Home
http://www.faz.net/-gx6-7464s
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Erdbeben Spanien Erdstöße von Menschenhand

 ·  Erdbeben haben nicht nur einen natürlichen geologischen Ursprung. Immer häufiger werden sie auch von Menschen ungewollt ausgelöst, wie die Erdstöße in der spanischen Stadt Lorca im vergangenen Jahr.

Artikel Bilder (1) Lesermeinungen (1)

Das Erdbeben, bei dem im Mai vergangenen Jahres in der spanischen Stadt Lorca neun Menschen ums Leben kamen, war menschengemacht. Zu diesem Schluss ist jetzt eine internationale Forschergruppe gekommen, die das Erdbeben, das trotz einer moderaten Magnitude von 5,1 erhebliche Schäden anrichtete, umfassend untersucht hat. Wie Pablo González von der University of Western Ontario in der kanadischen Stadt London und seine Kollegen in der Zeitschrift „Nature Geoscience“ (doi: 10.1038/NGEO1610) berichten, ist das Beben offenkundig durch das Pumpen von Grundwasser ausgelöst worden.

Beben von Menschenhand

Erdbeben entstehen, wenn mechanische Spannungen in der Erdkruste entweder die Scherfestigkeit von Gestein überschreiten oder die Reibungskraft übertreffen, die verhindert, dass sich zwei Gesteinsschollen entlang einer geologischen Verwerfung gegeneinander verschieben. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese mechanischen Spannungen durch natürliche Vorgänge wie Plattentektonik beziehungsweise Vulkanismus erzeugt werden oder durch menschliche Eingriffe entstehen. Dazu gehören beispielsweise der Bergbau, das Füllen von Stauseen oder die Förderung von Kohlenwasserstoffen.

Erstmalig wurden diese von Menschen verursachte Erdbeben vor siebzig Jahren im Zusammenhang mit dem Füllen des Mead-Stausees oberhalb des Hoover-Damms in den Vereinigten Staaten untersucht. Dabei konnte nachgewiesen werden, dass die Häufigkeit des Auftretens von Erdbeben vom Wasserstand im Stausee abhängt. Je höher der Pegel ist, desto größer ist nicht nur der vom Wasser ausgeübte hyrdrostatische Druck auf das Gestein, sondern auch die Zahl der Erdbeben.Zu dieser sogenannten induzierten Seismizität kommt es auch, wenn Trinkwasser aus unterirdischen Grundwasserquellen gepumpt wird. Dabei ändert sich der Wasserdruck in Abhängigkeit von der Fördermenge. Diese Änderungen beeinflussen das mechanische Spannungsfeld unter Tage, wobei es zu Erdbeben kommen kann.

Sinkender Wasserpegel trifft auf Verwerfung

Die Forscher um González untersuchten nun die vom Lorca-Erdbeben an der Erdoberfläche verursachten Verschiebungen. Aus dem gemessenen Muster konnten sie ein detailliertes Modell jenes Bruches ableiten, der unterirdisch zu dem Beben geführt hat. Das Ergebnis: Der Bruch fand an einer bekannten geologischen Verwerfung statt. Sie liegt in der Zone eines Aquifers aus dem seit Jahrzehnten Trinkwasser gepumpt wird. Dadurch ist der Grundwasserspiegel in der Region in den vergangenen fünfzig Jahren um mindestens 250 Meter gesunken. Der Bruch führte zu einer erheblichen Verringerung des hydrostatischen Drucks auf das Gestein. Weil der hydrostatische Druck der natürlichen mechanischen Gesteinsspannung in dieser Gegend entgegenwirkte, überwog sie nach der Wasserentnahme und es kam zu den verheerenden Erdstößen.

  Weitersagen Kommentieren (71) Merken Drucken
Lesermeinungen zu diesem Artikel (1)
Weitere Empfehlungen
Stärke 6,1 Schweres Beben erschüttert Nicaragua

Ein schweres Erdbeben und drei schwächere Nachbeben haben Nicaragua erschüttert. Es gab etliche Verletzte, dutzende Häuser wurden beschädigt. Mehr

11.04.2014, 05:54 Uhr | Gesellschaft
Was Sie heute erwartet Klagen gegen BER-Flugrouten

Noch hebt am Hauptstadtflughafen kein Flugzeug ab, aber die Gerichte beschäftigen sich unermüdlich mit den Flugrouten. In der Berliner Innenstadt lädt Daimler zur Hauptversammlung. Und in Sachen Oppenheim-Esch entscheidet das Gericht über Schadenersatz. Mehr

09.04.2014, 06:44 Uhr | Wirtschaft
Nachhaltiges Textilsiegel Ethisch Textilien kaufen

Entwicklungsminister Gerd Müller will ein neues Textilsiegel für die Modebranche. Das soll soziale und ökologische Mindeststandards bringen. Bisher herrscht dort Wildwuchs. Ein kleiner Wegweiser. Mehr

07.04.2014, 14:16 Uhr | Finanzen

12.11.2012, 10:49 Uhr

Weitersagen
 

Der Wind dreht sich

Von Joachim Müller-Jung

Der neue IPCC-Bericht warnt vor den katastrophalen Folgen des Klimawandels. Gleichzeitig wird aber deutlich, dass es keine globale Klimapolitik geben wird. Regionale Interessen erfordern regionale Ziele. Mehr 166 50