24.05.2007 · Die Dolinenseen in der einzigartigen Karstlandschaft des mexikanischen Bundesstaates Tamaulipas sind noch vollkommen unerforscht. Mit einem schwimmenden Roboter wird nun der tiefste Einsturztrichter der Welt erkundet.
Von Horst RademacherIm mexikanischen Bundesstaat Tamaulipas verbirgt sich eine bizarre Welt. Lediglich eine dünne Bodenkrume bedeckt dort eine Kalksteinschicht, die stellenweise mehrere Kilometer dick ist. Regen- und Grundwasser haben große Mengen an Kalziumkarbonat aus dem Gesteinsverband gelöst und dabei eine einzigartige Karstlandschaft mit Dutzenden von Dolinenseen geschaffen.
Dolinen sind Einsturzlöcher, in denen das Deckgebirge unter seinem eigenen Gewicht über einem großen Hohlraum kollabiert ist. Die Hohlräume wiederum sind eine Folge der über Jahrtausende nagenden chemischen Kraft des Wassers. Für das Volk der Majas hatten die auch als Cenotes bezeichneten Dolinenseen einst eine besondere Bedeutung, stellten sie doch die Verbindung zur Unterwelt her.
Völlig unerforscht
Viele der Dolinenseen in Mexiko sind noch völlig unerforscht. Im tiefsten Einsturztrichter der Welt, der Doline Zacatón in Tamaulipas, sind Taucher bis in eine Wassertiefe von 281 Meter vorgedrungen. Der Grund der Doline war bei diesen Tauchgängen noch nicht in Sicht. Mitarbeiter verschiedener amerikanischer Universitäten und der Nasa versuchen in diesen Tagen, die tiefste Stelle des Höhlensystems von Zacatón mit einem autonom arbeitenden Unterwasserroboter zu erreichen, der allmählich immer tiefer in die Doline vordringt.
(Video: Die „Clementine“ auf Tauchfahrt)
Der schwimmende Roboter des „Deep Phreatic Thermal Explorer Project“ (DepthX) hat ein Gewicht von mehr als einer Tonne und ist mit 56 Sonargeräten ausgerüstet. Deren Echolotmessungen erfassen ein dreidimensionales Bild der Höhlenwände als Grundlage für ein Programm, mit dem der Bordcomputer des Roboters das Gefährt ohne menschliche Hilfe durch das Höhlenlabyrinth führt. Verschiedene Einrichtungen an Bord sind in der Lage, Wasser- und Gesteinsproben zu nehmen. Wenn der wegen seiner orangen Farbe als „Clementine“ bezeichnete Roboter sein Aufgabe in Mexiko erfolgreich erfüllt, erwägen die Forscher, mit ihm einen der großen Seen unter dem Eis der Antarktis zu erforschen.