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Dienstag, 14. Februar 2012
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Schlammvulkan Schlamm statt Erdgas

31.01.2007 ·  Eine Explorationsbohrung auf Java ist seit Monaten außer Kontrolle. Der Gasdruck aus dem Erdinnern spült ständig Schlamm an die Erdoberfläche. Solche Schlammvulkane können - wie jetzt auf Java - verheerende Folgen haben.

Von Horst Rademacher
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Der Texaner Red Adair wurde auf den Ölfeldern der Welt zur Legende, weil es ihm besser als anderen Technikern gelang, „wild gewordene“ Öl zu zähmen. Meistens führten technische Pannen oder menschliches Versagen zu jenen Zwischenfällen, bei denen Adair und seine Mannschaft aktiv werden mussten. Hin und wieder ist es aber auch die Natur, die den Bohrmannschaften zu schaffen macht, wenn beispielsweise unbekannte geologische Schichten angebohrt werden, die unter hohem Überdruck stehen. Dabei kann das Bohrloch zum Ventil werden, durch das sich der Druck Luft verschafft.

Ein besonders tragischer Fall dieser Art hat sich in Indonesien ereignet. Eine Explorationsbohrung im Wunut-Erdgasfeld im Osten der Insel Java hat zum Ausbruch eines Schlammvulkans geführt, dem bisher elf Menschen zum Opfer fielen. Eine bis zu zehn Meter dicke Schlammschicht bedeckt inzwischen eine Fläche von mehr als zehn Qudratkilometern und hat vier Dörfer mit Hunderten von Häusern und Gewerbebetrieben begraben.

Als der Schlamm kam

Im März vergangenen Jahres hatte die indonesische Ölgesellschaft Lapindo Brantas mit einer neuen Explorationsbohrung im östlichen Teil des im Jahre 1994 entdeckten Wunut-Erdgasfeldes südlich der Stadt Surabaya begonnen. Als die Bohrung nach zwei Monaten eine Tiefe von 2834 Meter erreichte, tat sich unerwartet die Erde auf. Etwa 200 Meter südwestlich der Bohrung begannen plötzlich heißer Dampf, Wasser und Schlamm in einer hohen Fontäne aus dem Boden zu schießen. Die Bohrarbeiten wurden daraufhin eingestellt. Die Eruption dagegen hält bis heute an, und täglich strömen zwischen 7000 und 150.000 Kubikmeter Schlamm unter zum Teil hohem Druck aus dem Loch.

Mit künstlich angelegten Dämmen haben die Behörden versucht, die Überflutung durch die Schlammmassen einzugrenzen. Aber dennoch haben inzwischen mehr als 13.000 Menschen ihre Häuser verloren. Der Schlamm überspülte auch eine Erdgaspipeline, die anschließend explodierte, wobei elf Menschen ihr Leben verloren. Bisher ist nicht abzusehen, wann der Schlammvulkan versiegen wird, schreibt eine Gruppe britischer Geowissenschaftler, welche die Ursachen der Katastrophe untersucht hat, jetzt im Bulletin der Geological Society of America („GSA Today“, Bd. 17, Nr. 2, S. 4). So hat es mehr als 25 Jahre gedauert, bis eine ähnliche Situation in einem Gasfeld vor der Küste Bruneis unter Kontrolle gebracht werden konnte.

Überdruck im Gasfeld

Wie die Forscher unter Leitung von Richard Davies von der University of Durham schreiben, wurde die Schlammeruption aller Wahrscheinlichkeit nach durch die Bohrarbeiten ausgelöst, obwohl an der Bohrung die üblichen Vorsichtsmaßnahmen getroffen wurden - beispielsweise der Einbau von Dichtungen gegen „Blow outs“. Kritisch war jedoch, dass lediglich die obersten 1100 Meter der Bohrung „verrohrt“ wurden. Das Gestein in den unteren 1700 Metern galt dagegen als standfest genug, so dass nicht mit einem Einstürzen des Bohrlochs gerechnet werden musste. Derartige Maßnahmen, bei denen nur ein Teil der Wände einer Bohrung mit Stahlrohren gesichert wird, sind in der Bohrtechnik durchaus üblich.

Als die Bohrung in Java in mehr als 2800 Metern Tiefe auf die anvisierte, unter hohem Überdruck stehende gashaltige Kalksteinschicht traf, stieg zwar der Druck im Bohrloch rasch an. Die Dichtungen am Bohrlochkopf versahen aber ordnungsgemäß ihre Dienste. Man hatte jedoch nicht damit gerechnet, dass der Überdruck im Gasfeld das Gestein unmittelbar unterhalb der Verrohrung aufbrechen würde. Die dabei entstehenden Risse und Klüfte pflanzten sich, vom enormen Überdruck angetrieben, bis zur Erdoberfläche fort. Dabei durchbrachen sie auch verschiedene grundwasserführende Schichten sowie Lagen aus Schlamm und anderen unverfestigten Sedimenten. Der Überdruck aus dem Erdgasfeld fördert nun diese Mischung aus Wasser und Schlamm an die Erdoberfläche, wo sie in einer großen Fontäne ans Tageslicht tritt.

Wege aus der Gefahr

Weil im Laufe der vergangenen acht Monate außerordentlich viel Schlamm aus dem Untergrund an die Erdoberfläche befördert wurde, befürchten Davies und seine Mitarbeiter, dass das gesamte Gebiet um die Bohrung in den kommenden Monaten um einige Meter sinken wird. Dieser Vorgang ist mit dem Einbrechen eines Vulkankraters nach einem schweren Ausbruch und dem Entstehen einer vulkanischen Caldera vergleichbar. Offen ist die Frage, wie sich der gegenwärtige Schlammausbruch aufhalten lässt. Man kann warten, bis sich der Überdruck allmählich auf natürliche Weise abbaut.

Bei einem ähnlich gelagerten Fall in Brunei wurde versucht, den Überdruck durch neue Bohrungen zu verringern. Aber dabei besteht die Gefahr, dass neue Schlammvulkane entstehen. Red Adair jedenfalls könnte nicht helfen, den Schlammvulkan zum Versiegen zu bringen, denn der Schlamm tritt nicht direkt aus dem Bohrloch aus. Vielmehr hat sich der Überdruck einen eigenen Weg durch die Erdkruste gesprengt, durch den der Schlamm jetzt ohne Unterlass aufquillt.

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