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Geographie : Von Wasser umflossen, vom Winde umtost

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Was ist eigentlich eine Insel? Die Fachwelt streitet darüber. Nur eines steht fest: Inseln sind ein ganz besonderer Lebensraum mit eigenen Gesetzen.

          Borkum ist nicht Neuseeland. Nicht so groß, nicht so schön, nicht ganz so artenreich. Man kommt nur schneller hin. Eines ist Borkum jedoch ganz sicher: eine Insel. Sie ist allseitig von Wasser umgeben, wird nicht bei jeder Flut von Wasser überschwemmt und ist Heimat eigener Pflanzen und Tiere. Neuseeland erfüllt diese Kriterien zwar ebenfalls, ob das Land am anderen Ende der Erde aber wirklich einen Inselcharakter hat, da ist sich die Fachwelt nicht mehr sicher. Drei Wochen ist es her, dass Geologen daran Zweifel anmeldeten.

          Bild: dpa

          Die Neuseeländer haben die Nachricht zunächst gelassen entgegengenommen. Das entspricht zwar ganz ihrem Naturell, ist vielleicht aber auch der Tatsache geschuldet, dass die Menschen dort derzeit ein ganz anderes Problem beklagen. Der Dachverband der Wandervereine moniert überfüllte Wanderrouten und Berghütten. Straßen, Parkplätze und Campingplätze ächzen unter dem Ansturm der Besucher, heißt es. Jeder fünfte Neuseeländer glaubt mittlerweile, dass sein Land zu viele Touristen anzieht, Insel her oder hin. Ob sich das noch verschlimmert, wenn sich der Hintergrund der geologischen Neubewertung herumspricht? Denn wenn Neuseeland keine Insel mehr sein soll, auch keine Inselgruppe, bestehend aus Nordinsel und Südinsel, dann deswegen, weil es ein eigener Kontinent ist.

          Neuseeland ist kein abgebrochenes Stück Australien

          Zealandia wird der siebte Kontinent wohl heißen, falls der internationale Geologenkongress der Hypothese folgt. Den Namen schlug ein amerikanischer Erdwissenschaftler bereits vor 22 Jahren vor, denn spekuliert wird über die Existenz Zealandias schon lange. Was damals jedoch fehlte, waren eindeutige Beweise.

          Dass die so lange ausblieben, liegt am Untersuchungsgebiet selbst: 94 Prozent des neuen Kontinents liegen unter dem Meeresspiegel. Die neuen Vermessungen, die neuseeländische und neukaledonische Forscher im Geologen-Magazin GSA Today nun vorgelegt haben, zeigen, dass sich in einem großen Ring um das Land ein Plateau von etwa einem Kilometer Höhe auf dem Grund des Pazifiks erhebt, das aus kontinentalen Gesteinen besteht: der Festlandsockel Zealandias, ein Schelf mit einer Fläche von der Hälfte Australiens. Dieser lag noch zur Kreidezeit oberhalb des Meeresspiegels und soll sogar stolze fünf Prozent des Superkontinents Pangäa ausgemacht haben. Die Heimat der Kiwis und Kakapos ist demnach die Spitze eines eigenen, wenn auch nahezu vollständig untergegangenen Erdteils – und kein abgebrochener Splitter Australiens, wie man lange dachte.

          Das Ganze ist durchaus mehr als plattentektonische Pedanterie oder Detailwissen, um damit bei Quizsendungen zu punkten. Was eine Insel ist und was nicht, ist in der Fachwelt stark umstritten. Geologen unterscheiden zunächst nur zwei Kategorien: ozeanische und kontinentale Inseln, deren Entstehung und Aufbau jeweils völlig verschieden ist. Kontinentale Inseln sind Teile eines Kontinents, deren Verbindung zum Festland unter dem Meeresspiegel liegt. Sie stehen also auf dem breiten Festlandsockel ihres Kontinents, dem sogenannten Schelf. Auf dem Höhepunkt der jüngsten Eiszeit, als der Meeresspiegel bis zu 130 Meter niedriger lag als heute, waren Hunderte heutiger Inseln mit ihrem Kontinent verbunden, darunter etwa die Britischen Inseln mit Mitteleuropa.

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