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Vulkanasche Warum ist ein halber Kontinent betroffen?

 ·  Rund um den Erdball brechen pro Jahr durchschnittlich etwa 60 Vulkane aus. Doch der unter dem Eyjafjallajökull-Gletscher auf Island hat nun den Flugverkehr halb Europas lahmgelegt. Warum?

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Rund um den Erdball brechen pro Jahr durchschnittlich etwa 60 Vulkane aus. Etwa zehn Prozent davon schleudern ihr Material bis in die untere Stratosphäre in etwa neun bis zwölf Kilometer Höhe und damit in die Reiseflughöhe moderner Verkehrsflugzeuge. Für die ist das gar nicht gut. Denn anders als der Name nahelegt, handelt es sich bei Vulkanasche nicht um einen Verbrennungsrückstand, sondern um zerkleinertes Gestein und beim Auswurf zu Pulver erstarrte Lava.

Gerät so etwas in ein Düsentriebwerk, erodiert es nicht nur die Turbinenblätter, sondern schmilzt in der Verbrennungskammer auf, um sich weiter hinten wieder zu verfestigen, wo es als glasige Masse den Luftstrom behindern und das Triebwerk abwürgen kann.

Infolge des dramatischen Anstiegs menschlicher Flugreiselust kommen sich Vulkanismus und Luftverkehr immer öfter ins Gehege. Ins allgemeine Bewusstsein geriet das Problem 1982, als gleich zwei Jets in die Aschewolke des Galunggung in Indonesien gerieten und beinahe abstürzten. Seither wurden über 80 Flugzeuge durch Vulkanasche beschädigt, zwölf alleine beim Ausbruch des Pinatubo 1991. Immer wieder mussten Flughäfen geschlossen werden, etwa Manila 1991, Quito 2000 und 2002, Catania 2001 und 2002.

Seit dem 21. März aktiv

Warum ist nun ein halber Kontinent betroffen? Die Frage ist auch deshalb interessant, weil der Eyjafjallajökull ja bereits seit dem 21. März aktiv ist. Doch da entstand kaum Asche. Isländische Lava ist nämlich sehr mafisch, wie die Geologen sagen, also vergleichsweise arm an Siliziumdioxid und als Folge davon dünnflüssig. Daher gab es am Eyjafjallajökull zwar hundert Meter hohe Lavafontänen, aber kaum Asche. Die entsteht wiederum typischerweise bei Eruptionen zähflüssiger Lava, aus welcher Gase schlecht entweichen können und die daher explosionsartig verlaufen. Zu explosivem Vulkanismus - und damit zur Aschebildung - kommt es auf Island nur, wenn das Magma auf Wasser oder Eis trifft. Die aktuelle Aktivität fand zunächst an einem fast eisfreien Pass an der Ostflanke des Eyjafjallajökull statt.

Diese Eruptionen hörten am 7. April schlagartig auf - plötzlicher, als die Vulkanologen erwartet hatten, die den Berg seit 15 Jahren beobachten und den Ausbruch nach einer Zunahme der seismischen Aktivität hatten kommen sehen. Am 14. April wurde der Vulkan erneut aktiv, aber zehn Kilometer weiter westlich, unter der dicksten Stelle des Gletschers. Das bescherte den Anwohnern Schmelzwasserfluten und Europas Flugpassagieren die Asche, die ungünstig starke Winde geradewegs nach Südosten in Richtung Kontinent bliesen.

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Jahrgang 1964, verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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