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Veröffentlicht: 01.02.2017, 18:28 Uhr

Trumps Abschottungspolitik „Da kann was zu Bruch gehen“

Die Wissenschaftswelt steht unter Schock. Amerikas Abschottungspolitik verwirrt alle, auch in Berlin. Der Präsident der Nationalakademie unterstützt den Widerstand der Forscher.

von
© obs Trust Agents: Internationalisierung ist das Erfolgsgeheimnis für Fortschritt.

FRAGE: Professor Hacker, von den persönlichen Schicksalen und Verlusten einmal abgesehen, die die Einreiseverbote von Präsident Trump bewirken, wie sehr schwächt der Erlass den Wissenschaftsbetrieb?

Joachim  Müller-Jung Folgen:

ANTWORT: Wissenschaft ist auf Austausch und Internationalität aufgebaut. Alles, was diese Internationalität zurücknimmt, ist schädlich für die Wissenschaft. Dieser Erlass ist deshalb kein Fortschritt, sondern kontraproduktiv.

Lädt der amerikanische Protektionismus nicht geradezu ein, die Internationalisierung im eigenen Land noch stärker zu forcieren und mehr Toptalente nach Deutschland einzuladen?

So ein Nutzenargument ist erst einmal sekundär. Auch für uns ist es wichtig, dass überall auf der Welt wissenschaftlicher Austausch und Fortschritt möglich sind. Wenn die Konsequenz ist, dass ein paar Wissenschaftler mehr jetzt nach Europa gehen, wiegt das nicht die negative Gesamtsituation auf. Das Einreiseverbot ist deshalb auch für die deutsche Forschung kontraproduktiv. Zunächst ist es zwar ein Problem für die Amerikaner, aber am Ende lassen die Dekrete auch bei uns Blessuren zurück.

Wird am Ende nicht sogar der wissenschaftliche Forschritt gebremst, weil der Großteil der Forschung in den Gruppen inzwischen internaiotnal organisiert ist?

Das ist eine Gefahr. Auch wenn es oft kleine Gruppen sind, die sich da diesseits und jenseits der Grenzen zusammenfinden, ist es immer ungünstig, wenn Mobilität nicht möglich ist. Das ist eine generelle Verunsicherung momentan. Wir brauchen verlässliche Rahmenbedingungen.

Welche Folgen hat der Erlass für die deutsch-amerikanischen Wissenschaftsbeziehungen?

Die Vereinigten Staaten sind nach wie vor eine große Wissenschaftsnation. Wir sind auf den Austausch mit ihnen dringend angewiesen. Aber natürlich können die Verbote die Zusammenarbeit insgesamt beschädigen. Vergangene Woche war der Vizepräsident der amerikanischen Wissenschaftsakademien hier, und wir haben über G 20 und bilaterale Projekte gesprochen. Wir halten es für wichtig, zwischen den Akademien und Organisationen weiter möglichst offen und transparent zu sein. Auch für Deutschland ist es wichtig, dass die Organisationen miteinander kooperieren. Wir haben ja auch viele Postdoktoranden drüben, die von hier aus finanziert werden.

Sollte sich die Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen dann nicht konsequenterweise an die Seite der amerikanischen Kollegen stellen und gegen den Erlass protestieren, zum Beispiel, indem sie sich der entsprechenden Petition von Nobelpreisträgern und amerikanischen Akademikern anschließt, die Freitag gestartet wurde?

Ich kann nicht für die Allianz sprechen, aber die Leopoldina ist derselben Meinung wie die amerikanischen Kollegen und gegen die Einreisverbote. Noch ist das amerikanische Wissenschaftssystem stark und offen, aber natürlich muss man jetzt aufpassen. Da kann manches zu Bruch gehen.

Es werden in vielen Ländern, vor allem in Washington, aber offenbar auch in Deutschland, Protestdemos unter dem Titel „Science March“ vorbereitet. Wie verhält sich die Nationalakademie dazu?

Man muss sich ansehen, wer das organisiert. Aber ich sehe das positiv. Im Prinzip ist alles sinnvoll, was sich in Richtung Internationalität der artikuliert.

Populistische, wissenschaftsfeindliche Töne sind im Wahljahr auch hierzulande zu befürchten. Ist so was wie in Amerika auch hier möglich?

Im Moment halte ich eine solche Entwicklung in Deutschland für unmöglich. Wissenschaftsfreiheit hat bei uns Verfassungsrang. Grundsätzlich müssen wir aber wachsam sein und uns für die Freiheit der Wissenschaft überall einsetzen.

Vorwärts, marsch!

Von Joachim Müller-Jung

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