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Meta-Analyse : Vorsicht vor den Nachwuchsforschern

Neigt der wissenschaftliche Nachwuchs zu Übertreibungen? Bild: dpa

Selbst die Wissenschaft ist nicht immer ganz neutral. Auf welche Faktoren man besonders achten muss, um nicht verzerrten Ergebnissen auf den Leim zu gehen, wurde nun erforscht. Eine Glosse.

          Wir Menschen sind eine von Vorurteilen getriebene Spezies. Das merkt man bereits daran, dass derjenige besonders erfolgreich ist, der die eigene Kommunikation besonders gut auf die Wünsche und Vorstellungen der Zuhörer abzustimmen vermag. Dass dieser populistische Trick nicht nur im Alltag munter genutzt wird, sondern auch in den Wissenschaften Einzug gehalten hat, ist eine Vermutung, die sich bereits länger in der Metaforschung, der Erforschung von Forschung, hält.

          Sibylle Anderl

          Redakteurin im Feuilleton.

          Eine aktuelle zusammenfassende Studie dieser Metastudien, aktuell erschienen in den „PNAS“, hat nun bestätigt, dass sich verzerrte Ergebnisse, wenn auch in sehr geringem Maß, in allen Disziplinen finden lassen. Beispielsweise neigen kleine Studien fachübergreifend dazu, die untersuchten Effekte zu überschätzen, was sich typischerweise in hohen Zitat-Raten auszahlt, während Studien mit einer konservativen Einschätzung von Effekten Gefahr laufen, es gar nicht bis zur Veröffentlichung zu schaffen. Auch in der Wissenschaft scheint zu gelten: je greller, desto durchschlagender.

          Erstaunlicherweise scheinen diese Bias-Effekte aber unabhängig vom allgemeinen Publikationsdruck zu sein, dem Forscher im jeweiligen wissenschaftspolitischen System unterliegen. Die Qualität von Forschung sei eher fraglich sofern die Studie von unerfahrenen Nachwuchsforschern geleitet wurde, die zu wissenschaftlichen Übertreibungen zu neigen scheinen. Aber auch kleine Forschungsgruppen, die sich aus räumlich weit voneinander entfernten Teilnehmern zusammensetzen, seien besonders gefährdet, da man sich in dieser Konstellation gegenseitig weniger kritisch auf die Finger schaue. Wissenschaftler können aber, so die Autoren, im Großen und Ganzen beruhigt sein: „Der Wissenschaftsbetrieb ist nicht in Gefahr.“ Besondere Vorsicht walten lassen solle man nur gegenüber Studien, die von den identifizierten Risikofaktoren betroffen sind.

          Da kann man also doppelt aufatmen: Nicht nur wegen der Botschaft an sich, sondern auch angesichts der Tatsache, dass es sich bei den drei PNAS-Autoren durchweg nicht um Nachwuchswissenschaftler handelt. Beruhigend auch, dass die Studie der Herren, zwei in Stanford und einer aus dem niederländischen Leiden, außerdem die Vermutung entkräften konnte, Amerikaner und Männer im Allgemeinen würden zu einer Überschätzung von Ergebnissen neigen. Nicht auszudenken, das Resultat wäre anders ausgefallen. Dass die beiden Amerikaner ihrem niederländischen Kollegen trotz räumlicher Separation im Rahmen der Studie gründlich genug auf die Finger geschaut haben, können wir dagegen nur hoffen.

          Quelle: F.A.Z.

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