http://www.faz.net/-gwz-75qpn
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, JÜRGEN KAUBE, BERTHOLD KOHLER, HOLGER STELTZNER

Veröffentlicht: 16.01.2013, 21:30 Uhr

Singende Dünen Die Korngröße gibt den Ton an

Aus Sanddünen erklingen bisweilen seltsame Töne, die an Trompeten und Geigen erinnern. Jetzt glauben Forscher, das Geheimnis endlich gelüftet zu haben.

von
© Simon Dagois-Bohy Sanddünen in der Nähe der marokkanischen Ortschaft Tarfaya

Sanddünen können Wüstenbesucher bisweilen einen Schrecken einjagen, wenn es aus ihnen plötzlich mit großer Lautstärke brummt. Schon Marco Polo soll auf seinen Reisen durch die Wüste Gobi dieses Wüstensummen vernommen haben. Mittlerweile wurden solche singenden Sanddünen in vielen ariden Gebieten und in einigen Dünenfeldern an Meeresküsten entdeckt. Allerdings gibt längst nicht jede Düne Töne von sich, andere wiederum summen gleich in mehreren Tonlagen. Über die Ursachen der seltsamen Dünenklänge ist bisher nur wenig bekannt. Eine französische Forschergruppe hat nun mit Schallmessungen an Dünen und in Laborversuchen diesem Phänomen weitere Geheimnisse entlockt.

Mehr zum Thema

Fast immer ist die Entstehung der tiefen Brummtöne, die zum Teil Dutzende Kilometer weit hörbar sind, mit Sandlawinen verbunden, die an den Hängen einer Düne abrutschen. Obwohl solche Lawinen beispielsweise durch den Wind an allen Dünen ausgelöst werden, „singt“ nur ein kleiner Teil der mächtigen Sandhaufen. Manche Dünen, beispielsweise jene an der marokkanischen Atlantikküste in der Nähe der Ortschaft Tarfaya, geben monofrequente, saubere Töne ab. Andere Dünen singen dagegen vielstimmig, wobei die Tonfrequenzen selten zweihundert Hertz überschreiten.

Singende Sanddünen, Oman: Natur und Wissenschaft, Erde © Simon Dagois-Bohy Vergrößern Singende Sanddünen bei Al-Askharah im Oman

Symphonisch oder kakophonisch

Die Forschergruppe um Simon Dagois-Bohy von der Université Paris Diderot hat nun die Dünen in der Nähe von Tarfaya mit einer mehrstimmigen Düne im Oman verglichen. Während die Forscher auf den Dünen in Marokko ausschließlich Töne mit einer Frequenz um 105 Hertz maßen, sangen die Dünen im Oman im Frequenzbereich zwischen 90 und 150 Hertz. Wie Dagois-Bohy und seine Kollegen in den „Geophysical Research Letters“ (doi: 10.1029/ 2012GL052540) berichten, bestehen die marokkanischen Dünen durchweg aus Sand mit einer gleichmäßigen Korngröße von etwa 150 bis 170 Mikrometern. Im Oman dagegen variieren die Korngrößen zwischen 150 und 320 Mikrometer.

Erhellende Analyse im Labor

Die Forscher brachten anschließend von beiden Dünenfeldern jeweils mehrere hundert Kilogramm Sand zurück in ihr Pariser Labor. In einer eigens angefertigten Rutsche ließen sie zunächst den marokkanischen Sand eine schräge Ebene hinabgleiten. Auch hier erzeugte die Sandlawine Töne von etwa 105 Hertz. Der omanische Sand gab dagegen, wie erwartet, ein vielstimmiges Konzert. Dann siebten die Wissenschaftler den Sand aus dem Oman und sortierte ihn nach Korngrößen. Als die sortierten Sande nacheinander auf die Rutsche geschickt wurden, brummte es bei beiden Proben einstimmig aus der Lawine. Es stellte sich heraus, dass die jeweilige Tonhöhe von der Korngröße abhing. Je kleiner die Sandpartikeln waren, desto höher klagen auch die Töne.

Nach Meinung von Dagois-Bohy und seinen Kollegen entstehen die Töne durch Resonanzeffekte, wenn der Sand entlang der Dünenflanken hinabgleitet. Abhängig von der Korngröße, beginnen die rutschenden Sandpartikeln zu vibrieren. Wie sich diese einzelnen unhörbaren Schwingungen aber zu dem lauten Resonanzbrummen aufschaukeln können, ist nach wie vor rätselhaft.

Quelle: F.A.Z.

 

Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

Weitere Empfehlungen
Was Sie heute erwartet Machtwechsel auf der Insel: Cameron übergibt an May

Machtwechsel in Großbritannien: Cameron übergibt Amt an May. Nato-Russland-Rat tagt zu Aufrüstungsbeschlüssen von Warschau. EU-Kommission macht Reformvorschläge für europäisches Asylsystem. Mehr

13.07.2016, 07:06 Uhr | Wirtschaft
Trumps Rede in Cleveland Anbiedern an die Sanders-Anhänger

Das Mitgefühl für Bernie Sanders, der in den demokratischen Vorwahlen gegen Hillary Clinton unterlegen war, ist eine Strategie, der sich Trump schon seit einigen Wochen bedient. Mehr

22.07.2016, 10:23 Uhr | Politik
Was Sie heute erwartet Fassungslosigkeit nach Anschlag in Nizza

Anschlag in Nizza: Suche nach Hintergründen. Asien-Europa-Gipfel beginnt mit Merkel - Streit mit China dominiert. Agrarminister der Länder diskutieren Milchkrise in Brüssel. Mehr

15.07.2016, 07:19 Uhr | Finanzen
Amerika Clinton und Sanders gemeinsam gegen Trump

Nach dem erbittert geführten Vorwahlkampf der amerikanischen Demokraten haben Hillary Clinton und Bernie Sanders mit einem gemeinsamen Auftritt die Kampagne um das Präsidialamt eingeläutet. Der Auftritt in Portsmouth fand am Dienstag unter dem Motto stronger together statt. Mehr

13.07.2016, 13:29 Uhr | Politik
Was Sie heute erwartet Neue britische Regierung beginnt Arbeit

Theresa May beginnt Regierungsarbeit. EU-Gericht urteilt über mögliche Staatshilfe für die Deutsche Post. Mehr

14.07.2016, 07:11 Uhr | Finanzen

Lederschildkröten Speck für beschwerliche Reisen

Die Lederschildkröte übersteht auch rauhe Bedingungen. Das sichert ihr Überleben seit Jahrmillionen. Begegnet sie aber Plastikmüll, nützen ihre Fähigkeiten ihr nichts mehr. Mehr Von Diemut Klärner 2 10