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Sonntag, 12. Februar 2012
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Haiti Eine Kerbe erinnert an das Bebenpotential

24.01.2010 ·  Vor dem Beben von Port-au-Prince gab es an der Verwerfung unter Haiti schon lange keine signifikanten Erdbeben mehr. Trotzdem ist den Geologen klar, welches Potential für Erschütterungen diese Verwerfung hat.

Von Horst Rademacher
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Die Erdbebenkatastrophe von Haiti hat ihren Anfang an einer geologischen Verwerfung genommen, an der sich seit mindestens 150 Jahren keine schwere Erschütterung des Bodens mehr ereignet hatte. Im Landschaftsbild ist diese Verwerfung in der Nähe von Port-au-Prince nicht zu übersehen. Die Verschiebungen, die hier stattfanden, haben nämlich im Laufe der Erdgeschichte ein enges Tal geschaffen, das in ostwestlicher Richtung ungefähr vierzig Kilometer weit schnurgerade verläuft. Der Herd des Beben lag in 13 Kilometern Tiefe genau unter diesem Tal.

Die Insel Hispaniola (mit Haiti im westlichen Teil) liegt wie die anderen Inseln der Großen Antillen - Jamaika und Puerto Rico - auf der karibischen Platte, einem der kleineren Bruchstücke im globalen Mosaik des plattentektonischen Puzzles. Zur karibischen Platte gehören außerdem die Kleinen Antillen, Teile von Venezuela und Kolumbien sowie das gesamte Mittelamerika einschließlich des südlichen Teils von Mexiko. Entlang ihrer nördlichen und östlichen Ränder stößt die karibische Platte mit der viel größeren nordamerikanischen Platte zusammen.

Im Bogen der Kleinen Antillen am Ostrand der Region führt die Kollision dazu, dass sich die nordamerikanische Platte unter die Karibik schiebt. Ein Tiefseegraben und Vulkanismus - beispielsweise auf den Inseln Montserrat, Guadeloupe und Martinique - sind die Folgen dieser Subduktion. Entlang des nördlichen Randes der Karibik verschieben sich die Platten dagegen entlang einer Linie, die von den Jungferninseln bis zu den Cayman Inseln reicht. Die Bewegung ist dabei weitgehend horizontal, wobei die nordamerikanische Platte gegenüber der Karibik mit einer Geschwindigkeit von etwa zwanzig Millimetern pro Jahr nach Westen driftet.

Die Karibikinsel wurde von den schwersten Erdbeben seit 200 Jahren erschüttert.

Eine Bewegung von fast drei Metern in 15 Sekunden

Östlich der Insel Hispaniola, im Bereich von Puerto Rico, ist die Plattengrenze deutlich durch einen Tiefseegraben definiert. Unter der Meerenge zwischen Puerto Rico und der Dominikanischen Republik ereignete sich entlang dieses Grabens auch das schwerste, jemals in der Karibik gemessene Erdbeben; am 8. August 1946 erreichte es die Magnitude 8,1. Ein Tsunami mit Wellenhöhen von bis zu 4,5 Metern erfasste die Küsten von Hispaniola, Puerto Rico und den Bahamas. Insgesamt kamen damals 4100 Menschen ums Leben.

Weiter im Westen nimmt die plattentektonisch bedingte Erdbebenzone ein breites Band ein, das den gesamten westlichen Teil Hispaniolas umfasst. Die meisten der in dieser Region registrierten Erschütterungen ereignen sich entlang des Nordstrangs der Zone an der sogenannten Septentrional-Verwerfung. Das Erdbeben vom vergangenen Dienstag lag dagegen an der „Enriquillo-Plaintain Garden-Verwerfung“ im südlichen Teil der Erdbebenzone. Sie erstreckt sich von Hispaniola bis nach Jamaika. Das schwere Beben, das im Jahre 1692 die damals größte Stadt Jamaikas - Port Royal (heute Kingston) - zerstörte, fand am westlichen Ende dieser Verwerfung statt.

Obwohl sich an der Verwerfung unter Haiti schon lange keine signifikanten Erdbeben mehr ereignet haben, ist ihr Potential für die Geologen immer präsent. Die Verwerfung, die im Laufe der Zeit als markante Kerbe im Gelände sichtbar wurde, erstreckt sich südlich der Stadt Carrefour als langes Tal in der Landschaft. Nach Berechnungen der Mitarbeiter der Erdbebenwarte Golden vom Geologischen Dienst der Vereinigten Staaten lag der Herd des Erdbebens genau unter dieser Kerbe. Das Gestein brach dabei auf einer Länge von knapp vierzig Kilometern. Die Nordflanke der Verwerfung mit den Städten Port-au-Prince und Carrefour bewegte sich dabei innerhalb von 15 Sekunden um etwa 2,8 Meter nach Westen, während sich der Südteil um den gleichen Betrag nach Osten verschob.

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