In den Sedimenten unter dem Meeresgrund leben deutlich weniger Mikroorganismen als weithin angenommen. Zu diesem Ergebnis ist eine deutsch-amerikanische Forschergruppe nach der Auswertung von Proben aus verschiedenen Gebieten des Pazifiks gekommen. Die Befunde lassen es angebracht erscheinen, die irdische Biomasse insgesamt neu zu berechnen.
Große Schwankungen
Wie sich schon früher gezeigt hat, können noch mehre hundert Meter unter dem Meeresgrund produktive Gemeinschaften von Mikroorganismen existieren. Wissenschaftler schätzten, dass die Zellen in den Meeressedimenten bis zu ein Drittel der gesamten Biomasse der belebten Natur unseres Planeten ausmachen. Der neuen Untersuchung zufolge ist das aber viel zu hoch gegriffen. Wie Jens Kallmeyer von der Universität und dem Geoforschungszentrum Potsdam zusammen mit den anderen Forschern herausgefunden hat, schwankt die Zahl der Zellen je nach Untersuchungsgebiet um rund fünf Größenordnungen. Sie hängt stark von der Geschwindigkeit der Sedimentbildung und der Entfernung vom Land ab.
Nur vier Milliarden Tonnen Kohlenstoff
Zusammengenommen dürften die Sedimente unter den Weltmeeren knapp 3 × 10hoch29 lebende Zellen bergen. Unter Berücksichtigung der mittleren Zellgröße komme man, wie die Forscher in den „Proceedings“ der amerikanischen Nationalen Akademie der Wissenschaften (doi: 10.1073/pnas.1203849109) berichten, auf rund vier Milliarden Tonnen gebundenen Kohlenstoffs. In früheren Schätzungen waren 60 bis 303 Milliarden Tonnen genannt worden. Somit ist wohl auch die insgesamt von den Lebewesen der Erde gebildete Biomasse kleiner als bislang veranschlagt. Der neuen Erhebung zufolge steuern die Mikroben unter dem Meer nur ungefähr 0,6 Prozent bei.
...als gedacht
Katrin Unkel (Evri)
- 06.09.2012, 07:17 Uhr
