30.05.2006 · Die Ausdehnung der tropischen Klimazonen schwankt zwischen 30 Grad nördlicher und südlicher Breite. Langzeituntersuchungen haben nun gezeigt, daß sich ingesamt die Tropen ausdehnen und andere Klimazonen verschieben.
Von Horst RademacherGeographisch werden die Tropen als jener Bereich der Erde definiert, der zwischen den beiden Wendekreisen liegt, also zwischen den 23. Breitengraden nördlich und südlich des Äquators. Aus meteorologischer Sicht reichen die Tropen dagegen jeweils etwa bis zu den 30. Breitengraden, denn bis dahin erstrecken sich die das tropische Klima bestimmenden großräumigen Hadley-Zellen beiderseits des Äquators - Zirkulationszellen, die Äquatorwärme zu den kühleren Regionen der Erde transportieren. Allerdings schwanken die wetterkundlich definierten Grenzen der Tropen in Abhängigkeit von der Jahreszeit oder meteorologischen Großereignissen wie dem El Nino. Forscher in den Vereinigten Staaten haben nun festgestellt, daß diesen kurzfristigen Schwankungen ein langfristiger Trend überlagert ist. Danach haben sich die Tropen im vergangenen Vierteljahrhundert langsam, aber stetig vergrößert.
Die Gruppe unter Leitung von Qiang Fu von der University of Washington in Seattle stieß auf den Befund, als sie die in den vergangenen 25 Jahren registrierten Strahlungsmeßdaten der über die Polargebiete fliegenden amerikanischen Wettersatelliten analysierte. Die Intensität der von der Erdatmosphäre ausgehenden Mikrowellenstrahlung ist ein direktes Maß für die in den verschiedenen Stockwerken der irdischen Lufthülle herrschenden Temperaturen. Fu und seine Mitarbeiter stellten die Meßergebnisse in Abhängigkeit von der geographischen Breite zusammen. Die deutlichsten langfristigen Veränderungen gab es dabei jeweils zwischen den 15. und 45. Breitengraden beiderseits des Äquators.
Menschlicher Einfluß?
Wie die Forscher in der jüngsten Ausgabe der Zeitschrift „Science“ (Bd. 312, S. 1179) schreiben, kühlte sich während des Untersuchungszeitraums die Stratosphäre in diesen Breiten im Durchschnitt um nahezu ein Grad ab, während die Temperatur der Troposphäre darunter um 0,8 Grad zunahm. Diese Veränderungen erscheinen auf den ersten Blick recht gering. Weil es sich aber jeweils um einen langfristigen Trend handelt, zeugen sie von grundsätzlichen Temperaturvariationen in der Atmosphäre.
Die Erwärmung der unteren Schichten und die Abkühlung in der Stratosphäre haben zur Folge, daß sich die beiden oberhalb der Subtropen in etwa zehn Kilometer Höhe wehenden „Jet Streams“ im vergangenen Vierteljahrhundert allmählich polwärts verlagert haben. Damit haben sich auch die Hadley-Zellen darunter ausgedehnt. Das habe, so folgern die Forscher, zu einer Ausdehnung der Tropen beiderseits des Äquators um jeweils etwa einen Breitengrad geführt. Langfristig kann eine solche Vergrößerung der Tropen auch zu einer polwärtigen Verschiebung der anderen Klimazonen führen, beispielsweise zu einer Ausdehnung der subtropischen Wüsten. Die Frage, ob es sich bei der beobachteten Ausdehnung der Tropen um eine natürliche Klimaschwankung handelt oder ob sie durch menschlichen Einfluß verursacht wurde, lassen die Forscher unbeantwortet.