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Faktencheck: Leser recherchieren mit Organ-Tauschring – ist das in Deutschland möglich?

Bisher unveröffentlichte und brisante Pläne führen auf die Spur eines deutschen Organ-Tauschrings. Ist ein solcher Ring hierzulande wirklich möglich? Der Wirtschaftsnobelpreisträger Alvin Roth hat dafür ein Konzept entwickelt. Ob dieses Leben retten kann und gleichzeitig ethisch vertretbar ist, muss diskutiert werden.

© Eilmes, Wolfgang Vergrößern Wie könnte eine Organspende-Kette funktionieren?

Über einen Zeitraum von drei Tagen findet hier eine Live-Recherche statt. Auf Grundlage des folgenden Textes können Sie sich als Leser  mit eigenen relevanten Informationen beteiligen. Die Ergebnisse werden in Form eines fortlaufenden Recherche-Tagebuches online veröffentlicht. Ein Moderator überträgt sowohl laufende Kommentare wie Ergebnisse der Live-Recherche auf eine Wissenskarte (siehe hier im Teil 1).

Organ-Tauschring

Text und Recherche: Hubert Beyerle / Redaktion und Argumentkarte: Ralf Grötker

Der Plan klingt genial. Rund 8000 Menschen warten derzeit in Deutschland auf eine neue Niere. Laut Deutscher Stiftung für Organspende (DSO) ist diese Zahl dreimal so hoch wie die Zahl der vermittelten Transplantationsorgane. Mehr Lebendspender könnten helfen – denn der Mensch hat zwei Nieren und braucht eigentlich nur eine. Nierenkranke finden zwar manchmal in der engen Verwandtschaft jemanden, der zu einer Spende bereit wäre. Oftmals kommt diese Lebendspende aber nicht in Frage, weil die Blutgruppe nicht passt oder andere Unverträglichkeiten existieren. Dieses Problem lässt sich mit einer so genannten Nierenspendenkette lösen. Dieser treten jeweils Paare bei, aber die Transplantation erfolgt nicht innerhalb dieses Paares, sondern an andere aus der Kette.


Ein legaler Organ-Tauschring in Deutschland - ist das möglich und mit der Ethik vereinbar?Die Karte kann auch in einer PDF-Version abgerufen werden (zum Ausdruck als Poster).

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So funktioniert‘s

15. Oktober Was gehört zu einer solchen Kette – einmal angenommen, man wollte eine solche konstruieren? Eine solche Kette bedeutet vor allem einen großen organisatorischen Aufwand der beteiligten klinischen Zentren. Zunächst einmal müssen die passenden Spenderpaare ausgewählt werden. Dazu dienen mathematische Modelle wie insbesondere die des nun ausgezeichneten Ökonomen Alvin Roth. Sie zählen zum Fachgebiet der so genannte Matching Theorie  und des Marktdesigns.

Die Details der „Massenoperation“ sind unterschiedlich  denkbar. In den Niederlanden kommen die Spender jeweils in das Krankenhaus des Organempfängers. Ursprünglich war man der Meinung, dass alle Operationen genau gleichzeitig ablaufen müssen, damit alle darauf vertrauen können, dass die Spendenkette auch wirklich funktioniert. Inzwischen sieht man das aber nicht mehr so streng. Die Massenoperation funktioniert auch mit eingeschränkter zeitlicher und räumlicher Distanz. Die bislang größte Nierenspendenkette im Dezember 2011 in den Vereinigten Staaten erfolgte per „Fern-Spende“: Die Organe wurden - tiefgekühlt und mit GPS Empfänger versehen - via Linienmaschinen in das Krankenhaus des Empfängers geflogen (Sack 2012).

Großer Aufwand alles, aber machbar. Das größte Risiko dabei ist das Einverständnis des Spenders. Dieses kann jederzeit widerrufen werden – theoretisch bis kurz vor der Operation. Laut Uwe Heemann, Vorsitzender der Stiftung Lebendspende, sind die Erfahrungen dazu in den Niederlanden sehr positiv. Es gibt keine Rückzieher in letzter Minute, weil die Spender sich die Sache gut überlegen und sich ihrer Verantwortung bewusst seien. Allen Beteiligten sei bewusst, welche Bedeutung die eigene Spende für das Zustandekommen der gesamten Kette hat.

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Veröffentlicht: 24.10.2012, 11:42 Uhr