Home
http://www.faz.net/-gx6-72lxm
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, HOLGER STELTZNER

Biomasse Weniger Mikroben in den Meeren

Die von den Lebewesen der Erde gebildete Biomasse ist kleiner als gedacht. Einer neuen Erhebung zufolge tragen die Mikroben unter dem Meer nur ungefähr 0,6 Prozent zum insgesamt weltweit gebundenen Kohlenstoff bei.

© dapd Vergrößern Wasserproben mit Blaualgen aus der Ostsee werden in einem Labor des Instituts für Ostseeforschung in Rostock - Warnemünde untersucht.

In den Sedimenten unter dem Meeresgrund leben deutlich weniger Mikroorganismen als weithin angenommen. Zu diesem Ergebnis ist eine deutsch-amerikanische Forschergruppe nach der Auswertung von Proben aus verschiedenen Gebieten des Pazifiks gekommen. Die Befunde lassen es angebracht erscheinen, die irdische Biomasse insgesamt neu zu berechnen.

Große Schwankungen

Wie sich schon früher gezeigt hat, können noch mehre hundert Meter unter dem Meeresgrund produktive Gemeinschaften von Mikroorganismen existieren. Wissenschaftler schätzten, dass die Zellen in den Meeressedimenten bis zu ein Drittel der gesamten Biomasse der belebten Natur unseres Planeten ausmachen. Der neuen Untersuchung zufolge ist das aber viel zu hoch gegriffen. Wie Jens Kallmeyer von der Universität und dem Geoforschungszentrum Potsdam zusammen mit den anderen Forschern herausgefunden hat, schwankt die Zahl der Zellen je nach Untersuchungsgebiet um rund fünf Größenordnungen. Sie hängt stark von der Geschwindigkeit der Sedimentbildung und der Entfernung vom Land ab.

Mehr zum Thema

Nur vier Milliarden Tonnen Kohlenstoff

Zusammengenommen dürften die Sedimente unter den Weltmeeren knapp 3 × 10hoch29 lebende Zellen bergen. Unter Berücksichtigung der mittleren Zellgröße komme man, wie die Forscher in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (doi: 10.1073/pnas.1203849109) berichten, auf rund vier Milliarden Tonnen gebundenen Kohlenstoffs. In früheren Schätzungen waren 60 bis 303 Milliarden Tonnen genannt worden. Somit ist wohl auch die insgesamt von den Lebewesen der Erde gebildete Biomasse kleiner als bislang veranschlagt. Der neuen Erhebung zufolge steuern die Mikroben unter dem Meer nur ungefähr 0,6 Prozent bei.

Quelle: F.A.Z.

 
 ()
   Permalink
 
 
 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Interview mit dem Chemie-Nobelpreisträger Stefan Hell Ein Heureka habe ich oft erlebt

Wer an unumstößlichen Gesetzen rüttelt, hat es schwer. Das hat der Nobelpreisträger bitter erfahren müssen. Doch am Ende triumphierte seine Idee vom Supermikroskop. Mehr

19.10.2014, 17:00 Uhr | Wissen
Mann stirbt nach Hai-Attacke

Polizeiangaben zufolge schwamm der Mann etwa 20 Meter vom Ufer entfernt, als er ins Bein gebissen wurde. Wenig später wurde von anderen Strandbesuchern auf dem Wasser treibend gesehen und aus dem Meer gezogen Mehr

09.09.2014, 11:55 Uhr | Gesellschaft
Was Sie heute erwartet Gleicher Sold für Jung und Alt?

<p> Ist es rechtens, wenn junge Beamte weniger verdienen? Mit dieser Frage befasst sich heute das <strong>Bundesverwaltungsgericht </strong>in Leipzig. Hintergrund ist die umstrittene <strong>Besoldung... Mehr

30.10.2014, 06:48 Uhr | Wirtschaft
Meer- und Wandersagen

Thomas Huber liest Meer- und Wandersagen von Gottfried Benn. Mehr

10.10.2014, 16:08 Uhr | Feuilleton
Probleme der Formel 1 Muss Mercedes jetzt das Startfeld auffüllen?

Die Rennställe Caterham und Marussia sind pleite und fehlen beim Rennen in Austin. Wie kam es zu den finanziellen Problemen? Welche Idee hat Ecclestone? Und vergrößert sich die Formel-1-Krise noch? FAZ.NET beantwortet die wichtigsten Fragen. Mehr

28.10.2014, 14:01 Uhr | Sport
   Permalink
 Permalink

Veröffentlicht: 06.09.2012, 06:00 Uhr

Antibiotika-Notstand in der Medizin

Von Joachim Müller-Jung

Immer mehr Antibiotika werden unwirksam, die Opferzahlen steigen seit Jahren. Und der Bundesminister? Der tut bestürzt und pflegt die politische Tradition: im Hintergrund bleiben. Mehr 2 83