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Paläontologie Vogel-Ahn ohne Federn

15.03.2006 ·  Ein neuer Fossilienfund sorgt für Verwirrung unter den Forschern. Beim Saurier mit dem Namen Juravenator starki hätten sie ein Federkleid erwartet, das nun in Bayern entdeckte Exemplar hat aber keines.

Von Reinhard Wandter
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Wenn ein Tier Federn hat, dann ist es ein Vogel. So leicht konnten es sich Zoologen bei der Definition allerdings nur früher machen. Vor ungefähr einem Jahrzehnt nämlich wurde das klare Prinzip gehörig durcheinandergewirbelt.

Dafür sorgten Fossilfunde aus China, die Zeugnis von Dinosauriern mit einem - noch primitiven - Federkleid ablegen. Seitdem haben Biologen und Paläontologen versucht, eine schlüssige Entwicklungsgeschichte der Feder zu rekonstruieren.

Ein gut 150 Millionen Jahre altes Dinosaurierfossil aus den durch den Urvogel Archaeopteryx berühmt gewordenen Solnhofener Plattenkalken ruft nun neue Verwirrung hervor. Denn es wäre zu erwarten gewesen, daß dieses Tier, dem die Forscher den Namen Juravenator starki gegeben haben, ein Federkleid trug - aber es war offenbar nackt.

Gesellschaft für den Compsognathus

Das Fossil, das die Paläontologin Ursula Göhlich von der Universität München zusammen mit Luis Chiappe vom Naturhistorischen Museum Los Angeles in der aktuellen Ausgabe der Zeitschrift „Nature“ vorstellt, ist eine ausgesprochene Rarität. Es handelt sich um einen kleinen Raubsaurier aus der Verwandtschaftsgruppe der Compsognathus-Saurier.

Diese wiederum gehören - wie alle bisherigen Dinosaurier-Funde mit Hinweisen auf ein Federkleid und ebenso die Vögel - zu einer übergeordneten Gruppe, den Hohlschwanzsauriern (Coelurosauriern). Bisher gab es in Europa nur zwei Funde von Compsognathus, einen aus den Solnhofener Plattenkalken, einen aus Frankreich.

Nun hat das schon vor eineinhalb Jahrhunderten entdeckte Solnhofener Exemplar endlich Gesellschaft erhalten. Der neue Fund, der am Jura-Museum in Eichstätt aufwendig präpariert worden ist, besteht aus einem praktisch vollständigen, rund 65 Zentimeter langen Skelett. Lediglich vom Schwanz fehlt etwa ein Drittel. Am Schwanz und an den Hinterbeinen sind sogar noch Überreste der Haut zu erkennen.

Geschichte der Feder nicht geradlinig

Juravenator, der am besten erhaltene fleischfressende Dinosaurier aus Europa, bringt die Forscher freilich in Erklärungsnot, denn von den erwarteten Federn ist nichts zu sehen. Der chinesische Paläontologe Xing Xu wendet ein, es handele sich um ein Jungtier, bei dem das Federkleid vielleicht noch nicht angelegt worden sei. Tatsächlich dürfte das Exemplar erst einige Wochen oder allenfalls Monate alt gewesen sein, als es umkam.

Ursula Göhlich weist aber darauf hin, daß die ersten Vögel schon im Ei befiedert waren, wie Fossilfunde zeigen. Es handelte sich wohl um Nestflüchter wie das heutige Huhn. Nesthocker, die erst nach geraumer Zeit Federn bekommen, dürften später auf der Bühne des Lebens aufgetaucht sein, jedenfalls erst nach der Epoche von Juravenator. Daß es unter den urtümlichen Coelurosauriern Arten mit und ohne Gefieder gab, nimmt den Forschern die Illusion, die Entwicklungsgeschichte der Federn sei geradlinig und leicht nachvollziehbar verlaufen.

Quelle: F.A.Z., 16.03.2006, Nr. 64 / Seite 36
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