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Veröffentlicht: 29.10.2012, 16:50 Uhr

Faktencheck: Das Rechercheergbnis zum Organ-Tauschring Partnertausch mit Niere

Elke Büdenbeber hatte Glück. Frank-Walter Steinmeier konnte seiner kranken Gattin eine Niere spenden. Die Blutgruppen der beiden waren kompatibel. Viele Paare haben weniger Glück. Ein Organ-Tauschring, wie in Amerika und den Niederlanden bereits vorhanden, könnte ihnen helfen. Zeit, die neue Methode auch in Deutschland einzuführen?

von Ralf Grötker
© Eilmes, Wolfgang Wie könnte eine Organspende-Kette funktionieren?

In diesem zweiten (und abschließenden) Teil des Faktenchecks zum Organ-Tauschring geht es darum, die offen gebliebenen Fragen aus der ersten Runde  zu klären: Treffen die Vorbehalte gegen den kommerziellen Organhandel auch auf Tauschringe zu? Ist die Tatsache, dass Tauschringe in den Vereinigten Staaten und anderswo praktiziert werden, ein Indiz dafür, dass sich auch die ethische Einschätzung und die gesetzliche Lage in Deutschland ändern könnten? Besteht in Anbetracht der medizinischen Sachlage überhaupt die Notwendigkeit, sich über Tauschringe Gedanken zu machen? Außerdem haben wir zu einigen Fragen Leserbeiträge erhalten, welche die bisherige Einschätzung des Sachstandes deutlich verändern.

Organ-Tauschring

Recherche: Hubert Beyerle, Redaktion: Ralf Grötker

Auf der Mindmap lässt sich der Verlauf der Diskussion und das Sammeln der Argumenten verfolgen:


Ein legaler Organ-Tauschring in Deutschland - ist das möglich und mit der Ethik vereinbar?Die Karte kann auch in einer PDF-Version abgerufen werden (zum Ausdruck als Poster).

Nachfrage größer als Angebot

25. Oktober Im Sommer hat der Deutsche Bundestag ein neues Organspendengesetz verabschiedet. Nach dem neuen Gesetz können die Versicherten aufgefordert werden, explizit dazu Stellung zu beziehen, ob sie im Falle eines Unfalltodes ihren Körper für Organspenden zur Verfügung stellen wollen. Trotz der Gesetzesinitiative ist die Spendenbereitschaft in jüngster Vergangenheit gesunken: laut Barmer GEK von 66 Prozent im Vorjahr auf 63 Prozent in diesem Jahr. Grund dafür sind vermutlich die jüngsten Korruptionsskandale.

Auch längerfristig ist zu beobachten, dass zwischen dem Angebot an Spenderorganen und der Nachfrage eine Lücke klafft:

21930576 © Wullers (2011) nach Daten des Eurotransplant Annual Report 2010. Vergrößern Die Abbildung zeigt deutlich, dass zwischen dem Angebot an Spenderorganen und der Nachfrage eine Lücke klafft.

Wenn man bedenkt, dass der Grund für eine Nierentransplantation oft Diabetes ist, dass die Anfälligkeit für Diabetes mit zunehmenden Alter steigt und dass aufgrund des demografischen Wandels sowohl der Anteil wie die absolute Zahl älterer Menschen zunimmt (Prognose: Zunahme der Gruppe der über 67jährigen von 15.000 im Jahr 2008 auf 22.000 im Jahr 2040) kann man sich ausmalen, wie sich die Situation in Zukunft entwickeln wird.

Ein möglicher Ausweg bietet sich an: Lebendspenden zwischen Verwandten und sich persönlich nahe stehenden Personen. In anderen Ländern, wo es ebenfalls zu wenig verfügbare Organe von Verstorbenen gibt, wird dieser Weg vermehrt beschritten. In Amerika kommt bereits ein Drittel, nach anderen Angaben sogar die Hälfte der Transplantationen mit Hilfe von Lebendspenden zustande. Studien zeigen zudem, dass Lebendspenden wie im Fall Steinmeier für den Empfänger Vorteile gegenüber postmortalen Spenden bieten. Die Lebenswahrscheinlichkeit von Empfängern einer Lebendspende nach zehn Jahren ist 34 Prozent höher als bei postmortalen Spenden, so eine niederländische Studie (De Klerk 2005).

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