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Der Gipfel, eine Glosse : Von wegen Rio+20 hat sich verzettelt!

Bild: dapd

Nach dem „versteckten Reichtum“ sollen wir suchen, forderte UN-Umweltchef Achim Steiner zum Schluss des Nachhaltigkeitsgipfels von Rio. Wir sind fündig geworden.

          Sehr geehrter Herr Präsident,

          verehrte Exzellenzen,

          distinguierte Delegierte,

          zwanzig Jahre nach dem Erdgipfel von Rio, zwanzig nach der Unterzeichnung der achthundert Seiten starken Agenda 21 ist es auf der Rio+20-Konferenz gelungen, das Papieraufkommen auf ein historisches Minimum zu reduzieren. Unser Abschlussdokument „Die Zukunft, die wir wollen“ enthält nur noch 49 Seiten. Im Zuge unserer dreitägigen Verhandlungen gab es zum ersten Mal in der UN-Geschichte keine einzige Anfrage, das Konferenzschlussdokument auszudrucken. Das Gleiche gilt für jedes andere offizielle Dokument, das im Laufe dieses geschichtsträchtigen Gipfeltreffens angelegt wurde. Einzelne Druckaufträge kamen lediglich von Delegationen, die noch einmal über die Inhalte zu verhandeln trachteten und betrafen dann auch nur jene Teile des ursprünglichen 90-Seiten-Dokuments, die Gegenstand der Verhandlungen werden sollten (hier die offizielle Rio-Papierbilanz).

          Dies aber, verehrter Herr Präsident, ist nur ein Teil des großartigen Fortschritts, den wir gemeinsam erreicht haben. Zum ersten Mal in der Geschichte der UN hat unser „PaperSmart“-Programm dazu geführt, dass auf einer Konferenz dieser Größenordnung weniger als eine Million Blatt Papier verbraucht wurden. Normalerweise müsste man mit 20 Millionen Blatt rechnen. Dieser geringe Papierkonsum ist unser Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung der Welt und ein Meilenstein in der Geschichte der Vereinten Nationen. Die UN hat sich vorgenommen, auf dem Erfolg des Papier-Smart-Modells aufzubauen. Der papierlose UN-Gipfel soll endlich Realität werden. Rio+20 hat uns den Weg dahin gewiesen. Dank unserer gemeinsamen Bemühungen wird es schon bald gelingen, den Verbrauch von Aktionsplänen für mehr Wohlstand, Frieden und eine nachhaltige Distanz zu den kommenden Generationen durch die Konzentration auf das Wesentliche zu beschränken. Deshalb sollte künftig der sorgfältig ausgewählte Titel für sich stehen dürfen.

          Auch in dieser Hinsicht war unser nun zu Ende gehendes Treffen ein Glücksfall: „Die Zukunft, die wir wollen“ ist nicht nur aussagekräftig, sondern auch hundertprozentig konsensfähig, Der Seitenumfang des Dokuments schrumpfte ohne inhaltliche Verluste auf ein nachhaltiges Maß. Das war, verehrte Delegierte und distinguierte Exzellenzen, erst ein Anfang, nicht das Ende.

          Joachim  Müller-Jung

          Redakteur im Feuilleton, zuständig für das Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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          Quelle: F.A.Z.

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