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Veröffentlicht: 01.05.2017, 19:54 Uhr

Europäische Umfrage, Teil 2 Mehr digitale Demokratie wagen?

Kann das Internet für mehr Transparenz sorgen, mehr Ehrlichkeit? In den Regierungen, Parteien und Staatsapparaten wird über mehr direkte Demokratie diskutiert, aber auch E-Aktivisten versprechen sich vom „Next Generation Internet“ einiges. Teil 2 der Bürgerbefragung.

© Frank Röth Internetbürger: Die Youtuber und Musiker Roman (am Laptop) und Heiko Lochmann (am Smartphone), bekannt als „Die Lochis“.

„Fake News zu erkennen, oder einfach nur zu wissen, dass es Dinge wie Fake News gibt, ist ein wichtiger Teil des für einen Schüler unentbehrlichen kritischen Denkens“, sagte vor wenigen Tagen der Direktor des Direktorats für Bildung der OECD, Andreas Schleicher.  Der deutsche Statistiker, der auch Berater von OECD-Generalsekretär Angel Gurria ist, kündigte außerdem an, dass ab 2018 die Fähigkeiten zur kritischen Analyse von digitalen Informationen und Social-Media-Inhalten in die PISA-Studien aufgenommen werden.

46016378 © REIsearch Vergrößern

Hier geht es zum Online-Fragebogen über das „Internet der nächsten Generation“

Die von den Algorithmen gewonnene Bedeutung bei der Verteilung der verschiedenen Informationen an jeden Webnutzer birgt in der Tat das Risiko, die modernen Demokratien zu unterminieren. Ist ein Wahlprogramm, das in 50.000 verschiedenen Versionen existiert, weil - wie im amerikanischen Wahlkampf geschehen ist - „individualisiert“ und damit maßgeschneidert dem Wähler angepaßt und verschickt wurde, als ein kohärentes politisches Programm eines Kandidaten betrachten? Das digitale Netz ist das bevorzugte Mittel geworden, um den Wählern nur einen Teil der Wirklichkeit zu zeigen. Eine nicht unbedingt falsche, aber äußerst parteiische Version, so dass von „Echokammern“ gesprochen wird -  Informationsblasen, die möglich sind dank der Algorithmen, die den Fluss an selektierten Informationen regulieren.

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Ist das Netz also unwiderbringlich zu einer Fabrik von falschen Informationen geworden? Keineswegs. Der Wissenschaftsverlag Elsevier, der einen Jahresumsatz von mehr als drei Milliarden Euro aufweist, hat durch den Dienst „ScienceDirect“ 3.800 wissenschaftliche Zeitschriften (von denen 1.800 auch für jedermann ohne Abonnement zugängliche Open-Access-Artikel veröffentlichen) und mehr als 35.000 Bücher mit insgesamt über 14 Millionen wissenschaftlich validierten Publikationen zur Verfügung gestellt. Auch im Bereich der Zivilgesellschaft hat das Netz neue Räume und Möglichkeiten für die Demokratie geschaffen. Beispiele hierfür sind der arabische Frühling, der erst durch die Verbreitung der Smartphones möglich wurde, aber auch früher, die sofortige Mobilisierung in Madrid im Jahr 2004, die zum Sturz der Regierung Aznar nach dessen falschen Anschuldigungen gegen die baskischen Separatisten für die von islamistischen Terroristen verübten Bombenanschläge am Bahnhof Atocha führte.

Schließlich hat Estland im Bereich des E-Government gezeigt, allen anderen voraus zu sein, indem es eine neue Form der E-Residenz geschaffen hat, ein digitales Zuhause, das entwickelt worden ist, um Talente und Unternehmen zu gewinnen, und ohne eine massive Netznutzung undenkbar wäre. Die Beziehung zwischen Demokratie, Information und digitalem Netz ist daher unauflöslich. Aber sie zu gestalten im Wettstreit ist eine Herausforderung. Nehmen Sie Teil an der „REIsearch“-Bürgerumfrage, deren Ergebnisse Eingang in die Entscheidungsfindung der Europäischen Kommission finden soll.

Das Projekt „REIsearch“

Die europäische Befragung zum „Next Generation Internet“ findet über die Plattform „REIsearch“ statt, die im Rahmen einer Non-Profit-Initiative in Brüssel ins Leben gerufen wurde. Sie vernetzt Bürger, Forschungsinstitutionen und nationale Medien aus acht europäischen Ländern. Aus Deutschland ist die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, F.A.Z., beteiligt. Die EU-Kommission, die das Projekt fördert, sieht die Plattform als Chance, mit den Mitteln moderner Medien ein Meinungsbild darüber zu gewinnen, was man in Europa über die Rolle von Regierungen, öffentlichen Körperschaften, Privatindustrie und der Bürger selbst zur Gestaltung des „Next Generation Internet“ denkt.

Nach dem Debüt im Jahr 2016 zum Thema chronische Krankheiten, die die Beteiligung von über 60.000 Europäern erlebte, konzentriert REIsearch seine Arbeit in diesem Jahr darauf, welche Entwicklung des Internets die Europäer in den nächsten zehn Jahren gern sehen möchten. REIsearch wurde als eine Brücke konzipiert, um Bürger, Forscher und politische Entscheidungsträger zu Themen der wissenschaftlichen Forschung und den gesellschaftlichen Herausforderungen, mit denen Europa in den kommenden Jahren konfrontiert sein wird, zu verbinden.

Mehr Informationen und Zugang zum Social-Media-Netz von  „REIsearch“  erhalten Sie auf: https://www.facebook.com/REIsearchEU

 

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