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HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Klima-Glosse Heiße Herzen

 ·  Der Manager eines Energiekonzerns tischt veraltete Klimawandel-Antithesen auf. Der Mann hat klare Interessen. Trotzdem wird er ernst genommen. Lächerlich.

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Reden wir über den Klimawandel, aber reden wir nicht über Lügen, Skeptiker, nicht einmal über die Wissenschaft selbst. Reden wir einfach mal über ein Unternehmen, oder sagen wir: drei Unternehmen. Zum Beispiel RWE. Der Energiekonzern ist auf Sparkurs, will bis Ende dieses Jahres 1,5 Milliarden Euro sparen und nochmal eine Milliarde bis Ende 2014. 3500 Jobs könnten wegfallen, berichten Insider der Energiebranche. Diese schreiben auch, RWE habe die Energiewende verschlafen, der Anteil der erneuerbaren Quellen am Energiemix liege im einstelligen Bereich. Blöd, dass der Druck der Politik auf das Unternehmen, die ökologische Wende einzuleiten, weiter wächst. Das kostet. Zum Glück gibt es in seinen Reihen eloquente Leute wie Fritz Vahrenholt, den ehemaligen Hamburger Senator, Shell-Manager und seit einiger Zeit Vorstandschef der RWE-Innogy, der beste Verbindungen zu Medien unterhält und zu dessen Steckenpferden die Klimaforschung zählt. Er hat mit ein paar klimatologisch mitdilettierenden Weggefährten für einen großen deutschen Verlag einmal zusammengeschrieben, was das Geheimnis hinter der RWE-Unternehmensstrategie ist und was von Kleinst- oder Selbstverlagen in Büchern wie "Klimalüge? Wissenschaft-Politik-Zeitgeist", "Der Treibhaus-Schwindel" oder "Die Lüge der Klimakatastrophe" zwar angesprochen, aber von der großen Politik sträflich vernachlässigt worden ist: Die umweltpolitisch weitreichenden Befunde des Weltklimarates als Halbwahrheiten und Verschwörung zu entlarven. Vahrenholt ist jetzt ein echter RWE-Held und der Geburtshelfer der "CO2-Lüge". Die "Bild-Zeitung" hat dem RWE-Heroen eine Serie mit diesem Titel gestiftet - und damit die eigene Unternehmenstradition gefördert. Denn der Axel-Springer-Verlag hat Vahrenholt schon vor knapp einem Jahr mit dem Abdruck eines wissenschaftskritischen Essays quasi in den Rang eines Klimaberaters gehoben. Auch das Magazin der "Spiegel", womit wir beim dritten Unternehmen wären, hat sich inzwischen für das Schicksal des deutschen Energiekonzerns erwärmt. Unter der Schlagzeile "Rangliste entlarvt Europas Klimasünder" hatte man noch vor einem Jahr in der Online-Ausgabe RWE als zweitgrößten Kohlendioxidverursacher überführt. Seit Anfang der Woche, pünktlich zum Start von Vahrenholts Alternativklimareport über "Die kalte Sonne" wissen wir nun auch aus einem "Spiegel"-Interview mit Vahrenholt, weshalb das große deutsche Unternehmen die grüne Energiewende selbstverständlich nicht verschlafen, sondern gezielt verschoben hat: Weil angeblich Tausende von Wissenschaftlern weltweit irren. Wie gesagt: Hier geht es um große Geschäfte, aufgestaute Emotionen und vielleicht sogar um ökonomischen Patriotismus. Um alles, nur eben nicht um Wissenschaft und Vernunft.

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