http://www.faz.net/-gwz-75v18

Forschung mit Vogelgrippe-Virus : Reine Augenwischerei

  • -Aktualisiert am

Unter Vögeln kommt es immer wieder zum Ausbruch der tödlichen Seuche. Der Mensch steckt sich nur selten an. Doch im Labor hat man einen Erreger gezüchtet, der allen Anlass zur Sorge gibt Bild: AFP

Vor einem Jahr trat ein Moratorium in Kraft, Experimente mit dem Vogelgrippe-Virus wurden auf Eis gelegt. Nun soll es aufgehoben werden. Was hat die Denkpause gebracht?

          Ich bin weder ein Befürworter noch ein Gegner der Forschung, die im Labor Varianten des Vogelgrippe-Virus herstellt, um deren Übertragbarkeit und Gefährlichkeit zu untersuchen. Ich bin auch nicht qualifiziert, die vorgenommenen Abwägungen zwischen Nutzen und Risiko zu bewerten. Also zum Beispiel die Frage zu beantworten, ob man diese Versuche fortsetzen oder verbieten sollte. Oder zumindest durch neue Sicherheitsrichtlinien eingrenzen.

          Meine Kompetenz liegt vielmehr im Bereich der Risikokommunikation. Das Ziel des Moratoriums für diese Forschung an H5N1-Viren war meiner Meinung nach vor allem, Zeit zu gewinnen. Zeit, um die Öffentlichkeit zu „erziehen“. Dahinter steckte die klar erkennbare Strategie, der Öffentlichkeit möglichst einleuchtend zu erklären, warum diese Art von Forschung hinreichend sicher ist. Manchmal wurde auch behauptet, man wolle die Meinung der Öffentlichkeit überhaupt erst einmal hören. Doch das war allenfalls ein nachgeordnetes Ziel. Wenn ein solcher Dialog erwünscht war, dann allein zu dem Zweck, dass die Kritiker weniger alarmiert sein würden, wenn ihre Bedenken zur Kenntnis genommen worden wären.

          Laborunfälle sind häufiger, als die Öffentlichkeit denkt

          Ganz offenkundig war es zumindest kein erklärtes Ziel des Moratoriums, Menschen darüber zu informieren, dass es ein erhebliches Risiko darstellen könnte, sollte einmal ein mittels Bio-Engineering erschaffenes H5N1-Virus mit pandemischem Potential aus einem Labor freigesetzt werden. Im Gegenteil: Die Menschen sollten während des Moratoriums davon überzeugt werden, dass ein solches Risiko vernachlässigbar klein ist.

          Stimmt das denn? Wie hoch das Risiko einer unabsichtlichen Freisetzung von H5N1 aus einem Hochsicherheitslabor tatsächlich ist, weiß ich nicht. Aber alles, was ich über Risikowahrnehmung und Risikokommunikation weiß, sagt mir, dass das Risiko größer ist, als die Experten glauben. Und die meisten Experten werden insgeheim auch zugeben, dass es in Wahrheit größer ist, als sie derzeit öffentlich sagen.

          Dazu ein paar Fakten: Laborunfälle sind häufiger, als die Öffentlichkeit denkt und viele offizielle Stellen einräumen. Nicht alle Unfälle werden gemeldet, die meisten werden geheim gehalten. Auch Beinahe-Unfälle werden weder gemeldet noch irgendwo katalogisiert und ausgewertet, um aus Fehlern zu lernen. Dieser Zustand ist weit entfernt vom „State of the Art“ des Sicherheitsmanagements in den meisten Unternehmen.

          Blinder Fleck gegenüber bösen Kerlen

          Nun heißt es üblicherweise, die höchsten Risiken gingen von Terroristen außerhalb der Laboratorien aus. In Wahrheit aber geht das mit Abstand größte reale Risiko von einem Insider im Labor aus, der die Sicherheitsregeln umgeht, vielleicht persönliche Unzufriedenheit artikulieren will, sich mit einer terroristischen Gruppe verbündet oder schlicht und einfach verrückt wird. Bisher werden erstaunlich wenige Vorsichtsmaßnahmen ergriffen, um zu verhindern, dass ein Wissenschaftler oder Techniker zum Schurken wird, zum Beispiel indem er ein Fläschchen mit tödlichem Inhalt aus dem Labor schmuggelt.

          Weitere Themen

          Gemüsegarten im All Video-Seite öffnen

          Forschungen über Anbau : Gemüsegarten im All

          Einen grünen Daumen zu haben ist nicht immer einfach. Und noch schwerer ist es im Weltraum. Die Raumfahrtbehörde „Nasa“ holt sich in Florida jetzt Verstärkung von Schülern, die ihnen neue Ideen geben sollen.

          Angst vor Ebola Video-Seite öffnen

          Neuer Ausbruch befürchtet : Angst vor Ebola

          Die Zeitungsschlagzeilen in der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo Kinshasa warnen vor der Katastrophe. Der dritte Fall des gefährlichen Ebola-Virus ist bestätigt worden.

          Topmeldungen

          Kim Jong-un: Nordkoreas Präsident versucht es nun wieder mit diplomatischer Härte.

          Nordkorea zeigt Härte : Der Wohlfühlgipfel war gestern

          Nordkoreas Haltung hat sich wieder verhärtet – Pjöngjang versucht, einen Keil zwischen Seoul und Washington zu treiben. Eine besondere Rolle dabei spielen zwölf nordkoreanische Kellnerinnen.

          Aufruf von 154 Professoren : Ökonomen warnen vor Euro-Haftungsunion

          Die Vorschläge von Frankreichs Präsident Macron und EU-Kommissionspräsident Juncker gefährden Europas Wohlstand. 154 Wirtschaftsprofessoren fordern in der F.A.Z. mehr Reformen statt weitere Fehlanreize.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.