Stillen Ozean haben die europäischen Seefahrer den Pazifik genannt - und dabei sicherlich nicht an dessen Randzonen gedacht. Denn das Südmeer ist von einer Kette großenteils heute noch aktiver Vulkane umgeben, dem durch seine besonders große geologische Aktivität berüchtigten Pazifischen Feuerring. In seinem asiatischen Abschnitt besteht dieser Feuerring, an dem ozeanische Erdkrustenplatten - darunter vor allem die Pazifische Platte - unter andere Erdkrustenplatten abtauchen, aus Inselbögen.
Gipfel von Stratovulkanen
Im Norden sind es vor allem die Aleuten vor Alaska und die erstmals im 17. Jahrhundert von europäischen Entdeckungsreisenden erwähnten Kurilen, die sich rund 1200 Kilometer weit von der sibirischen Halbinsel Kamtschatka bis zu Japans nördlichster Insel Hokkaido erstrecken. Bei diesen Inseln handelt es sich im Grunde genommen um die Gipfel von Stratovulkanen, die als Teil eines Bergrückens im Meer, der "GreaterKurilRidge", in den vergangenen neunzig Millionen Jahren entstanden sind. Die Subduktion hat nicht nur den Vulkanismus bewirkt, sondern auch große Gräben unter dem Meer geschaffen wie den Kurilen-Graben rund zweihundert Kilometer östlich der gleichnamigen Inselgruppe, der am Witjastief 3 mit 10 542 Metern Tiefe fast an den Marianen-Graben heranreicht.
Aktive Leckereien
Die Kurilen sind ein Leckerbissen für Vulkanologen, die hier die Aktivität der Erde hautnah und in einer sonst selten erreichten Fülle studieren können. Die Überwachung der Vulkane obliegt dabei dem Institut für Vulkanologie und Geodynamik auf der Insel Sachalin. Die Inseln sind aber auch ein Augenschmaus für die Astronauten, die an Bord der Internationalen Raumstation über die Erde hinwegfliegen. Die Gruppe besteht aus gut zwanzig größeren und ungefähr dreißig kleineren Inseln - die genaue Zahl hängt davon ab, welchen Felsbrocken im Meer man noch dazurechnen will -, auf denen sich mindestens hundert Vulkane befinden. Vierzig von denen sind heute noch mehr oder wenig heftig aktiv. Da die Inseln recht schmal sind, was ihnen eine gewisse Eleganz verleiht, dominieren beim Anblick aus dem Weltraum die Vulkane, von denen einige aus Kraterseen emporzuragen scheinen - Szenen, die vor allem im Winter faszinieren.
Weiße Wasserdampfsäulen
Die Vulkane ragen weit über das Ochotskische Meer auf - der Alaid, der praktisch die gesamte Atlassow-Insel einnimmt, sogar 2339 Meter. Dadurch stellen sie für die meist aus Nordwesten heranströmende Luft ernsthafte Hindernisse dar. Sie lenken die Wolken ab oder bündeln sie zwischen den Inseln. Auf diese Weise entstehen nicht nur einzelne Wolkenstraßen, sondern oft auch die sogenannten Kármánschen Wirbelstraßen mit ihren prächtig verwirbelten Wolken. Vor zwei Jahren haben die Astronauten in einer Wolkenlücke über der Kurilen-Insel Matua ein weiteres Bild erspäht, das nicht von dieser Welt zu sein schien: Bei einem heftigen Ausbruch des Vulkans Sarytschew hatte sich auf dessen dreizehn Kilometer hoch aufragende Eruptionssäule eine weiche, weiße Decke aus kondensiertem Wasserdampf abgesetzt.
