13.05.2004 · Die Umweltschutzorganisation WWF schlägt Alarm. Wenn die derzeit übliche Überfischung in den Meeren nicht gestoppt werde, werde es in 15 Jahren keinen Kabeljau mehr geben.
Die Kabeljaubestände in den Weltmeeren sind nach Ansicht der Umweltschutzorganisation World Wide Fund for Nature (WWF) vor allem durch die Überfischung der weltweiten Gewässer ernsthaft in Gefahr geraten.
Innerhalb von nur 30 Jahren sei die Fangmenge um zwei Drittel auf 950.000 Tonnen gefallen, teilte der WWF am Mittwoch in Genf mit. Noch 1970 seien es 3,1 Millionen Tonnen gewesen. „Wenn dieser Trend anhält, gibt es in 15 Jahren keinen Kabeljau mehr“, sagte ein Sprecher des WWF.
Kurzsichtige Fischereipolitik
Nach Ansicht der Umweltschutzorganisation ist eine von kurzfristigen wirtschaftlichen Interessen gelenkte Fischereipolitik für die Überfischung verantwortlich. Auch eines der letzten noch gesunden Kabeljau-Gebiete in der Barentssee sei in Gefahr. Ursache sei auch dort Überfischung.
Außerdem will Norwegen in der Region im Nordatlantik nach Ölvorkommen suchen und Rußland den eisfreien Tiefwasserhafen im Murmansk ausbauen. Jedes Jahr werden in der Barentssee vermutlich 100.000 Tonnen Kabeljau illegal gefangen. Der WWF appellierte an beide Staaten, die Überfischung zu stoppen. Immerhin hat die EU die Situation erkannt und bereits im vergangenen Dezember ein langfristiges Schutzprogramm gebilligt.
Einst weit verbreitet
Der Kabeljau gehört zu den sogenannten Dorschartigen, wobei man herizulande einen noch nicht geschlechtsreifen Kabeljau aus der Ostssee als Dorsch bezeichnet. Er kommt ursprünglich im gesamten Nordatlantik von Grönland bis North Carolina und von Spitzbergen bis zur Biskaja vor. Vorkommen gab oder gibt es auch in der Nord- und Ostsee sowie im Nordpazifik. Da der Kabeljau ein beliebter Speisefisch ist wurde er Ende des vergangenen Jahrhunderts stark dezimiert, so daß sein Bestand nun ernsthaft gefährdet ist. Bevor die Überfischung einsetzte konnten ausgewachsene atlantische Exemplare des Kabeljau bis zu zwei Meter lang und 100 Kilogramm schwer werden.