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Offshore-Parks Öko-Forschung in den Wind geschrieben?

 ·  Mehr als 10.000 Windanlagen im Meer verändern Lebensräume - und schaffen neue. Sogar attraktive, heißt es. Doch ehe man Genaueres weiß, stoppt die Forschung.

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Vögel erkennen, ob sich Windräder drehen oder nicht, und weichen aus, Schweinswale werden kaum vom Lärm belästigt: Offenbar beeinträchtigen Windanlagen auf See die Umwelt weniger als befürchtet. Das haben Forscher im Rahmen der Forschungsinitiative „Research at Alpha Ventus“ (Rave) herausgefunden, die den Bau und Betrieb des Testfelds am ersten fertiggestellten deutschen Windpark vor Borkum begleitet. Die ökologischen Untersuchungen des Projekts koordiniert das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg. Jüngst hat die Bundesbehörde die ersten Ergebnisse vorgestellt. Demnach bleiben die größeren Tiere in Luft und Wasser weitgehend unbeeinflusst. Aber was ist mit dem Bodenleben? Die Arbeiten hierzu wurden fürs Erste gestoppt.

Krebse, Muscheln und Würmer leben am Meeresgrund. Wir haben sie kaum im Blick und unterschätzen deswegen womöglich ihre Bedeutung. Doch wenn sich bei diesen sogenannten Benthosorganismen etwas ändert, kann sich das auf die ganze marine Nahrungskette auswirken, denn das Benthos ist das Nährstoff-Bindeglied zwischen den pflanzlichen Primärproduzentenund höheren Nahrungsebenen. Wie die Bodentiere auf die Offshore-Rotoren reagieren, haben Lars Gutow vom Alfred-Wegener Institut in Bremerhaven und sein Team untersucht. Auch hier zeichnet sich Positives ab: Im Vergleich zu früheren Jahrzehnten scheint es dem Bodenleben besser zu gehen - nicht trotz, sondern vermutlich gerade wegen der Meereswindmühlen. „Windparks bieten offensichtlich gewisseChancen für den Schutz“, sagt Gutow. Denn: „Eine der größten Belastungen, die wir der Nordsee aufgebürdet haben, ist die Fischerei mit Grundschleppnetzen. Die hat der Lebensgemeinschaft am und im Boden sehr zugesetzt. An den Windparks ist diese Fischerei nun untersagt und die Organismen scheinen sich zu erholen.“

Miesmuscheln, die einen festen Untergrund brauchen, wachsen nun verstärkt an den Trägerstrukturen der Rotoren. Plötzlich sammelt sich dortenorm viel Biomasse, womöglich 5000 bis 6000 Kilogramm pro Anlage. Damit werden Nährstoffe lokal gebunden. „Das an sich ist kein Problem. In der Nordsee gibt es insgesamt genügend Nährstoffe, die das System füttern. Aber im Nahbereich der Anlagen könnten sich einzelne Stoffflüsse komplett verändern“, erläutert Gutow.

Sanken zum Beispiel planktonische Algen vorher ungenutzt zu Boden, landen ihre Nährstoffe nun im Magen der Muscheln. Sie werden zu Stoffwechselendprodukten umgebaut oder stecken im Muschelkörper. „Damit kommt eine ganz andere Qualität von Nahrung am Boden an.“ Auf lange Sicht, schätzt der Biologe, könnte dies langlebigere Tiere anziehen, wie etwa Seeigel oder Seesterne. „Vögel, die stattdessen auf angestammte Arten als Futter spezialisiert sind, bleiben dann aus.“

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