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Forschung mit Vogelgrippe-Virus : Experten im Alleingang

Um sich gegen neue Tricks, die der H5N1-Virus lernt, wappnen zu können, muss man sie ihm erst einmal beibringen Bild: ddp

Alles, was im Labor möglich ist, kann zu segensreichen wie zu sinistren Zwecken verwendet werden. Das ist das Dilemma der modernen Biologie. Wer soll darüber befinden, was erlaubt ist und was nicht?

          Demnächst darf also wieder geforscht werden. Was braucht der Erreger der Vogelgrippe noch, um erstens von Mensch zu Mensch zu fliegen und ihn zweitens mit hoher Wahrscheinlichkeit umzubringen? „Gain of function“ nennt man im Fachjargon jene Mutationen, die einem Organismus bessere Chancen verschaffen. Aus der Sicht des Virus wäre das eine raschere Ausbreitung, ohne seinen Wirt gänzlich auszurotten. Aus der Sicht des Menschen wiederum waren „gain of function“-Mutationen jene, die zur Sprachentwicklung und zur Steigerung des Denkvermögens führten. Auch das hatte seine Kehrseite: Alle anderen Vertreter der Gattung Homo gerieten dadurch ins Hintertreffen.

          Nun hat, Schurken und Terroristen einmal ausgenommen, niemand ein Interesse daran, dass H5N1 neue Tricks lernt, gegen die wir wehrlos wären. Doch um sich dagegen zu wappnen, muss man sie ihm erst einmal beibringen. Das ist das sogenannte „dual use“- Dilemma der modernen Biologie: Alles, was im Labor möglich ist, kann zu segensreichen wie zu sinistren Zwecken verwendet werden.

          Damit steht die Gesellschaft vor einer schwierigen Aufgabe. Wer soll darüber befinden, was erlaubt ist und was nicht? Das Moratorium in Sachen Vogelgrippe haben die Experten unter sich ausgehandelt; im Alleingang erklären sie es jetzt auch wieder für beendet. Die Mehrheit der Bevölkerung wäre vermutlich gegen solche Experimente. Aber Basisdemokratie hilft in dieser Frage auch nicht weiter. Allenfalls Aufklärung. Und zwar durch eine echte Debatte, nicht durch Scheinmanöver.

          Jörg Albrecht

          Verantwortlich für das Ressorts „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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          Quelle: F.A.S.

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