19.12.2006 · In der Luft von Städten findet sich eine ähnlich große mikrobielle Vielfalt wie in manchen Böden. Die Palette reicht dabei von harmlosen Bodenbakterien bis hin zu Anthrax-Keimen.
Von Reinhard WandtnerIn der Luft von Städten findet sich eine ähnlich große bakterielle Vielfalt wie in manchen Böden. Zu diesem Ergebnis sind Forscher aus Berkeley (Kalifornien) gekommen. Die Ökologen um Gary Andersen vom Lawrence Berkeley National Laboratory haben in den texanischen Städten Austin und San Antonio insgesamt 17 Wochen lang Luftproben gesammelt und mit einem sogenannten DNS-Chip auf bakterielle Erbsubstanz hin untersucht. Als Marker dienten Gensequenzen für Ribosomen-Ribonukleinsäure.
Fälschlicher Hinweis auf einen Terrorakt
Wie die Forscher in der aktuellen Online-Ausgabe der „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (Early Edition) berichten, fanden sich Spuren von mindestens 1800 Bakterienarten. Der größte Anteil entfiel auf Bacillus-Arten. Unter den nachgewiesenen Bakterien befanden sich auch etliche potentielle Krankheitserreger, etwa Vertreter der Gattung Campylobacter. Einer dieser Keime (Arcobacter) kann Blutvergiftung und schwere Darminfektionen hervorrufen.
Die Forscher vermuten, daß er aus Kläranlagen in die Luft gelangte. Dort dürften auch die in den Proben gefundenen Helicobacter-Keime als Aerosole aufgewirbelt worden sein. Helicobacter ist als Verursacher von Magengeschwüren bekannt geworden. In den Proben fanden sich auch Bakterien aus dem Verwandtschaftskreis von Bacillus anthracis (Anthrax). Ihre Anwesenheit könnte fälschlich als Hinweis auf einen Terrorakt gedeutet werden. Die Analysen zeigten zudem, daß die Bakterienflora der Luft in ihrer Zusammensetzung starken Schwankungen unterliegt. Wie sie beschaffen ist, kann mehr vom Zeitpunkt der Messung und von der Witterung abhängen als von dem Ort, von dem die jeweilige Probe stammt.