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Kohlendioxyd-Tiefseelagerung „Wir wollen das unbedingt probieren“

10.10.2006 ·  Für den Klimaschutz wäre es am besten, man würde gar nichts verbrennen. Weil das unrealistisch ist, müßte wenigstens das CO2 verschwinden, daß Kohlekraftwerke freisetzen. Klimaforscher Kurt House propagiert die Tiefseelagerung.

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Der Klimaexperte Kurt House von der Harvard University propagiert im Interview die Idee der Tiefseelagerung von Kohlendioxyd.

Kohlendioxyd wird ja bereits genutzt, um mehr Öl aus älteren Vorkommen herauszudrücken. Das ist sogar profitabel. Ließe sich CO2 auf diese Weise auch dicht und sicher lagern?
Eher nicht. Dort, wo das bereits gemacht wird, zum Beispiel seit dreißig Jahren in Texas, kommt ein Großteil des Kohlendioxyds bei der Ölförderung wieder mit heraus. Hinsichtlich des Klimawandels wird das also sicher keine Rolle spielen. Aber diese Anwendungen können enorm wichtig sein, die Expertise für klimafreundliche CO2-Lagerung zu entwickeln.

Was wäre die derzeit realistischste Art, Kohlendioxyd von der Atmosphäre fernzuhalten?
Das ist abhängig vom Ort, wo es anfällt. Gut geeignet wären tiefe Schichten porösen Gesteins voller Salzlake, über denen dicke, undurchlässige Gesteinschichten liegen. Dort könnte man CO2 hineinpumpen. Im Nordosten der Vereinigten Staaten und in Japan etwa gibt es diese salzigen Aquifere aber nicht. Eine andere Möglichkeit wäre dann, Kohlendioxyd in die Tiefsee zu pumpen.

Sie haben kürzlich Ihre Idee einer speziellen Form von CO2-Sequestrierung in der Tiefsee veröffentlicht: 3000 Meter unter dem Meeresspiegel, und dann noch 200 Meter tief im Sediment. Was macht dieses Verfahren aus Ihrer Sicht so attraktiv?
Zwei Dinge: Erstens haben wir dort eine Kombination von extrem hohem Druck und sehr niedrigen Temperaturen. Das gibt es an Land nicht. Es bedeutet aber, daß das CO2 dort flüssig wird und dann, weil es in diesem Zustand dichter als Meerwasser ist, nach unten sinkt. Man wäre also nicht auf den geologischen Verschluß mit undurchlässigem Gestein wie bei der Sequestrierung an Land angewiesen. Zweitens bilden sich dort, wo sich Kohlendioxyd in Wasser löst, unter hohem Druck und niedrigen Temperaturen CO2-Hydrate, die gefrieren. Dieses Eis würde zusätzlich mögliche Austrittsstellen verschließen.

Das Verfahren wäre aber wohl deutlich teurer als die an Land möglichen?
Das sollte man erwarten. Aber man muß hier das Gesamtbild sehen. Bei den Verfahren zum Auffangen und Lagern des Treibhausgases schlägt das Auffangen nach aktuellen Modellen mit 75 Prozent der Kosten zu Buche. Selbst wenn die Lagerung in der Tiefsee also teurer wird, hätte das keinen allzu großen Anteil an den Gesamtkosten.

Wieviel CO2 könnte man so endlagern?
Allein in der 200-Meilen-Zone vor den Küsten der Vereinigten Staaten könnte man eine Menge unterbringen, die Tausenden von Jahren der gegenwärtigen Emissionen entspricht.

Kollegen aus Ihrem Fachgebiet finden Ihren Vorschlag interessant, wollen aber nun Daten aus Feldversuchen sehen. Sind solche Experimente in Vorbereitung?
Wir machen derzeit Laborexperimente. Was Versuche draußen im Meer angeht, ist das natürlich einen Kostenfrage. Wir wollen das unbedingt probieren, und ein paar Ölfirmen sind auch sehr interessiert.

Welche?
Das kann ich hier nicht sagen.

Die Fragen stellte Richard Friebe.

Ausführliche Informationen zum Thema Tiefseelagerung von Kohlendioxyd-Emissionen finden Sie in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 8. Oktober 2006 in dem Beitrag „Richtig Kohle machen“.

Quelle: Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 08.10.2006, Nr. 40 / Seite 71
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