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Faktencheck: Die Auswertung Alternativen zum Sitzenbleiben

Mehr als 300 Leser haben sich an der Diskussion der Faktencheck-Ergebnisse zum Thema „Sitzenbleiben“ beteiligt. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Resultate.

© alamosbasement auf flickr Vergrößern Stühle

Die Absicht der rot-grünen Landesregierung in Niedersachsen, das Sitzenbleiben abzuschaffen, hat in den vergangenen Wochen für viele Diskussionen gesorgt. Wir wollten wissen: Welche Evidenzen gibt es, auf deren Grundlage der Streit entschieden werden könnte? Über 300 Leser haben sich an der Diskussion der Ergebnisse beteiligt, die unser Autor Christian Füller zusammengetragen hat. Eine Zusammenfassung der wichtigsten Resultate.

Anders als in bisherigen Faktenchecks, sind wir diesmal mit einer These ins Thema eingestiegen:

  • „Wissenschaftliche Erkenntnisse aus der Bildungsforschung zeigen, dass Schüler mit schlechten Leistungen noch schlechtere Leistungen erbringen, wenn sie gezwungen werden, die Klasse zu wiederholen“ 

So jedenfalls könnte man die Behauptung zusammenfassen, die sich implizit durch den Faktencheck zieht, für den wir diesmal den Bildungsjournalisten und taz-Redakteur Christian Füller als Autor gewinnen konnten. Zugegeben: neutral ist ein solcher Einstieg nicht. Einige Leser, die den Faktencheck auf Faz.net, Freitag.de oder Telepolis verfolgten, haben dies auch bemängelt. Zwei Gründe haben uns bewegt, in diesem Fall eine deutliche Linie vorzugeben. Erstens: Ein Text, der deutlich Position bezieht, liest sich besser als einer, der in ausgewogener Weise das Für und Wider darstellt. Er provoziert auch bessere Kommentare. Zweitens: In diesem Fall haben wir – Redaktion und Leser – schlechthin kaum Untersuchungen namhafter Bildungsforscher gefunden, welche die Einstiegsthese in Frage stellen.

Die Argumentation

Zunächst zur Sachlage. Viele Gründe gibt es, die im Einzelfall für oder gegen das Sitzenbleiben sprechen. Diese Gründe wurden im Forum sehr ausführlich und mit Bezug auf persönliche Erfahrungen diskutiert. Deutlich wurde: nicht immer wird es als Misserfolg gewertet, wenn jemand die Klasse wiederholen soll. Ein Wechsel in einen neuen Klassenverband muss nicht in jedem Fall schlecht sein. Das Sitzenbleiben mag einigen schaden – anderen nutzt die Chance der Wiederholung. 
Nun ist es schwer, ausgehend von solchen Einzelfall-Beobachtungen zu gültigen Verallgemeinerungen zu gelangen. (Was nicht heißt, dass ein solcher Schritt gern und häufig gemacht wird.) Wir haben uns deshalb die Frage gestellt: Was können Bildungsforscher, die nicht nur den Einzelfall betrachten, sondern große Gruppen von Schülern, zum Thema Sitzenbleiben sagen?


Natürlich ist es nicht möglich, wie in einer klinischen Studie zur Wirksamkeit eines Medikamentes zwei identische Gruppen von Schülern zu untersuchen, von denen die eine mit dem Mittel „Sitzenbleiben“ behandelt wird und die andere nicht. Am nächsten kommt man dem Ideal eines solchen Versuchsaufbaus immer noch mit der internationalen PISA-Studie. Deren Ergebnisse sind, was die vorliegende Fragestellung betrifft, jedoch immer von etlichen Störfaktoren beeinträchtigt. Denn dass deutsche Schüler im Test schlechter abschneiden als Schüler anderer Länder, kann viele Gründe haben. Das „Sitzenbleiben“ als einen dieser Gründe zu isolieren, ist nicht möglich. Es wäre aber auch kaum zielführend! Denn in der Realität ist es ja gerade die Konstellation verschiedener Faktoren, welche die durch PISA dokumentierten Ergebnisse vorbringt.

Bodensatz-Effekt

Wie in allen Statistik-basierten Untersuchungen, so kommen auch in der Erforschung der Effekte des Sitzenbleibens am Ende ausgeklügelte mathematische Verfahren und allgemeine Plausibilisierungen zum Zuge. Ein Beispiel: Jürgen Baumert vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin ist aufgrund verschiedener Beobachtungen zu der Hypothese gelangt, dass es so etwas wie einen „Bodensatz-Effekt“ gibt: Das Sitzenbleiben führt, im Verbund mit der „Abschulung“ in eine niedrigere Schulform (z.B. von der Real- in die Hauptschule) dazu, dass sich an manchen Schulen besonders schlechte Schüler konzentrieren. Ist eine bestimmte Konzentration an schlechten Schülern erreicht, beginnt die Schule zu „kippen“: die Schüler demotivieren sich gegenseitig. Ein geregelter Unterricht ist nicht mehr möglich.
Faktencheck-Autor Christian Füller, den wir gebeten haben, auf einige Fragen der Leser zu antworten, fasst das wie folgt zusammen:

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Veröffentlicht: 15.03.2013, 12:40 Uhr