25. Juni hat Präsident Obama seinen Aktionsplan gegen den Klimawandel vorgestellt. Waren die vier Jahre davor verlorene Zeit?

Steven Chu:  Nein, vieles hat sich schon in meiner Amtszeit geändert. Der Anteil der regenerativen Energien hat sich in den vier Jahren mehr als verdoppelt, die Nutzung allein von Solarenergie hat sich verzehnfacht. Wir sehen inzwischen auch viele neue technologische Entwicklungen, die in der Testphase sind. Das betrifft besonders Stromspeicher. Ich war selbst im Wissenschaftsbeirat eines Unternehmens, das auf Batterien spezialisiert war. Der Fortschritt auf diesem Gebiet allein in den vergangenen fünf Jahren war größer als in den gesamten fünfzehn Jahren davor. Die Kosten für Batterien sind deutlich zurückgegangen, wir wollen sie auf ein Viertel senken, indem wir die gespeicherte Energiedichte massiv vergrößern. Ich habe auch ein Förderinstrument eingerichtet, mit dem gezielt Technologien finanziert werden, die eine echte Wende bringen - „game changing technologies“. Davon hatten wir in der Energietechnik bisher zu wenige. Wenn wir die Haltbarkeit von Batterien verdoppeln und die Energiedichte verdreifachen könnten, wäre das so eine Revolution.

Ist Schiefergas-Fracking für Sie auch eine „Game-changing“-Technik?

Ja, und durchaus auch langfristig. Die Voraussetzungen dafür haben allerdings andere geschaffen, schon in den siebziger Jahren. Der Preis für Gas ist in den Vereinigten Staaten rapide runtergegangen, in Europa ist Gas heute gut viermal so teuer. Schon bald könnten wir Saudi-Arabien als größten Produzenten von Kohlenwasserstoffen ablösen.

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Das ist aber keine Dekarbonisierung der Wirtschaft, kein Umbau hin zu einer kohlenstofffreien Energiegewinnung, wie Sie das als Energieminister vorhatten.

Das ist immer noch das Ziel. Gas ist ein idealer Treibstoff für den Übergang. Die Verbrennung von Naturgas erzeugt halb so viel Kohlendioxid wie Kohle. Und mit billigem Gas haben wir es extrem schnell geschafft, die Kohleindustrie unter Druck zu setzen. Ich kann mir nicht vorstellen, dass noch ein einziges Kohlekraftwerk in unserem Land geplant wird. Aber bis zur Mitte des Jahrhunderts müssen wir es schaffen, das von Gaskraftwerken erzeugte Kohlendioxid klimaneutral zu beseitigen. Wir brauchen die Kraftwerke auch als Sicherheit, wenn der Wind mal nicht mehr bläst. Aber klar ist, dass die Zukunft den Erneuerbaren gehört. Der Strom aus Windanlagen ist heute nur noch etwa zwanzig Prozent teurer als Gas. Wenn wir das Problem der Energiespeicherung lösen, bin ich sehr optimistisch, dass wir in vielleicht 15 Jahren die regenerativen Energien als Niedrigpreisoption in vielen Ländern verfügbar haben können.

Solar Energy Loans © dapd Vergrößern Der Solarturm von Tonopah: Das 737-Millionen Dollar-Projekt in Nevada (hier eine Illustration) wurde mit Chus Hilfe finanziell auf den Weg gebracht.

 Von außen betrachtet gab es in der amerikanischen Klimapolitik einen Stillstand.

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Veröffentlicht: 01.07.2013, 19:40 Uhr