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Veröffentlicht: 15.06.2017, 14:09 Uhr

Die Debatte (2): Social Bots Die digitale Waffe im Wahlkampf

Diskutieren Sie mit: Wird es gefährlich, wenn Textautomaten und Meinungsroboter - Social Bots - das Internet beherrschen? Kann das den Bundestagswahlkampf stören? Die Experten bereiten sich auf alles vor. Teil zwei der Reihe „Die Debatte“.

© Uli Benz/TU München Immer näher, auch visuell: Eine Maske, ein Beamer und ein Computer verleihen dem Prototypen „Mask-Bot“ ein menschliches Antlitz.

Meinung machen, Meinung lenken und am Ende Menschen für sich gewinnen: Das sind die Ziele eines jeden Wahlkampfes. Seit jeher versuchen Politiker Menschen von sich und ihren Positionen zu überzeugen – die geschickte Nutzung der richtigen Medien hat dabei immer eine große Rolle gespielt.

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So werden etwa Barack Obamas Wahlerfolge nicht zuletzt auf die Nutzung des Internets und der sozialen Medien zurückgeführt. Sein Nachfolger, Donald Trump, steht Obama in diesem Bereich in nichts nach, nur stand ihm mit den Social Bots ein neues Instrument zur Verfügung, um Wähler für sich zu gewinnen. Im US-Präsidentschaftswahlkampf wurden Bots millionenfach eingesetzt. Ähnlich war die Lage in Frankreich: Dort wurde kurz vor der entscheidenden Runde der Präsidentschaftswahl die Nachricht der „Macron-Leaks”  von Bots in den sozialen Medien nach oben gepusht.

Mit Blick auf die anstehenden Bundestagswahlen stellen sich auch in Deutschland Wissenschaftler, Medien und Politiker zunehmend die Frage, ob und wie sich Social Bots auf die Wahlen auswirken werden. Könnten diese wie in den USA und in Frankreich von den Parteien und Kandidaten selbst eingesetzt werden, um ihre Botschaften zu verstärken? Oder gibt es gar Versuche Dritter, gezielt Desinformationen zu streuen, um ihre Interessen zu vertreten? Und wenn ja, wie groß ist der Einfluss, der damit tatsächlich erzielt werden kann?

© Die Debatte Fake-Accounts: Social Bots

„Bisher gibt es kaum Nachweise, was die tatsächliche Wirkung dieser Bots speziell in Deutschland ist”, sagt Dr. Ansgar Kellner vom Institut für Systemsicherheit der TU Braunschweig im Interview. Eine der wenigen Untersuchungen, die es zum Thema gibt, stammt von Prof. Howard vom Computational Propaganda Project, der den Einfluss von Social Bots auf die Bundespräsidentenwahl in Deutschland untersucht hat.

Dabei gab es eine große Diskrepanz zwischen den Erwähnungen einiger Kandidaten bei Twitter und der Prozentzahl der Stimmen, die die Kandidaten am Ende erhielten. So entfielen auf den AfD-Kandidaten nahezu so viele Erwähnungen wie auf den Sieger. Während Frank-Walter Steinmeier in 54,1 Prozent der analysierten Twitter-Nachrichten erwähnt wurde, kam der AFD-Kandidat Albrecht Glaser in 40,2 Prozent der Tweets vor. Ein extremer Gegensatz zur Wahl durch die Bundesversammlung bei der Steinmeier 74,3 Prozent der Stimmen erhielt und Glaser nur 3,4 Prozent.

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Während Howards Studie also keine direkte Beeinflussung nachweisen konnte, schätzt eine erste Kurzstudie des Büros für Technikfolgenabschätzung des Deutschen Bundestages die mögliche Gefahr der Beeinflussung von Wahlen durch Social Bots als durchaus real ein. „Ein Ergebnis war, dass die Nutzung von Social Bots das Potenzial hat, die politische Meinungsbildung zu beeinflussen”, sagt Dr. Sonja Kind, Leiterin des Projekts. „Die Experten waren der Auffassung, dass dies auch auf den kommenden Wahlkampf zutrifft und ein ernstzunehmendes Risiko darstellt.“

Der Wirtschaftsinformatiker Prof. Dietmar Janetzko von der Cologne Business School teilt Kinds Einschätzung nur teilweise: „Ich halte die mittel- bis langfristigen Effekte von Social Bots für relevant und man sollte diese im Blick behalten. Für die aktuellen Bundestagswahlen sehe ich allerdings kein großes Risiko. Dass das Thema so massiv präsent in der Öffentlichkeit ist, zeigt ja gerade, dass die Öffentlichkeit funktioniert. Insofern rate ich hier zur Gelassenheit und setze auf diverse Mechanismen der Zivilgesellschaft.”

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