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Erdmagnetfeld Das Produkt aus Erde und Sonne

 ·  Buntes Deutschland: Eine neue Karte zeigt die Anomalien des Magnetfeldes. Aus ihr lassen sich Schlussfolgerungen über die Beschaffenheit des Erdbodens in mehreren Kilometern Tiefe ziehen.

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Der Vogelsberg ist wie ein bunter Flickenteppich, um Hamburg herum ist es tiefrot, um Berlin dagegen hellblau. Bei der Zusammenstellung der ersten landesweiten Karte des Erdmagnetfeldes in Deutschland seit mehr als sechzig Jahren haben die Forscher des Leibniz-Instituts für Angewandte Geophysik (Liag) in Hannover tief in die Palette ihres Farbkastens greifen müssen. Zwischen Königsee und Pommerscher Bucht schwankt die Stärke des erdmagnetischen Feldes nämlich um fast zwei millionstel Tesla, was knapp vier Prozent der durchschnittlichen Stärke des Magnetfeldes in Mitteleuropa entspricht.

Wie kommt es zu diesen "Anomalien", welche die Forscher aus den Ergebnissen von fast siebzig Messkampagnen in verschiedenen Teilen Deutschlands nun zusammengestellt haben? Das Erdmagnetfeld entsteht durch die Strömung der geschmolzenen, elektrisch leitfähigen Eisenlegierung im äußeren Erdkern. Diese Bewegung geht derart langsam vor sich, dass sich das Feld während eines Menschenlebens nur unmerklich ändern sollte. Tatsächlich gibt es aber erhebliche Schwankungen in der erdmagnetischen Feldstärke. Sie sind die Folge von Ausbrüchen auf der Sonne, die wiederum zu Störungen der irdischen Magnetosphäre und damit zu Schwankungen der Feldstärke führen. Die solaren Eruptionen dauern meist nur einige Stunden, können aber recht intensiv sein.

Kompassnadeln bleiben unbeeindruckt

Einen deutlichen Einfluss auf die gesamte Intensität des Magnetfeldes hat aber auch das Gestein. Abhängig von seiner mineralischen Zusammensetzung und seiner Magnetisierung kann der Untergrund das Magnetfeld verstärken oder erheblich schwächen. Aus den in der nun vorgestellten Karte dargestellten Variationen lassen sich also Schlussfolgerungen über die Beschaffenheit des Erdbodens in mehreren Kilometern Tiefe ziehen. So wechseln sich beispielsweise am Vogelsberg in Nordhessen positive und negative Anomalien kleinräumig ab, was zu einer Ansammlung bunter Farbkleckse auf der Karte führt. Der Grund: Der Vogelsberg ist ein erloschener Vulkan, und die Laven verschiedener Ausbruchsphasen sind unterschiedlich stark magnetisiert. Auch am vulkanischen Kaiserstuhl im Oberrheintalgraben geht es recht "bunt" zu.

Die stärksten positiven Anomalien gibt es in Norddeutschland zwischen Emden und Rügen, aber auch entlang einer von Südwest nach Nordost verlaufenden Linie in den Mittelgebirgen zwischen Frankfurt am Main und Leipzig. Diese Anomalien schreiben die Forscher paläozoischen Gesteinen in acht bis fünfzehn Kilometern Tiefe zu. Zonen besonders niedriger Feldstärke gibt es dagegen in der Niederrheinischen Bucht, im Rheinischen Schiefergebirge sowie in Berlin-Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern.

Die magnetischen Variationen unter Deutschland sind zu schwach, als dass sie einen spürbaren Einfluss auf die Kompassnadel hätten. Wanderer, die auf klassische Weise navigieren, brauchen also keine Missweisungen zu befürchten. Die neue Karte wird aber nicht nur für die geowissenschaftliche Grundlagenforschung benötigt. Aus manchen Anomalien können Erzsucher auch auf mögliche Lagerstätten im Untergrund schließen. Sogar Ornithologen sind an der Karte interessiert, denn möglicherweise beeinflussen die Schwankungen des Magnetfeldes den Vogelzug.

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Jahrgang 1954, freier Autor im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

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