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Meteorite Zerplatzter Kleinplanet

08.05.2003 ·  Chromit-Körner in schwedischen Sedimenten bezeugen das Ende eines Asteroiden vor rund 500 Millionen Jahren.

Von Günter Paul
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Kaum noch ein Astronom studiert in der heutigen Zeit den Himmel, indem er ihn nachts durch das Fernrohr beobachtet. Vielmehr sitzen die meisten Forscher am Computer, mit dem sie oft automatisch gewonnene Bilder und Daten analysieren und auswerten. Aber auch irdische Sedimente geben Auskunft über Vorkommnisse, die sich im Kosmos abgespielt haben. Unter anderem scheinen sie jetzt zu belegen, daß vor etwa 500 Millionen Jahren ein Kleinplanet im Asteroidengürtel zwischen den Bahnen von Mars und Jupiter zerplatzt ist - möglicherweise als Folge einer Kollision.

Schon in den vergangenen Jahren waren den Forschern nahe der Ortschaft Kinnekulle (Südschweden) in rund 480 Millionen Jahre alten Kalkstein-Sedimenten aus dem mittleren Ordovizium mehr als vierzig Meteoriten aufgefallen. Sie zeichneten sich durch die eingeschlossenen Chromit-Minerale aus, die wesentlich mehr Titan sowie weniger Aluminium und Magnesium als irdisches Chromit enthalten. Offenbar hatten sie einst zu ein und demselben Mutterkörper gehört. Einer genauen Analyse zufolge konnten sie nicht lange frei durch den Weltraum geflogen sein.

Die Funde besagten außerdem, daß im mittleren Ordovizium deutlich mehr meteoritisches Material auf die Erde geprasselt sein dürfte, als es heute in gleichem Zeitraum geschieht. Das hat eine Gruppe schwedischer Forscher zum Anlaß genommen, in Südschweden großräumig nach weiterem Material zu suchen, das dem Mutterkörper zugeordnet werden könnte. Weil anzunehmen ist, daß ein beträchtlicher Teil der Brocken, die seinerzeit in die Erdatmosphäre eindrangen, pulverisiert wurde, forschten sie in entsprechend alten Sedimenten vor allem nach Chromit-Körnern mit den bekannten Charakteristiken. Chromit hat den Vorteil, außerordentlich widerstandsfähig zu sein, so daß es sogar die Behandlung mit verschiedenen Säuren übersteht.

Die Suche erfolgte an fünf weit auseinanderliegenden Standorten. Sie ergab, daß die chromithaltigen Sedimente ein Gebiet von ungefähr 250000 Quadratkilometer Fläche bedecken. Die mit 33 Chromitkörnern pro zehn Kilogramm Gestein reichsten Funde spürten die Forscher in der Sedimentschicht auf, aus der auch die Meteorite stammten. Über ganz Südschweden scheinen sich in der fraglichen Zeit etwa 3000 Chromitkörner pro Quadratmeter angesammelt zu haben.

Die hohe Anreicherung der Sedimente mit außerirdischem Chromit hat den Untersuchungen zufolge ein bis zwei Millionen Jahre lang angehalten. Sie setzte offenbar recht plötzlich ein. Deshalb schließen die Forscher aus, daß eine schnellere Sedimentation für sie verantwortlich gewesen ist.

Einer vorsichtigen Abschätzung zufolge sind, als die Meteoriten zur Erde fielen, etwa 85 bis 90 Prozent ihres Materials zerbröselt und jetzt nur noch anhand der Chromit-Körner erkennbar. Vor der neuen Untersuchung waren die Forscher der Meinung gewesen, im mittleren Ordovizium habe der Zufluß meteoritischen Materials in Südschweden eine bis zwei Größenordnungen höher gelegen als heutzutage. Die jüngsten Erkenntnisse zeigen, daß der höhere Wert zutreffen dürfte.

Ein anderes Ergebnis der Untersuchung tritt ganz klar zutage: Das Material stammt nicht von einem einzigen - größeren - Meteoriten, der erst in der Erdatmosphäre zerlegt worden ist. Zwar ließe sich damit vielleicht gerade noch die weite geographische Streuung erklären, nicht aber die Tatsache, daß die Chromit-Körner für eine dickere Sedimentschicht in Südschweden typisch sind. Wie die Forscher in der heutigen Ausgabe der Zeitschrift "Science" darlegen, ist der vermutete Mutterkörper möglicherweise das größte Objekt gewesen, das in astronomisch jüngerer Vergangenheit im Asteroidengürtel zerplatzte.

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Jahrgang 1946, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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