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Dürren, Klima, Missernten Kränkelnde Krume

 ·  Fruchtbarer Boden ist kostbarer denn je, doch er ist ausgeliefert: dem Klimawandel, Spekulanten und dem Energiemarkt. Kann die Forschung die Äcker retten?

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Ist es höhere Gewalt, die schiere Machtlosigkeit, oder ist es einfach Versagen? Seit 18 Jahren wacht die Weltgemeinschaft still und leise über ein Vertragswerk, die UN-Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung, die vermeintlich „das einzige rechtsverbindliche internationale Übereinkommen ist, das Umweltschutz und Entwicklung mit einem nachhaltigen Landmanagement verbindet“. Doch in der größten Boden- und Agrarkrise der jüngeren Geschichte gibt es weder ein Aufbäumen noch eine politische Gegenoffensive.

Der Boden, auf dem die Nahrungsmittel für bald neun Milliarden Menschen gedeihen sollen, wird vielmehr denen überlassen, die kurzfristig das meiste Kapital daraus schlagen können: Spekulanten, die auf Dürren wetten, die Preise hochtreiben und die Knappheit in den Hungerregionen forcieren, und - besonders brisant mit zunehmender Trockenheit - die Energieproduzenten, die unter Einsatz ökologisch fragwürdiger Mittel und Subventionen immer mehr wertvolle Biomasse verbrennen. Als der Direktor der Welternährungsbehörde FAO, José Graziano da Silva, vor einigen Tagen die Vereinigten Staaten zum Maßhalten in der Biospritproduktion anhielt und Entwicklungshilfeminister Dirk Niebel für ein Ende der E10-Beimischung plädierte, war das ein Fingerzeig auf kommende Konflikte. Klar ist: Fruchtbares Land wird in einer von Klimaerwärmung und Austrocknung veränderten Welt zunehmend zum heiklen Streit- und Spekulationsgut.

In einer in „Nature Geoscience“ veröffentlichten Untersuchung wird die Trockenperiode zwischen 2000 und 2004 in Nordamerika als die trockenste Phase der vergangenen 800 Jahre in Nordamerika eingestuft. Alles deute im Hinblick auf die Klimaprojektionen auf eine länger anhaltende „Megadürre“ hin - mit Dürreextremen. So wie die Trockenheit in den vergangenen Wochen im Mittleren Westen der Vereinigten Staaten. Sie hat dazu geführt, dass mehr als achtzig Prozent der amerikanischen Mais- und Weizenanbaugebiete von der monatelangen Dürre betroffen sind, die Erträge um die Hälfte geringer ausfallen. Wenn man weiß, dass die Vereinigten Staaten knapp ein Fünftel des Weltmarktes mit Getreide versorgen und bereits vierzig Prozent ihrer Maisernte in die Bioethanol-Erzeugung stecken - Tendenz steigend -, lässt sich ausmalen, dass Futtermittel- und Getreidepreise weiter steigen werden. Die extreme Trockenheit ist auch noch nicht vorüber, und sie betrifft immer größere Gebiete, auch in anderen Getreideexportnationen wie Russland und der Ukraine. Nicht anders auf dem Balkan: Die Europäische Kommission meldete dieser Tage, dass Rumänien die Hälfte des Maises verlieren, Ungarn, Slowenien und Kroatien knapp vierzig Prozent und Moldawien sogar bis zu drei Viertel der Getreideernte einbüßen werden.

Gibt es Lösungen? Kaum. Jedenfalls keine schnellen. Alle Indikatoren weisen in dieselbe Richtung: Wasserknappheit und Hitzestress werden zunehmen. In „Nature“ ist vor wenigen Tagen berichtet worden, dass von achthundert Grundwasservorräten, die man weltweit untersucht hat, zwanzig Prozent bereits stark oder wie im Nildelta, in Nordindien, Pakistan sowie in Kalifornien massiv übernutzt werden. 1,7 Milliarden Menschen leben mit der Gewissheit schwindender Wasservorräte. Und die Landwirtschaft, die bereits drei Viertel der Wasservorräte verbraucht, beansprucht immer mehr.

Helfen Fortschritte aus der Agrarforschung? Sie, die wie die Energieforschung lange Zeit unterfinanziert war, ist jetzt gefragter denn je. Seit vierzig Jahren versuchen Züchtungsforscher, Nutzpflanzen herzustellen, die Trockenheit besser tolerieren. In diesem Jahr wird die erste entsprechende Maissorte aus Gentechlabors, Mon87460, auf 250 amerikanischen Versuchsfeldern angepflanzt. Konkurrent Pioneer hat in 8000 Betrieben einen trockentoleranten Mais verkauft, der ohne Gentechnik bei Hitzestress sieben Prozent mehr Erträge bringen soll. „Von der Biotechnik ist einiges zu erwarten“, sagt Pflanzenbau-Experte Olaf Christen aus Halle, stellvertretender Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirates für Agrarpolitik. Doch das meiste an technischen Neuerungen steckt in der Grundlagenforschung, und die hat ein „Skalenproblem“, so Christen. Will heißen: Die Übertragung von Laborfortschritten ins Freiland gelingt bisher selten. Das gilt auch für das Züchtungsprojekt, das vom amerikanischen Landwirtschaftsministerium in den „Proceedings“ der Royal Society“ (doi: 10.1098/rspb.2012.1005) ins Spiel gebracht wurde: Kultursorten zu züchten, die den industriell bedingt steigenden Kohlendioxidgehalt wie einen Dünger nutzen - „eine der simpelsten und direktesten Strategien, die weltweiten Erträge zu steigern“, schreiben die Autoren. Eine Idee, die systematisch bisher kaum verfolgt wurde. Die aber einen gewaltigen Haken hat: Auch mit ihnen kann man Wüsten nicht in Äcker verwandeln.

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