Home
http://www.faz.net/-hfh-767ds
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Brief für 80 Milliarden Forschungsmittel Industriebosse drängen EU-Chefs

Die Chefs der größten europäischen Multis gesellen sich vor dem EU-Gipfel zu 144 Nobelpreisträgern: Das gefährdete Forschungsbudget „Horizon 2020“ müsse gerettet werden.

© F.A.Z. Vergrößern

Erst vor wenigen Tagen hat die Europäische Kommission mächtig Flagge gezeigt. Die medienwirksame Vergabe von jeweils einer Milliarde Euro Fördermittel für zwei sogenannte Flaggschiff-Projekte – das Human Brain Project und das Graphene Project – hat auch weit über die europäischen Grenzen hinaus Schlagzeilen gemacht. Den Eindruck des Krösus allerdings, der Forschungsmittel mit vollen Händen auszugeben weiß,  versucht man in Brüssel jetzt allerdings schnell wieder zu zerstreuen.

Joachim  Müller-Jung Folgen:    

Der Europäische Forschungsrat ERC und die Großindustrie-Allianz ERT (European Roundtable of Industrialists), unter dessen Dach sich fünfzig Konzernlenker mit zusammen mehr als einer Milliarde Jahresumsatz zusammen gefunden haben, versuchen sich vor dem in einer Woche stattfindenden EU-Gipfel in Dublin mit Kassandrarufen. Sie haben ein gemeinsames Papier verfasst, in dem sie die europäischen Regierungschefs zur Umsetzung der EU-Kommissionspläne aufrufen.

Helga Nowotny © ERC Vergrößern Helga Nowotny, Präsidentin des Europäischen Forschungsrats ERC

Europa drohe die vielversprechendsten Talente zu verlieren, wenn die von einigen Ländern wie Großbritannien angekündigte Kürzung des geplanten  Forschungsbudgets „Horizon 2020“ durchgesetzt würde: „Die 80 Milliarden Euro Fördermittel für 2014-2020 ist das absolute Minimum.“

Mehr zum Thema

Damit hat die Präsidentin des ERC, Helga Nowotny, eine Reihe weiterer prominenter Führungspersönlichkeiten auf ihre Seite gezogen. Schon im vergangenen Jahr hatte die Österreicherin mit einem Offenen Brief an die nationalen Regierungs- und Finanzchefs im Europäischen Rat und einer Unterschriftenaktion für Furore gesorgt: 144 Nobelpreisträger  haben den Aufruf zur Rettung des Horizon-Budgets unterschrieben. Dazu kommen 153.000 Europäer, die sich in einer Online-Petition dem Aufruf der Laureaten angeschlossen haben.

Peter Löscher - Der Vorstandsvorsitzende des Technologiekonzerns Siemens stellt sich in München den Fragen von Georg Meck © Müller, Andreas Vergrößern Amtsmüde? Von wegen, sagt Peter Löscher: „Ich bin so fit wie lange nicht“

Auf Seiten der Industriellen haben den Aufruf Leif Johanssion, dem Vorstandschef von Ericsson und Siemens-Chef Peter Löscher unterzeichnet. In dem erreichen Club sind daneben von deutscher Seite unter anderem die Vorstände der BMW-Gruppe, der Deutschen Telekom, Thyssen-Krupp, BASF, SAP und E.ON vertreten. Sie halten es wie der Forschungsrat für dringend geboten, die Forschungsmittel schneller aufzustocken. Europa gebe gemessen am Bruttoinlandsprodukt lediglich 1,9 Prozent für Forschung und Entwicklung aus, die großen Drei  – Vereinigte Staaten (2,8%), Japan (3,3%) und Südkorea (3,4%) – jeweils beinahe doppelt so viel.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Gesammelte Air-Force-Dokumente Ein Dorado für Ufo-Gläubige

Ein Amerikaner hat alle Dokumente der Air Force zu angeblichen Ufo-Sichtungen gesammelt und ins Netz gestellt. Immerhin 130.000 Seiten, die von allerhand kuriosen Beobachtungen berichten. Mehr

20.01.2015, 15:38 Uhr | Gesellschaft
315 Milliarden Euro EU-Gipfel gibt grünes Licht für Investitionsfonds

Auf dem EU-Gipfel in Brüssel haben sich die 28 europäischen Staats- und Regierungschefs hinter den Investitionsplan des Kommissionspräsidenten Jean-Claude Juncker gestellt. Der Fonds soll 315 Milliarden Euro umfassen. Mehr

19.12.2014, 18:45 Uhr | Politik
Wachstumsziele korrigiert Die Cloud kostet SAP erst einmal Geld

Europas größter Softwarekonzern wird langsamer wachsen als geplant und den Gewinn nicht so kräftig steigern. Mehr

20.01.2015, 09:22 Uhr | Wirtschaft
Großprojekt Bau des Nicaragua-Kanals beginnt im Dezember

Bis 2020 soll das 278 Kilometer lange Konkurrenzprojekt zum Panamakanal fertig sein. Hinter dem Milliarden-Projekt steht der chinesische Geschäftsmann Wang Jing. Mehr

21.11.2014, 09:49 Uhr | Wirtschaft
Mark Carney Britischer Notenbankchef kritisiert Euro-Sparpolitik

Der Sparkurs in der Währungsunion ist zu hart, die Anleihekäufe der EZB sind richtig und eine Fiskalunion muss her: Der britische Notenbankchef Mark Carney bringt ungewöhnlich deutliche Kritik auch an der Bundesregierung an. Mehr

29.01.2015, 08:52 Uhr | Wirtschaft
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 31.01.2013, 23:14 Uhr