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„Brockengranit“ aus dem Harz Der Anfang vom Ende Pangäas

Der Gipfel des Harz ist offenbar klar jünger als der Rest des Gebirges. In Kristallen vom Brocken haben Geologen Spuren entdeckt, die auf ein erdgeschichtliches Großereignis schließen lassen: das Auseinanderbrechen des Riesenkontinents Pangäa.

Die Gesteine des Brocken, der höchsten Erhebung im Harz, sind offenkundig jünger als bisher angenommen. Das haben Untersuchungen an winzigen Kristallen ergeben, die Forscher aus Dresden aus dem Granit des Brockengipfels extrahierten. Der Brockengranit ist mit einem Alter von 293 Millionen Jahren deutlich jünger als der Harz selbst. Dieses klassische deutsche Mittelgebirge entstand nämlich mindestens dreißig Millionen Jahre früher während der sogenannten variszischen Gebirgsbildung.

Der Harz ist im Gegensatz zu den Alpen ein uraltes Gebirge. Seine Ursprünge gehen bis ins Karbon zurück, als das heutige Mitteleuropa noch Teil des Riesenkontinents Pangäa war. Damals kamen die in dieser Gegend vorkommenden Sedimentgesteine unter Druck, wurden dabei gefaltet und hoben sich über ihre Umgebung heraus. Im Laufe der Erdgeschichte sackte dieser "Urharz" mehrfach ab. Obwohl dieses mehrmalige Auf und Ab auch die ursprünglichen Gesteine veränderte, sind die Spuren der ersten Hebung in den vielen geologischen Aufschlüssen und in den Bergwerken des Harzes auch heute noch deutlich zu sehen. Ein Ausnahme bildet allerdings der Gipfelbereich des Gebirges. Er besteht anders als der Rest des Harzes im wesentlichen aus Granit, dem sogenannten "Brockengranit".

Spuren in Zirkonkristallen des „Brockengranits“

Über das Alter dieses Granits herrscht seit mindestens zwanzig Jahren Ungewissheit. Forscher aus Münster und Hamburg hatten damals an Hand weniger Messungen vermutet, der Brockengranit sei wesentlich jünger als der Rest der Harzgesteine. Ulf Linnemann und seine Mitarbeiter von den Senckenberg Naturhistorischen Sammlungen Dresden haben nun Dutzende winziger Zirkonkristalle untersucht, die sie aus dem Brockengranit herausgelöst hatten. Diese Kristalle bestehen aus Zirkonium und Quarz und gelten als äußerst widerstandsfähig. In Australien wurden Zirkonkristalle entdeckt, die mindestens vier Milliarden Jahre alt und damit die ältesten bekannten Kristalle überhaupt sind. Das Alter solcher Kristalle lässt sich aus dem Verhältnis der winzigen Mengen an Uran- und Bleiisotopen berechnen, die in den Zirkonen vorkommen. Für den Granit vom Brocken ergab sich daraus ein Alter von 293 Millionen Jahren.

Nach Meinung von Linnemann ist der Granit damit ein deutliches Zeichen für den Beginn des Auseinanderbrechens des Riesenkontinents Pangäa. Granit ist nämlich ein Gestein, das zunächst als Magma aus dem Erdmantel nach oben steigt. Bevor es aber die Erdoberfläche erreicht und zu Lava wird, kühlt sich das Magma ab und kristallisiert noch innerhalb der Erdkruste zu Granit. Der Aufstieg des Magmas sei damals, so Linnemann, nur möglich gewesen, weil Pangäa im Bereich des heutigen Harzes erste Risse und Spalten zeigt. Der Granit zwängte sich auf diesen Wegen durch die älteren Gesteine, die heute den Rest des Harzes ausmachen.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 16.08.2011, 06:00 Uhr

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