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Forschung zum Mitmachen Aus großer, lebenslanger Freude

Wer glaubt, dass Forschung nur etwas für Wissenschaftler ist, irrt sich gewaltig. Für Amateure, oder „Citizen Scientists“, gibt es jede Menge Arbeit. Und mancher wird sogar berühmt.

© AP Vergrößern Florida: Jedes Jahr versammeln sich Amateurastronauten im Februar zur „Winter Star Party“

Irmgard Sonneborn hat viel zu tun. Die Bielefelder Botanikerin arbeitet sich durch ihre Sammlung von etwa 15.000 getrockneten Pflanzen, um sie bald dem Naturkundemuseum in Münster übergeben zu können. Inzwischen ist sie 91 Jahre alt. Sie hat Bücher und zahlreiche Fachartikel publiziert und gilt als eine der besten Pilzkundlerinnen Deutschlands. Fragt man sie nach ihrem Beruf, lautet die Antwort allerdings „Verkäuferin“. Frau Sonneborn hat nie studiert, sondern Botanik und Mykologie gemeinsam mit ihrem inzwischen verstorbenen Mann „nur aus großer, lebenslanger Freude“ betrieben.

Freizeit- oder Amateurforscher wie die Sonneborns heißen im Soziologenjargon „Citizen Scientists“, was man als „Bürgerwissenschaftler“ übersetzen könnte. Sie sind kein Auslaufmodell, auch wenn man angesichts der vielen anderen Möglichkeiten, seine Freizeit zu verbringen, das Gegenteil erwarten könnte. Stattdessen erlebt die durch Amateure betriebene Wissenschaft von Astronomie bis Zoologie derzeit einen weltweiten Aufschwung. Ursächlich dafür ist auch das Internet.

Der Ingenieur Fraser Cain lebt in der Kleinstadt Courtenay an der Ostküste Kanadas. Er hat ein paar Freunde rund um die Welt, die sich wie er für Astronomie interessieren. Wenn an vielen ihrer Heimatorte gleichzeitig sternenklare Nacht ist, schalten sie die Digitalkameras ihrer Teleskope mit Hilfe von „Hangouts“ zusammen, einem Feature des sozialen Netzwerks Google+. Jeder, der will, kann dann zusehen, wie Fraser etwa auf ein bestimmtes Mondareal fokussiert, während Mike Pillips aus Apex in North Carolina sein gerade aus der Garage gerolltes Fernrohr auf den Saturn gerichtet hat und sich andere mit Blick auf diverse Nebel, Gaswolken, Planeten und Galaxien zuschalten.

Jener seltsame grüne Wisch vor der Spiralgalaxie IC 2497

Es ist eine anschauliche Form von dem, wofür die wachsende Gemeinde der Citizen Scientists das Internet gebraucht: den Austausch und das gemeinsame Nutzen von Daten, Informationen, Ratschlägen und Meinungen untereinander - und auch mit professionellen Forschern. Fraser Cain ist, obgleich er nie Astronomie oder Ähnliches studiert hat, längst auch bei berufsmäßigen Sternguckern anerkannt. Sogar ein Asteroid trägt inzwischen seinen Namen. Seit ein paar Jahren kann man in Astrokreisen aber auch berühmt werden, ohne überhaupt ein eigenes Fernrohr zu haben.

Nach Hanny van Arkel etwa ist ein Objekt im Sternbild Kleiner Löwe benannt, das die junge Lehrerin aus Heerlen in den Niederlanden 2007 entdeckt hatte - auf einem aus dem Internet im Rahmen des „Galaxy Zoo“-Projektes heruntergeladenen Foto des Nachthimmels. Über „Hanny’s Voorwerp“, das etwa so groß ist wie unsere Milchstraße, aber 700 Millionen Lichtjahre entfernt, gibt es mittlerweile sechs wissenschaftliche Veröffentlichungen mit der Entdeckerin als Co-Autorin. Was jenes „Voorwerp“ (niederländisch für „Objekt“) genau ist, weiß bislang niemand. Aber diese Merkwürdigkeit des Nachthimmels wäre ohne die Mitarbeit von Laien wahrscheinlich nie gefunden worden.

Dabei hatte Hanny van Arkel, die inzwischen eine bekannte Citizen-Science-Aktivistin ist, noch nicht einmal nach sonderbaren Objekten gesucht. Bei Galaxy Zoo bestand die Aufgabe der Teilnehmer lediglich darin, als Helfer der Universums-Kartierung Fotos von Galaxien in einfache Kategorien einzuordnen. Doch Hanny fiel eben auch jener seltsame grüne Wisch direkt vor der Spiralgalaxie IC 2497 auf, den ein Analysecomputer schlicht ignoriert und weggerechnet hätte.

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