21.12.2008 · Im Tal der Könige westlich der ägyptischen Stadt Luxor sind neue Ausgrabungen im Gange. Nach Informationen der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung prüfen Ägyptologen, ob sich unter dem Geröll in der Talsohle ein noch unentdecktes Grab aus der Pharaonenzeit befindet.
Von Ulf von RauchhauptIm Tal der Könige westlich der ägyptischen Stadt Luxor sind neue Ausgrabungen im Gange. Nach Informationen dieser Zeitung soll so geprüft werden, ob sich unter dem Geröll in der Talsohle ein noch unentdecktes Grab aus der Pharaonenzeit befindet. Zuvor hatten Bodenradaraufnahmen Hinweise auf einen Hohlraum unter dem zentralen Platz ergeben, über den jedes Jahr Tausende von Touristen laufen. Zudem legte eine neue Untersuchung nahe, dass die untere Geröllschicht eventuell vorhandene Schächte schon so früh vor Grabräubern verborgen hat, dass sie unberührt geblieben sind.
Das Grabungsareal befindet sich nur wenige Meter von der Stelle entfernt, wo der Archäologe Howard Carter im Jahr 1922 auf den Zugang zu dem Grab mit der Mumie des Pharao Tutanchamun aus dem 14. Jahrhundert vor Christus stieß. Im Gegensatz zu den knapp zwei Dutzend anderen bisher bekannten Herrschergräbern im Tal der Könige war Tutanchamuns Ruhestätte nicht von Raubgräbern ausgeplündert worden und enthielt einen reichen Schatz an Grabbeigaben.
3300 Jahre lang unberührt
Ebenfalls in unmittelbarer Nähe zu der jetzigen Grabung waren amerikanische Forscher im Jahr 2005 auf eine weitere Kammer aus der Zeit Tutanchamuns gestoßen. Sie enthielt zwar keine Mumie oder königlichen Grabbeigaben, war aber ebenfalls 3300 Jahre lang unberührt geblieben.
Die neuen Grabungen werden von ägyptischen Archäologen der staatlichen Altertümerbehörde vorgenommen, die sich zu bisherigen Befunden noch nicht offiziell geäußert hat. Nach Angaben des amerikanischen Ausgräbers der 2005 entdeckten Kammer werden bei der neuen Grabung seiner ägyptischen Kollegen Fundamente von Arbeiterhütten aus späterer pharaonischer Zeit untersucht. Unter solchen Hütten hatte Carter seinerzeit den Zugang zum Grab Tutanchamuns entdeckt.
Sollte es sich bei dem Hohlraum aus den Bodenradaraufnahmen um eine altägyptische Grabkammer handeln, stammt sie höchstwahrscheinlich aus der Zeit Pharao Tutanchamuns und könnte dann eine Persönlichkeit aus dem Umfeld seines Vaters und Vorgängers Echnaton beherbergen. In Frage kämen neben einer Tochter Echnatons auch seine Gemahlin Nofretete, deren weltberühmte Büste im Ägyptischen Museum in Berlin steht. Die 2003 aufgekommene Vermutung, eine namenlose weibliche Mumie aus einem anderen Grab im Tal der Könige könnte die der Nofretete sein, gilt unter Ägyptologen heute als haltlos.
Ulf von Rauchhaupt Jahrgang 1964, verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
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