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Winterstürme im Wandel : Die Grenze des Schlimmen

Wintersturm über Rotterdam: Wenn das Zwei-Grad-Ziel verfehlt wird, bekommt die Stadt irgendwann noch ganz andere Probleme. Bild: AFP

Das Sturmtief „Friederike“ hinterließ Chaos und abermals die Frage, ob uns davon durch den Klimawandel in Zukunft mehr blüht.

          Wer dieser Tage einem Klimaforscher auf die Nerven gehen möchte, fragt ihn, ob denn die globale Erwärmung für den Orkan vom vergangenen Donnerstag verantwortlich gewesen sei. Nun sind Stürme Wetterereignisse. Das Klima jedoch ist die langfristige Statistik des Wetters. Ein einzelner Orkan hängt mit dem Klimawandel daher etwa so zusammen wie das Ergebnis eines einmaligen Würfelwurfs mit der genauen Form und Gewichtsverteilung der verwendeten Würfel. Erst eine ausreichend lange Chronik der Stürme kann einen Zusammenhang mit den zunehmenden globalen Temperaturen belegen.

          Ulf von Rauchhaupt

          verantwortlich für das Ressort „Wissenschaft“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          So weit ist es noch nicht. Im Gegensatz zu anderen Folgen des Klimawandels, wie dem Anstieg der Meeresspiegel oder der Ozeanversauerung, ist ein Einfluss auf Häufigkeit oder Stärke von Sturmsystemen bislang keine Beobachtungstatsache. Trotz der vielen Medienberichte über tropische und außertropische Unwetterkatastrophen steht der empirische Nachweis noch aus, dass es heute mehr oder stärker stürmt, als es ohne den Menschen und seine Luft und Meere erwärmenden CO2-Emissionen stürmen würde. „Das sogenannte Signal-zu-Rausch-Verhältnis is bislang zu klein, um solche Veränderungen in den Beobachtungsdaten zu identifizieren“, sagt die israelische Geophysikerin Talia Tamarin, die sich gegenwärtig an der University of Reading in England speziell mit den europäischen Winterstürmen beschäftigt.

          Wärmere Stürme hätten mehr drauf - sofern sie entstehen

          Trotzdem interessiert die Frage, ob – und falls ja, wie – der Klimawandel sich in Zukunft auch auf das Sturmgeschehen auswirken wird. „Darauf haben wir heute eine Antwort“, sagt Tamarin. „Denn viele verschiedene Klimamodelle und Analysen etlicher Studien zeigen hier ähnliche Resultate.“ Solche genauen Untersuchungen sind notwendig, wirken hier doch verschiedene physikalische Prozesse zusammen. Zum einen bildet sich in einer global wärmeren Atmosphäre mehr Wasserdampf. Der speichert Energie als sogenannte latente Wärme, welche wieder freigesetzt wird, wenn der Dampf zu Wassertröpfchen kondensiert. Energiereichere Sturmsysteme aber sind potentiell zerstörerischer.

          Andererseits entstehen die mitteleuropäischen Winterstürme über dem Nordatlantik als Folge des Temperaturunterschiedes zwischen warmen Tropen und kalter Arktis. Da sowohl Modelle als auch Beobachtungen deutlich zeigen, dass sich die Arktis im Zuge des globalen Klimawandels überdurchschnittlich stark erwärmt, sinkt dieser Temperaturunterschied, was der Sturmbildung entgegenwirkt. Das sei aber nur die halbe Wahrheit, sagt Bjorn Stevens, Direktor am Max-Planck-Institut für Meteorologie in Hamburg. Denn auch wenn sich CO2 auf die Atmosphäre insgesamt erwärmend auswirkt – ihre obere Schicht, die Stratosphäre, wird durch das Klimagas gekühlt, und zwar in höheren Breiten in geringerer Höhe. „Bewegt man sich in etwa zwölf Kilometer Höhe vom Äquator polwärts, verlässt man die warme Troposphäre und kommt in die kalte Stratosphäre“, erklärt Stevens. Dieser Temperaturunterschied werde nun stärker, wenn sich die Troposphäre erwärmt und die Stratosphäre abkühlt. „Forschungen weisen darauf hin, dass die obere Troposphäre für Sturmaktivität wichtiger zu sein scheint, und das wäre dann ein Argument dafür, dass es stürmischer wird.“

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