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Gestauter Jangtse Noch tragen die Sedimente den Sieg davon

13.06.2007 ·  Einer der größten Staudämme der Welt, der Drei-Schluchten-Damm in China, hat die hydrologischen Verhältnisse am Jangtsekiang offenbar stärker beeinflusst als erwartet: Das Delta des Jangtse wird in den kommenden Jahren zunehmend schrumpfen, die Erosion des Flussbettes und seiner Ufer erheblich verstärkt.

Von Horst Rademacher
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Der vor einigen Jahren fertig gestellte Drei-Schluchten-Damm in China, einer der größten Staudämme der Welt, hat die hydrologischen Verhältnisse am Jangtsekiang offenbar stärker beeinflusst als erwartet. Aufgrund von Messungen der Sedimentfracht des Flusses unterhalb des Damms kommen chinesische Forscher nun zu dem Schluss, dass das Delta des Jangtse in den kommenden Jahren zunehmend schrumpfen wird. Außerdem hat sich flussabwärts vom Damm die Erosion des Flussbettes und seiner Ufer erheblich verstärkt.

Der Bau des Drei-Schluchten-Dammes war von Anfang an umstritten. Die Kritik richtete sich in erster Linie gegen die Umsiedlung von mehr als einer Million Menschen, deren Häuser, Fabrikanlagen und landwirtschaftlich genutzte Felder schließlich im Stausee verschwanden. Aber auch die hydrologischen Auswirkungen des Staudammbaus auf den längsten Fluss in Asien waren ein Stein des Anstoßes. Unter anderem wurde die Zuverlässigkeit der Modellrechnungen der mit dem Bau des Dammes befassten Behörde über die zu erwartenden Veränderungen in der Sedimentfracht des Jangtse vielfach angezweifelt.

Durch den Staudamm veränderte Hydrologie

Seit 2003 haben Forscher um S. L. Yang vom Laboratorium für Küstenforschung der East China Normal University in Schanghai die durch den Staudamm veränderte Hydrologie des Jangtse gemessen. In den zehn Jahren vor der Fertigstellung des Staudamms - hier bei seiner Inbetriebnahme - hatte der Fluss jährlich im Durchschnitt 320 Millionen Tonnen Sediment ins Ostchinesische Meer getragen. Diese Menge ging seit der Inbetriebnahme des Dammes im Jahre 2003 um etwas mehr als ein Drittel auf rund 190 Millionen Tonnen pro Jahr zurück. Im gleichen Zeitraum lagerten sich große Mengen an Schlick und Schlamm im Stausee hinter dem Drei-Schluchten-Damm ab.

Wie die Forschergruppe jetzt in den „Geophysical Research Letters“ schreibt, nahm der See pro Jahr etwa 150 Millionen Tonnen Sediment auf. Diese Zahl ist um knapp 20 Prozent höher als die offiziellen Angaben der Dammbaubehörde. Hält die Rate der Sedimentation hinter dem Damm an, könnte der Stausee bereits in 150 Jahren völlig verschlammt sein. Allerdings dürfte der geplante Bau weiterer Staumdämme im Oberlauf des Jangste die Sedimentationsrate deutlich herabsetzen.

Erhebliche Erosion registriert

Klare Veränderungen sind auch unterhalb des Dammes messbar - in einem Gebiet, in dem der Jangtse auf seinem Weg zum Meer nur wenig Gefälle hat. Die von vielen Mäandern und Sümpfen geprägte Landschaft in Zentralchina entstand dadurch, dass der Fluss hier im Laufe von Jahrtausenden ständig Sediment ablagerte. Die Forschergruppe hat nun seit dem Dammbau eine erhebliche Erosion registriert. Allein in einem 40 Kilometer langen Abschnitt des Flusses unmittelbar unterhalb des Dammes betrug die jährliche Erosionsrate 150.000 Tonnen pro Kilometer.

Durch diese Erosion unterhalb des Dammes lässt sich aber der Verlust an jenen Sedimenten, die sich im Stausee bilden, nicht ausgleichen. Als Folge der um etwa ein Drittel verringerten Sedimentfracht hat das Delta des Jangtse zu schrumpfen begonnen. In ihren ursprünglichen Modellrechnungen nahm die Baubehörde dagegen an, dass der Dammbau ohne Einfluss auf das Delta bleiben würde. Es wird nach Meinung der Forschergruppe noch Jahrzehnte dauern, bis sich am Jangtse ein neues Gleichgewicht zwischen Erosion und Ablagerungen eingestellt hat.

Quelle: F.A.Z., 13.06.2007, Nr. 134 / Seite N1
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Jahrgang 1954, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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