Gletscherspalten stellen, das weiss jeder Bergsteiger, bei Touren im Hochgebirge eine besondere Gefahr dar. Solche Brüche und Risse im Eis entstehen, wenn es beispielsweise im Fels unter einem Gletscher einen Knick im Gefälle gibt und die Eismasse dort schneller zu fließen beginnt. Oft kann die spröde oberste Eisschicht des Gletschers die dabei auftretende mechanische Spannung nicht ausgleichen und sie reisst auf. Spalten kommen aber auch in der Nähe der Gletscherzunge vor, wenn das Eis am unteren Ende des Gletschers zu zerfallen beginnt.
Der Riss im Schelfeis
Wissenschaftler der amerikanischen Weltraumbehörde Nasa haben nun in der Westantarktis eine ganz besondere, mehr als 30 Kilometer lange Gletscherspalte untersucht. Sie befindet sich am Pine-Island-Gletscher, einem etwa zweihundertfünfzig Kilometer langen Eisstrom, der vom Hudson-Gebirge in die Amundsen-See fließt. Die Zunge dieses Gletschers schwimmt als kleines Schelfeis auf dem Meer. Im Oktober vergangenen Jahres tat sich etwa zwanzig Kilometer oberhalb der Schelfeiskante ein mächtiger, sogar auf Satellitenaufnahmen deutlich zu erkennender Riss auf. Dieser zieht sich quer zur Fließrichtung nahezu über die gesamte Breite des an dieser Stelle etwa 500 Meter dicken Gletschers.
Im Tiefflug über die Spalte
Die Nasa hat mit einem in der Antarktis stationierten Forschungsflugzeug die frische Spalte kürzlich mehrmals in geringer Höhe überflogen und vermessen. Dabei wurde unter anderem mit einem Laserhöhenmesser an vielen Punkten die Tiefe und die geometrische Form der Spalte ermittelt. Mehrere Digitalkameras machten in regelmäßigen Abständen stereographische Aufnahmen von der Spalte. Im Computer wurden die Messungen nun zusammengefügt. Das Ergebnis sind dreidimensionale Bilder von der Gletscherspalte, die zu einem Videofilm zusammengefasst wurden. Die Spalte ist bis zu zweihundertfünfzig Meter breit und zwischen fünfzig und sechzig Meter tief und reicht an manchen Stellen schon bis auf die Höhe der Wasseroberfläche der Amundsen-See.
Gigantischer Eisberg zu erwarten
Man erwartet, dass sich der Riss im bevorstehenden Südwinter nicht weiter ausdehnt, weil das Meerwasser vor der Gletscherzunge gefriert und dadurch den Eisstrom stabilisiert. Aber schon im kommenden Südfrühling könnte das Gletschersegment unterhalb der Spalte abbrechen und sich vom Eisstrom lösen. Der dabei entstehende Eisberg hätte dann eine Fläche von mehr als neunhundert Quadratkilometern und wäre damit etwa so groß wie Berlin.
Wenn so ein Stück Eis von der Größe Berlins
Closed via SSO (hopedi)
- 09.03.2012, 16:43 Uhr
Wohltuend
Herbert Sax (H.Sax)
- 09.03.2012, 16:37 Uhr
Antarkticspalte
Robert Hagen (Giscard)
- 09.03.2012, 14:17 Uhr
