30.12.2007 · Unsere Erdoberfläche besteht seit jeher aus schwimmenden Platten. Doch wie kam diese Endlosbewegung in Gang? Anstoß könnte ein großer Asteroid gegeben haben. Voraussetzung dafür sind zwei Arten von Erdkruste.
Von Horst RademacherDass die Oberfläche der Erde kein statisches Gebilde ist, sondern - angetrieben von der Hitze im Erdinneren - in dauernder Bewegung steht, gehört seit nunmehr fast 40 Jahren zum geologischen Standardwissen. Völlig unklar ist jedoch bisher, wie diese seit mindestens zwei Milliarden Jahren anhaltende plattentektonische Endlosbewegung überhaupt in Gang kam. Eine amerikanische Forscherin hat nun die Hypothese aufgestellt, dass der Einschlag eines großen Asteroiden der eigentliche Auslöser für die unaufhaltsame Drift der Platten war.
Die ständige Bewegung der großen Platten sowie das Entstehen von Spreizungs- und Subduktionszonen ist nur möglich, weil es - vereinfacht beschrieben - lediglich zwei Arten von Erdkruste gibt. Bei den Gesteinen auf den Kontinenten handelt es sich im Wesentlichen um Sedimentgesteine und Granite. Sie haben eine viel geringerer Dichte als die Basalte der ozeanischen Erdkruste. Wegen ihres höheren spezifischen Gewichtes können die Basalte in den Subduktionszonen in den Erdmantel versinken, während die leichtere kontinentale Erdkruste auf der Schmelze des Erdinneren schwimmt wie Öl auf Wasser.
Große schwimmenden Platten
In der Frühzeit der Erde gab es dagegen nur einen Gesteinstyp an der Erdoberfläche, der zusätzlich auf Grund der damals noch größeren Wärme im Erdinneren plastisch verformbar und nicht spröde und brüchig wie die heutige Erdkruste war. In einer derart gleichförmigen Erdkruste konnten sich keine großen schwimmenden Platten bilden. Vicki Hansen von der Universität von Minnesota meint nun, dass der Einschlag eines Asteroiden die Plattendrift in Gang gesetzt hat.
Einerseits habe die Wucht des Aufpralls das Gestein an den Rändern der Einschlagzone verdichtet. Andererseits habe durch den Einschlagkrater leichtere Schmelze an die Erdoberfläche gelangen können. Auf diese Weise, so schreibt Hansen jetzt in der Zeitschrift „Geology“ (Bd. 35, S. 1059), entstand überhaupt erst jener Dichteunterschied, ohne den sich in der Plattentektonik nichts bewegt.
Der einschlagende Bolide dürfe nicht zu klein gewesen sein, denn dann wäre die plastische Erdkruste schnell in den Krater „zurückgeschwappt“. Damit anschließend die Plattentektonik in Gang bleiben konnte, war Wasser im Gestein unerlässlich. Auf der Venus, die zwar eine ähnliche Größe und Wärmekapazität wie die Erde hat, deren Krustengesteine aber äußerst trocken sind, kam deshalb die Plattentektonik nie in Gang.