Wenn von Ölteppichen im Meer die Rede ist, dann geschieht das meist im Zusammenhang mit den Havarien von Tankern oder, wie jetzt im Golf von Mexiko, mit Zwischenfällen auf Bohr- und Förderplattformen. Allerdings stammt mehr als die Hälfte des Rohöls in den Ozeanen aus natürlichen Quellen.
Pro Jahr, so haben amerikanische Forscher kürzlich berechnet, dringen mehr als 100 000 Tonnen Öl ins Wasser - und zwar dort, wo ölführende Gesteinsschichten bis nahe an den Meeresboden reichen. Solche submarinen Austrittsstellen gibt es beispielsweise im Golf von Mexiko, in der Beaufort-See und im Nordostpazifik vor Kalifornien. Meist sind die Austrittsraten gering, aber offenbar kommt es gelegentlich zu vulkanartigen Ausbrüchen, bei denen in kurzer Zeit große Mengen an Kohlenwasserstoffen ins Meer gelangen. Darauf deuten jetzt erloschene Asphaltvulkane hin, die vor einiger Zeit in der Nähe der Offshore-Ölfelder vor der kalifornischen Küstenstadt Santa Barbara entdeckt worden sind.
Hügel aus Asphalt
Schon vor einigen Jahren waren bei der bathymetrischen Kartierung mit Sonargeräten am Meeresboden vor Südkalifornien seltsame domförmige Hügel aufgefallen. Die Hügel befinden sich in 220 Meter Wassertiefe in der Nähe bekannter Ölfelder. Als jüngst eine Forschergruppe um David Valentine von der Universität von Kalifornien in Santa Barbara diese Gebiete mit Tauchbooten näher untersucht hat, stellte sie fest, dass diese Hügel nahezu vollständig aus Asphalt bestehen. Die beiden größten Dome bedecken jeweils die Fläche eines Fußballfeldes und enthalten zusammen mindestens 200 000 Tonnen spröden Asphalts.
Wie die Forschergruppe jetzt in der Zeitschrift "Nature Geoscience" schreibt, sieht die Oberfläche der submarinen Hügel aus wie jene Lavafelder auf Hawaii, die aus sogenannter Pahoehoe-Lava (Seillava) bestehen. Diese ist recht zähflüssig, und ihre Oberfläche kühlt schnell ab. Ist die Neigung des Vulkanhangs flach, erstarrt sie in runden, konzentrischen Formen, die an aufgerollte Taue erinnern. Davon leitet sich der Begriff "Seillava" ab. Weil Pahoehoe-Lava auch auf der Oberfläche der nun entdeckten Asphaltvulkane zu finden ist, meinen die Forscher, das Rohöl sei in großer Menge als zähflüssige Masse ausgetreten und dann zu Asphalt erstarrt, als es vom Meerwasser abgekühlt wurde. Die chemische Zusammensetzung des Asphalts entspricht der des Rohöls, das in unmittelbarer Nähe der Asphaltvulkane schon seit Jahrzehnten aus der geologischen Monterey-Formation gepumpt wird.
Mit Tauchboten austretendes Methan entdeckt
Trotz mehrerer Fahrten mit Tauchbooten haben die Forscher zwar an keinem der Vulkanhügel aktive Ölquellen entdeckt. An mehreren Stellen traten aber kleinere Mengen Methan aus. Der Asphalt ist, wie die Untersuchungen gezeigt haben, vor etwa 40 000 Jahren entstanden. Damals, so vermuten die Forscher nun, müssen in kurzer Zeit derart große Mengen an Rohöl ausgetreten sein, dass sich an diesen Quellen große Vulkankegel aus Asphalt bilden konnten. Sie wurden im Laufe der Zeit von der Meeresströmung abgetragen, so dass heute davon nur noch die domartigen Hügel übrig geblieben sind. Aus jedem der Asphaltvulkane muss damals ein Vielfaches der heute weltweit ins Meer gelangenden Menge an Rohöl ausgetreten sein. Wie es allerdings zu solchen natürlichen "Ausbläsern" in einem untermeerischen Ölfeld kommen kann, ist noch unklar.
