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Flutkatastrophe Experten fordern Tsunami-Frühwarnung fürs Mittelmeer

03.01.2005 ·  Auch im Mittelmeer kann ein Tsunami entstehen. Dennoch fehlt in der beliebten Urlaubsregion ein Frühwarnsystem.

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Angesichts der Gefahr verheerender Tsunamis wie im Indischen Ozean haben Experten ein Frühwarnsystem für das Mittelmeer gefordert. „Ein Vorwarnsystem ist absolut notwendig“, sagte der griechische Seismologe Professor Wassilis Papazahos am Montag im Rundfunk.

Das von1948 an aufgebaute Frühwarnsystem für den Pazifik, an dem sich 26 Anrainerstaaten beteiligt haben, wäre allerdings nur begrenzt ein Vorbild. „Weil das Mittelmeer nur 1000 Kilometer breit ist, läuft ein Tsunami innerhalb von einer Stunde von einem Ufer zum anderen. Das macht eine Warnung schwierig“, erläuterte Patrick Simon vom Pariser Umweltministerium. Vielerorts würde die Vorwarnzeit nur wenige Minuten betragen. Die griechische Touristeninsel Rhodos und die italienische Insel Sizilien könnten ähnlich von Todeswellen verwüstet werden wie die Ferieninsel Phuket und Sri Lanka am zweiten Weihnachtstag. In der Krisenregion wird ein solches Projekt auch schon konkret angegangen.

Ein Tsunami pro Jahrhundert im Mittelmeer

In den vergangenen zwei Jahrtausenden hat es im Mittelmeer im Schnitt einen verheerenden Tsunami pro Jahrhundert gegeben. Das sind gut fünf Prozent aller Riesenwellen weltweit. Besonders betroffen sind Griechenland und Süditalien. Zwar gibt es im Indischen und im Pazifischen Ozean weitaus größere Tsunamis. Angesichts von mehr als 30 Millionen Touristen, die ihren Urlaub rund um das Mittelmeer verbringen, sei ein Warnsystem aber Pflicht, meinen griechische Experten.

Um die Risiken von Todeswellen zu ermessen, wurden seit 1992 zwei europäische Programme aufgelegt. Frankreich prüft die Gefährdung seiner Küste, griechische und japanische Seismologen arbeiten an einer Kartierung der Brüche in der Ägäis. Dort trifft die afrikanische Platte auf die eurasische, ähnlich der Bruchzone vor Sumatra. Ein weiterer Herd ist die so genannte Subduktionszone vom nordafrikanischen Atlasgebirge bis Italien, zu der zwei unterseeische Vulkane vor Sizilien gehören.

Nach einem Seebeben in der Meerenge von Messina 1908 hatte einTsunami auf Sizilien und an der kalabrischen Küste mehr als 1000 Tote gefordert. 1956 verwüstete ein bis zu 20 Meter hoher Tsunami die Kykladeninsel Amorgos und tötete 53 Menschen. Ursache war ein Beben der Stärke 7,8 auf der Richterskala in der Ägäis. Schon aus der Antike gibt es Berichte über verheerende Flutwellen. Nach einem Ausbruch des Vulkans Thera der Kykladeninsel Santorini wurde im Jahre 1628 vor Christus die Minoische Kultur auf der Insel Kreta zerstört. Die Flutwellen eines Seebebens der Stärke 8,3 forderten im Jahr 365 zehntausende Tote von Sizilien bis Ägypten.

Indonesien will Frühwarnsystem aufbauen

Die gegenwärtige Situation im Indischen Ozean hat die Betroffenen Staaten indes Konsequenzen ziehen lassen - anders als bisher die Mittelmeeranrainer. Die Regierung Indonesiens will mit den Nachbarstaaten ein Tsunami-Frühwarnsystem aufbauen, wie Präsident Susilo Bambang Yudhoyono ankündigte. Dies solle auf der ersten internationalen Konferenz der betroffenen Staaten und der wichtigsten Geberländer am Donnerstag in Jakarta beschlossen werden. Nähere Angaben über die Finanzierung und die Länder, die sich an dem Warnsystem beteiligen sollten, machte Yudhoyono nicht.

Der japanische Ministerpräsident Koizumi versprach unterdessen, daß sein Land dabei technische Hilfestellung leisten würde. Japan verfügt als einziges asiatisches Land über ein Frühwarnsystem, welches aus einem Netz von Faseroptischen Sensoren besteht, das seismische Aktivitäten rund um die Inseln des Landes herum aufzeichnet und an einen Zentralcomputer bei der Meterologiebehörde meldet.

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