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Forschung Affenschande

23.08.2004 ·  Sie sind den Menschen ähnlich und müssen deswegen als „Versuchskaninchen“ herhalten: Wissenschaftler entdecken Mängel bei der Forschung an Primaten.

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Die Forschung an Affen und anderen nichtmenschlichen Primaten könnte mehr wissenschaftlichen Ertrag liefern. Zu diesem Ergebnis ist eine schwedisch-amerikanische Arbeitsgruppe um Hans-Erik Carlsson von der Universität Uppsala gekommen, als sie die weltweite Verwendung von "Herrentieren" in der Forschung analysierte.

Im Jahr 2001 fanden sich in wissenschaftlichen Zeitschriften knapp 3.000 Publikationen über insgesamt 4.411 Studien, die auf Versuchen an Primaten oder an Gewebe und Zellen von Primaten beruhten. Hierfür waren mehr als 41.000 Tiere verwendet worden. Die genaue Zahl ließ sich nicht ermitteln, weil in manchen Studien entsprechende Angaben fehlten und gesetzlich vorgeschriebene toxikologische Untersuchungen oft nicht publiziert werden.

Gleich für mehrere Versuche

Tatsächlich dürften nach Schätzung der Forscher bis zu fünfmal so viele Primaten verwendet worden sein. Häufig wurde ein und dasselbe Tier gleich für mehrere Versuche herangezogen. Bevorzugte Versuchstiere waren die Grüne Meerkatze, Rhesusaffen, Javaneraffen sowie Paviane. Die Tiere waren äußerst unterschiedlichen Belastungen ausgesetzt.

Bei 54 Prozent der Experimente handelte es sich um Reagenzglasversuche. Nur ein Prozent wurde als akut klassifiziert, während 14 Prozent als nicht invasiv und 30 Prozent als chronisch einzustufen waren. Die Versuche dienten meist mikrobiologischen (26 Prozent), neurowissenschaftlichen (19 Prozent) und biochemisch-chemischen Fragestellungen (12 Prozent).

Zunehmender Mangel an Versuchstieren

Wie die Forscher um Carlsson in der Zeitschrift "American Journal of Primatology" (Bd. 63, S. 225) berichten, erwiesen sich die analysierten Studien oft als mangelhaft. Zum Beispiel fanden sich nur selten Angaben darüber, wie die Tiere gehalten wurden und unter welchen Bedingungen die Experimente erfolgten. Gerade bei Primaten als Versuchstieren komme es aber darauf an, solche Faktoren zu berücksichtigen, da sie das Ergebnis der Forschungen beeinflußten. In mehr als der Hälfte der Studien seien nicht einmal das Geschlecht, Alter und Gewicht der Tiere genannt worden.

Die Herausgeber der wissenschaftlichen Zeitschriften achteten zu wenig darauf, daß entsprechende Angaben gemacht würden, unter anderem auch zur Herkunft der verwendeten Primaten. Gefährdet werde die Forschung auch durch einen zunehmenden Mangel an Versuchstieren, etwa an indischen Rhesusaffen, die für die HIV-Forschung besonders wichtig seien.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.08.2004, Nr. 196 / Seite 34
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