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Geologie Ein Salzsee voller Rätsel

Bohrkerne liefern Erkenntnisse über das Alter des Toten Meeres und die Beschaffenheit der Sedimente - aber auch Hinweise auf biblische Katastrophen.

© dpa Vergrößern Das Tote Meer - Salzsee mit wechselvoller Geschichte

Es gibt wohl keinen anderen Binnensee auf der Erde, bei dem die Schwankungen des Wasserspiegels im Laufe der jüngsten Erdgeschichte so groß waren wie im Toten Meer. Auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit stand der Wasserpegel etwa 260 Meter über dem heutigen Niveau. Während der vorausgegangenen Warmzeit trocknete das Tote Meer dagegen nahezu vollständig zu einem kleinen Tümpel aus. Dessen Wasserstand lag mindestens 253 Meter unterhalb des gegenwärtigen Pegels. Das entspricht einer Schwankung in der Höhe der Seeoberfläche von mehr als fünfhundert Metern. Eine internationale Forschergruppe unter Leitung von Wissenschaftlern der Universität in Tel Aviv hat nun der wechselvollen Geschichte des Toten Meeres anhand von Borkernen nachgespürt.

Ein Binnensee form sich

Das abflusslose Tote Meer zwischen Israel und Jordanien befindet sich im tiefsten Punkt der kontinentalen Erdoberfläche. Gegenwärtig liegt sein Pegel 425 Meter unterhalb des weltweiten Bezugsniveaus des Meeresspiegels. Diese langgestreckte Depression in der Erdoberfläche entstand aber nicht etwa durch die vom Jordan, dem größten Zufluss ins Tote Meer, hervorgerufene Erosion. Vielmehr fließt der Jordan entlang einer nahezu Nord-Süd verlaufenden geologischen Verwerfungslinie, entlang der die Arabische und die Afrikanische Erdkrustenplatte aneinander vorbeigleiten. Während diese Bewegung heutzutage ausschließlich horizontal verläuft, entfernten sich die beiden Platten vor einigen Millionen Jahren voneinander. Diese Spreizung führte zu einem Grabenbruch, der sich damals mit Wasser aus dem Mittelmeer füllte. Dabei entstand die sogenannte Sedom Lagune.

Versalzenes Wasser

Nachdem sich vor etwa drei Millionen Jahren die Verbindung zum Mittelmeer geschlossen hatte, verdampfte der größte Teil des Wassers in der Lagune, und am tiefsten Punkt des Grabens entstand das Tote Meer. Im Rahmen der Verdunstung des Wassers der Lagune reicherte sich der Salzgehalt des Seewassers immer mehr an. Zur Zeit ist die Salzkonzentration im Toten Meer etwa zehnmal so hoch wie die im Atlantischen Ozean.

Bohrungen erhellen die Geogeschichte

Um die Entwicklung des Toten Meeres zu untersuchen, hat nun eine Forschergruppe im Rahmen des Internationalen Kontinentalen Bohrprogramms (ICDP) die Seesedimente angebohrt. Dabei wurde eine amerikanische Bohranlage verwendet, die auf einer schwimmenden Plattform aufgebaut war. Insgesamt wurde an drei Stellen gebohrt. Eine der Bohrungen fand in flachem Wasser in Ufernähe statt. Bei einer anderen Bohrung wurden die Sedimente an der tiefsten Stelle des Sees angebohrt. Bei einer Wassertiefe von knapp dreihundert Metern arbeitete sich das Bohrgestänge etwa 460 Meter tief in den Untergrund.

Überraschung aus der Tiefe

Wie die Forschergruppe um Zvi Ben-Avraham von der Tel-Aviv-Universität in der Zeitschrift „Eos“ (Bd. 92, S. 453) berichtet, traf die Bohrkrone dabei in einer Tiefe von etwa 250 Metern auf eine Überraschung. Während sich oberhalb dieser Tiefe Schichten von Salz und Schlamm nahezu regelmäßig abwechselten, stieß man in 253 Meter Tiefe auf eine ausgedehnte Schicht von Kieselsteinen. Darunter lag eine 45 Meter dicke Salzschicht. Nach Meinung von Ben-Avraham deutet die dicke Salzlage auf eine rasche Austrocknung des Sees hin. Die Kieselsteine wurden anschließend bei regnerischem Wetter aus den umliegenden Bergen angespült.

Schwankender Wasserpegel

Obwohl die Datierung der einzelnen in den Bohrkernen gefundenen Schichten noch nicht abgeschlossen ist, fällt die Austrocknung des damaligen Toten Meeres etwa mit dem Höhepunkt der letzten Warmzeit vor etwa 120 000 Jahren zusammen. Anhand von Salzablagerungen entlang der Berghänge in Ufernähe hatten andere Forscher bereits vor Jahren festgestellt, dass zum Höhepunkt der letzten Eiszeit vor etwa 15 000 Jahren der Wasserspiegel des Toten Meeres um mehr als fünfhundert Meter höher lag als zur Zeit des „Niedrigwassers“.

Biblische Erschütterungen

In den Bohrkernen stecken aber nicht nur Informationen über die Klimageschichte des Toten Meeres. Während der größte Teil der durchbohrten Schichten horizontal gelagert war, durchstieß die Bohrkrone gelegentlich Lagen, in denen Salz- und Schlammlagen chaotisch durchmischt waren. Dieses Vermengen ist nach Meinung der Forscher eine Folge von schweren Erdbeben, die im Großraum um das Tote Meer nicht ungewöhnlich sind. Allerdings gab es in den obersten, also den jüngsten Salzlagen recht wenig Störungen. In tieferen, mindestens zweitausend Jahre alten Schichten waren die Durchmischungen dagegen erheblich häufiger. Diese Erdbeben könnten nach Meinung von Ben-Avraham viele der in der Bibel erwähnten Katastrophen erklären.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 24.03.2012, 06:00 Uhr